Augsburg
Prozess

Kinder eingesperrt und vernachlässigt: Eltern müssen nicht ins Gefängnis

Ein Ehepaar hat vor dem Amtsgericht Augsburg zugegeben, dass es seine fünf Kinder monatelang völlig vernachlässigt hat. Dafür wurden sie jetzt verurteilt.
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Ein Ehepaar aus Schwaben hat vor dem Amtsgericht Augsburg zugegeben, dass es seine fünf Kinder monatelang völlig vernachlässigt hat. Symbolboto: Patrick Pleul/dpa
Ein Ehepaar aus Schwaben hat vor dem Amtsgericht Augsburg zugegeben, dass es seine fünf Kinder monatelang völlig vernachlässigt hat. Symbolboto: Patrick Pleul/dpa
Wegen massiver Vernachlässigung ihrer fünf kleinen Kinder sind eine 30 Jahre alte Mutter und ein 37 Jahre alter Vater zu jeweils einem Jahr und acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Eltern hatten sich monatelang nicht um die Buben und Mädchen im Alter von einem bis neun Jahren gekümmert und diese nachts regelmäßig in deren Zimmern eingesperrt. Die Kinder mussten dann in ihre Betten urinieren, weil sie nicht auf Toilette konnten. In dem Prozess vor dem Augsburger Amtsgericht hatten die beiden Angeklagten am Freitag alle Vorwürfe zugegeben.


Stress im Job und Depressionen als Ausreden?

"Ich habe nie gedacht, dass ich meine Kinder psychisch und seelisch so kaputt mache", sagte der Vater am Freitag unter Tränen in dem Prozess. Er begründete sein Verhalten mit zahlreichen Überstunden als Busfahrer, seine Partnerin gab eine Depression durch die Schwangerschaft mit dem jüngsten Kind an.


Hilferuf: Kinder warfen Spielzeug aus dem Fenster

Im April waren die Kinder in Schwabmünchen (Kreis Augsburg) Nachbarn aufgefallen, als sie Spielzeug aus dem Fenster warfen, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen. Eine Polizistin stieg dann durch ein Fenster in die Wohnung ein. Dort habe sie verwüstete Zimmer gesehen, alles habe unerträglich gestunken, sagte die Beamtin. Die fünf Kinder im Alter von einem bis neun Jahren kamen in eine Klinik. Die Ärzte stellten fest, dass sie verlaust und zurückgeblieben waren. Heute leben die Kinder bei Pflegefamilien und in Heimen.

Richter Dominik Wagner machte klar, dass es nicht selbstverständlich war, dass die Eltern nicht ins Gefängnis müssen. Er betonte, dass die Tatfolgen für die körperlich und psychisch dadurch beeinträchtigten Kinder noch längst nicht abzusehen seien. "Das ist das Schlimmste und Tragischste an dem ganzen Verfahren." Er machte den Eltern zur Bewährungsauflage, dass sie nun vier Jahre lang jeden Monat zehn Stunden gemeinnützige Arbeit leisten müssen. Das soll sie daran erinnern, was sie ihren Kindern angetan haben.

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