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Ulrich Holbein liest über lustvolle Hausfrauen

Künstlerhaus-Direktorin Nora Gomringer sprach auf der Bühne der Landesgartenschau mit ihrem Ex-Stipendiaten, dem Schriftsteller Ulrich Holbein. Der "Öko-Dandy" ist gleichzeitig witzig und sprachmächtig.
Ein von der Natur Besessener: Schriftsteller Ulrich Holbein  Fotos: Ronald Rinklef
 

Er benutzt Anagramme wie "Uliversum Unwiederholbein" oder "Uriel Bohnlich". Er bewohnt eine von kaum gebändigter Natur umwaberte Klause im oberhessischen Knüll-Mittelgebirge, verfasste ein 1000-seitiges Werk über die Narren aller Zeiten und Länder und jüngst eines über Jean Paul. Er sieht sich gern als Öko-Dandy oder noch lieber Ökosoph und ist einer der sprachmächtigsten, dabei witzigsten Literaten in diesem Land.
Was Wunder, dass Nora Gomringer den Ex-Stipendiaten Ulrich Holbein des Künstlerhauses Villa Concordia, das sie leitet, für ihre Reihe "concordia:grün" auf der Landesgartenschau zu gewinnen suchte. Und gewann. Es war ein launiger Nachmittag in heißer Septembersonne an der äußersten Westspitze der Erba-Halbinsel, als Gomringer den Schriftsteller - er ist, zum Thema passend, auch bienenfleißig mit rund 1000 Veröffentlichungen - zum spannenden und landesgartenschauaffinen Thema "Was meinen Sie mit Grün?" befragte.
Die Direktorin und Lyrikerin erwies sich als originelle und reaktionsschnelle Moderatorin, die mitunter skurrile Antworten ihres ehemaligen Schützlings - meist - trefflich zu parieren wusste. Der wiederum trägt gern ein Buster-Keaton-Pokerface zur Schau, so dass man sich immer mal wieder fragt: Meint er das jetzt ernst? Oder spottet der Weltweise (der auch alles gelesen hat) über Zuhörer auf niedrigerer Bewusstseinsebene?
Die Texte, die er las, waren jedenfalls echter Holbein. In "Uhu und Amadeus" konterkariert er Hochkultur und Natur ("Ein Hängebauch aus Vietnam stand staubgrau im Beton"), Mozarts Divertimento op. 131 mit "Lama-Nachklang und Uhu-Schmerz". Seine Naturbesessenheit erklärte der 59-Jährige mit seiner Herkunft als Sohn eines Ingenieurs, der "patentgeschützte Speckschneider" erfand; Bastelkeller waren für den sensiblen Sohn ergo Folterkammern.
Mächtiger botanischer Magnetismus machte sich auch in einem Text breit, der die erotischen Faszinationen des 16-jährigen Gärtnergehilfen Holbein schilderte angesichts von "800 reifen Damen am Tag, mindestens 180", die bei Blumenduft und Blütenzauber lustvoll raunten: "Da kamen ziemlich ekstatische Töne auf!" Als der Ökosoph und "Kontemplativling" in einem Text über den Riesenbärenklau von "Zappelwittchen" schwärmte, als er den Menschen mit einem Pilz verglich ("Steinpilz oder Fußpilz?") und endlich Grün als auch Farbe ekliger Darmprodukte oder der Verwesung denunzierte: Da war man endgültig im Universum des Uliversum angekommen. Der völlig zu Recht mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet worden ist.

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