Microsoft-Forscher: Die Tastatur wird sterben

Ob PC oder Smartphone: Die meisten Eingaben erledigen wir nach wie vor mit einer Tastatur, ob mechanisch oder virtuell. Ein Microsoft-Forscher meint nun, dies werde bald der Vergangenheit angehören. Hat er recht?
Eine Sprachsteuerung ist bei Windows schon eingebaut.
 
von JOHANNES MICHEL

Klassische Tastaturen sollten eigentlich schon längst nicht mehr vorhanden sein, erklärt Microsoft-Forscher Dave Coplin in einem Interview mit der Zeitung Evening Standard. Denn eine Eingabemethode, die aus dem 19. Jahrhundert stamme, habe im 21. Jahrhundert nichts mehr zu suchen. Also, so meint er, würden in naher Zukunft die Tastaturen aussterben und durch andere Eingabemethoden ersetzt werden. Coplin gehört zu einem Team bei Microsoft, das auch die Sprachassistentin Cortana entwickelt hat, die in das aktuelle Betriebssystem Windows 10 fest integriert wurde.

Coplin übersieht dabei aber, dass Tastaturen im Vergleich zu anderen Methoden nach wie vor riesige Vorteile haben. Denken wir etwa daran, unterwegs eine Nachricht zu schreiben. In einem vollen Zug wäre es kaum möglich, dem Smartphone einen Text zu diktieren, einmal ganz davon abgesehen, dass vielleicht nicht alle Nachbarn den Inhalt mitbekommen sollen. Auch in einem Großraumbüro könnte es bei Spracheingaben, würden sie von allen Schreibtischarbeitern genutzt, zu Schwierigkeiten kommen. Coplin erwähnt im Interview aber zudem Alternativen, etwa die Steuerung per Geste oder mit den Augen. Letztere Option gibt es heute schon für behinderte Menschen, die so einen Computer vollständig ohne Maus und Tastatur bedienen können. Und Gestensteuerung wird mit der sich immer besser entwickelnden Virtual Reality ebenfalls an Bedeutung gewinnen.

Spracheingabe: Was heute schon geht
Jeder einigermaßen aktuelle Windows-Computer verfügt über eine Möglichkeit, Texte per Sprache zu diktieren und zudem die wesentlichen Funktionen des Computers per Sprache zu steuern. Durchgesetzt hat sich die Option in der Masse zwar nicht, für alle, die eher weniger schnell mit einer Tastatur tippen können, ist die Spracheingabe aber eine sinnvolle Möglichkeit. Zu finden ist sie im Startmenü von Windows unter „Erleichterte Bedienung“ oder über die Windows-Suche unter „Spracherkennung“. Für die Ersteinrichtung ist ein bisschen Zeit nötig, denn Windows möchte zunächst die Stimme des Sprechers erlernen – und damit dessen Eigenheiten. Dafür muss der Nutzer einige Sätze vorlesen. Notwendig ist außerdem ein Mikrofon, am besten funktioniert die Spracheingabe mit einem Headset. Wer schon Windows 10 verwendet, kann auch die Assistentin Cortana nutzen. Für Diktate ist sie allerdings weniger gedacht, sondern vielmehr für kurze Befehle, Termineinträge im Kalender oder Internetsuchen. Ist Cortana noch nicht eingerichtet, kann das über das Startmenü und den Eintrag „Cortana“ erfolgen.

Einfacher geht es mit Smartphones. Bei allen Betriebssystemen können hier kleine Texte erfasst oder ebenfalls Befehle gesprochen werden. Je nach Betriebssystem und Hersteller muss die Funktion erst im Menü Einstellungen unter „Sprache“ aktiviert werden. Bei Android-Geräten heißt die Option oft „Text-in-Sprache“. Manche Hersteller wie Samsung installieren eigene Apps dafür (bei Samsung etwa „S-Voice“). Die Spracheingabe kann ganz einfach anstatt der eingeblendeten Tastatur verwendet werden. Gestartet wird sie dann über ein Mikrofon-Symbol, das entweder als eine Tastaturtaste hinterlegt ist oder etwas versteckt, zum Beispiel mit einem langen Druck auf die Kommataste, eingeblendet wird. Die Erkennungsrate ist bei den Smartphones oft sehr hoch, das Diktieren ellenlanger Texte empfiehlt sich aber nicht. Vielmehr ist diese Option für schnelle Antworten auf Nachrichten gedacht – oder für die Internetsuche. Die ist bei Smartphones auch über die Sprachassistenten Siri (Apple iOS), Google Now (Android) und Cortana (Windows Phone) möglich.

Der Technik-Michel meint:
Tastaturen werden so schnell nicht ihre Dominanz verlieren, denn die Tastatur hat sich über die Jahre einfach als die beste Eingabemethode herausgestellt. Erlernen muss man sie für schnelles Arbeiten (Zehnfingersystem) genauso wie sinnvolle Spracheingaben. Denn wer sich mit Sprachsteuerung beschäftigt, wird sehr schnell feststellen: Manchmal ist die Technik nicht so intelligent, wie gewünscht. Da kann schon das Setzen eines Kommas zum Abenteuer werden. Auf der Tastatur hingegen genügt ein Tastendruck.

zum Thema "Technik - Michel"






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