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EU-Parlament: Wird der Döner bald in Deutschland verboten?

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments will den bisher üblichen Zusatz von Phosphat in tiefgefrorenen Fleisch-Spießen nicht mehr zulassen.
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Der Umweltausschuss des EU-Parlaments will den bisher üblichen Zusatz von Phosphat in tiefgefrorenen Fleisch-Spießen nicht mehr zulassen.Andreas Gebert/dpa/Symbolbild
Der Umweltausschuss des EU-Parlaments will den bisher üblichen Zusatz von Phosphat in tiefgefrorenen Fleisch-Spießen nicht mehr zulassen.Andreas Gebert/dpa/Symbolbild

Im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat sich am Dienstag (28.11.2017) ein Einspruch von Sozialdemokraten und Grünen initiiert. Sie wollen gegen die Verwendung von Phosphaten in tiefgefrorenen Dönerspießen Einspruch erheben. Das schrieb Europa-Abgeordnete Renate Sommer (CDU), auf Facebook. "Ich bedauere diese Entscheidung", schrieb Sommer auf Facebook weiter. Ein Verbot des Phosphatzusatzes wäre das Ende der Dönerproduktion und damit das Ende zigtausender Arbeitsplätze.

Wie die Zeitung "Bild" berichtete, ist eine Lücke im EU-Recht Schuld am drohenden Döner-Aus. Bisher wird Phosphat in tiefgefrorenen Döner-Spießen eingesetzt, obwohl das in der EU-Verordnung nicht ausdrücklich geregelt ist. Erlaubt ist der Zusatz aber in frischen Dönern.

Wenn das gesamte EU-Parlament dem Einspruch des Umweltausschusses im Dezember zustimmt, dann geht es für alle Döner-Inhaber und Döner-Liebhaber um die Wurst.
 


Wofür braucht man Phosphate im Dönerspieß?

Seit 60 Jahren werden Phosphate bei der Herstellung von Dönerspießen verwendet, und das aus gutem Grund: Die Phosphate halten die Fleischstücke zusammen und sorgen dafür, dass der Drehspieß gleichmäßig gart. Außerdem binden sie Wasser und halten so den Spieß saftig. Ohne Phosphatzusatz würden die Drehspieße beim Grillen in sich zusammensacken und wären innen noch roh, selbst wenn die Außenseite schon fast verbrannt wäre.

Der Vorschlag der Europäischen Kommission, gegen den sich der Einspruch von Sozialdemokraten und Grünen nun richtete, sollte lediglich eine Gesetzeslücke schließen und den Herstellern endlich Rechtssicherheit bieten. Tatsächlich sind Phosphate im verzehrfähigen Endprodukt, also im gegrillten Döner, seit Jahrzehnten erlaubt.

Schlichtweg vergessen hatte die EU-Kommission aber seinerzeit, klarzustellen, dass Phosphate natürlich auch im tiefgefrorenen, noch rohen Drehspieß, der an die Imbissbuden ausgeliefert wird, enthalten sein dürfen. Das Paradoxe daran: Dem Zusatz von Phosphat in anderen sogenannten Fleischzubereitungen hat das EU-Parlament noch 2014 zugestimmt. Dazu gehören z.B. Kassler und Brät, wie es in Bratwürsten verwendet wird.

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