Microsoft öffnet sich weiter

Sie nutzen Windows 10? Dann dürfte Ihnen schon einmal die Assistentin Cortana begegnet sein. Die wenigsten von uns werden sie aber wirklich aktiv verwenden. Das könnte sich 2017 ändern.
Detail: So könnte der smarte Lautsprecher von Harman Kardon mit Cortana an Bord aussehen: Bild: Youtube-Screenshot Windows
 
von JOHANNES MICHEL

Microsoft macht aktuell das, was eigentlich immer Konzernpolitik war: Software entwickeln und diese den Herstellern der Hardware zur Verfügung stellen. So funktionierte das Erfolgsgeheimnis hinter Windows über lange Zeit, dann kam Microsoft auf die Idee, selbst Geräte herzustellen. Von den Surface- und Lumia-Produkten war so mancher Hersteller nicht gerade begeistert, Schwung in den Markt gebracht haben sie aber dennoch.

Nun besinnt sich Microsoft auf alte Stärken und öffnet die digitale Sprachassistentin Cortana für die Hersteller. Direkt loslegen wird Soundspezialist Harman Cardon, schon im kommenden Jahr soll ein smarter Lautsprecher zur Konkurrenz für Amazon Echo (Alexa) und Google Home werden. Der Schritt ist durchaus beeindruckend, denn bislang ist Cortana nur in Zusammenhang mit Windows und als eine noch in der Entwicklung befindliche App für Android zu haben. Ein weiterer Vorteil: Amazon Echo ist in vielen Märkten, auch in Deutschland, bisher nur auf Einladung zu haben und damit äußerst gering verbreitet. Google Home soll im kommenden Jahr in unseren Breitengraden auf den Markt kommen.

Der Harman-Cardon-Lautsprecher soll aber nicht nur die Assistentin Cortana bieten, sondern auch mit einem guten Klang überzeugen. Sein Einsatzzweck: Ersatz für die Musikanlage, etwa in Küche, Bad oder Wohnzimmer, aber eben auch digitaler Notizblock, Stichwortgeber und Meteorologe. Über weitere Funktionen ist noch nichts bekannt, lediglich ein kurzes Produktvideo gibt erste Einblicke:


Der Technik-Michel meint:
Bislang konnten sich die Sprachassistenten nicht wirklich durchsetzen. Das hat verschiedene Gründe. Erstens: Jeder Hersteller setzt auf seine eigene Technologie – Cortana bei Windows, Siri bei Apple, Google Now bei Google. Und dann mischt noch Amazon mit Alexa mit. Wenn Cortana nun auf andere Geräte kommt, wird das besonders Nutzer von Windows-PCs und -Tablets freuen. Nicht gelöst wird damit aber das Problem, dass ein Großteil der Nutzer zudem Google Now auf dem Android-Smartphone oder Siri auf dem Apple-Smartphone nutzt oder nutzen könnte. Eine Verbindung der verschiedenen Assistenten ist auf Wunsch der Hersteller natürlich nicht möglich.

Zweitens: Der Datenschutz beschäftigt viele Anwender. Denn die smarten Lautsprecher müssen immer zuhören und auf Kommandos warten. Somit bekommen sie theoretisch alle Gespräche mit, die im gleichen Raum geführt werden. Das ist bei allen Herstellern gleich, die Frage ist also: Wenn ich so etwas nutzen möchte – wem vertraue ich mehr? Apple? Microsoft? Google? Amazon?

Ohne Frage werden die Sprachassistenten ein Teil der Zukunft sein. Und Microsoft Schritt, die Technologie an die Hardware-Hersteller weiterzugeben, könnte belebend sein. Denn Windows wäre ohne Dell, HP, Lenovo & Co. nicht zum Marktführer unter den Betriebssystemen für Desktop und Notebook geworden.

zum Thema "Technik - Michel"






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