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Von der Leyens Armutsbericht entfacht neuen Koalitionskrach

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Koalition erneut gegen sich aufgebracht. FDP und Teile der CDU sind verärgert, weil ihr Entwurf des neuen Armuts- und Reichtumsberichts - so sehen das die Kritiker - auf Steuererhöhungen einstimmen soll.
Obdachloser in Berlin: Die untere Hälfte der deutschen Haushalte besaß zuletzt lediglich 1 Prozent des Nettovermögens. Foto: Arno Burgi/Archiv
 

Das FDP-geführte Wirtschaftsministerium kündigte an, der Vorlage, die zunehmend ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland beleuchtet, die Zustimmung zu verweigern. Aber auch aus den Reihen der CDU wurde massive Kritik laut.

Das Arbeitsministerium wies den Vorwurf zurück, Steuererhöhungen das Wort zu reden. Schon in den vergangenen Tagen und Wochen war von der Leyen mit ihrem Zuschussrenten-Konzept gegen Altersarmut in Union und FDP auf massive Kritik gestoßen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte angesichts der neu aufgeflammten Debatte vor Mehrbelastungen: «Ich halte von Vermögensabgaben nichts», sagte sie am Donnerstag dem Fernsehsender Sat 1. Die Opposition dringt auf eine Abgabe für Vermögende.

Zum Streit zwischen Arbeitsministerin und Wirtschaftsminister äußerte sich Merkel zurückhaltend. Bisher sei nicht einmal die erste Runde der Abstimmung in der Bundesregierung gelaufen. Das Kabinett werde im November beraten. «Ich bin ganz optimistisch, dass wir dann auch einen gemeinsamen Standpunkt finden.»

In einer internen Stellungnahme aus dem Ressort von Philipp Rösler heißt es, der am Dienstag bekanntgewordene Entwurf sei «nicht ressortabgestimmt» und entspreche daher «auch nicht der Meinung der Bundesregierung».

Der Unmut in der Koalition hatte sich vor allem an der im Bericht angedeuteten Möglichkeit von Steuererhöhungen entzündet: «Die Bundesregierung prüft, ob und wie über die Progression in der Einkommensteuer hinaus privater Reichtum für die nachhaltige Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden kann.»

Rösler hält Forderungen «nach noch mehr Umverteilung» für nicht zustimmungsfähig. «Ich gehe davon aus, dass solche Vorschläge ein für allemal vom Tisch sind und die Bundesregierung sich wieder voll auf das konzentrieren kann, was wichtig ist: Alles was Wachstum und Beschäftigung bringt», sagte Rösler in Bangkok. Dass sich Mitglieder der Bundesregierung bei Auslandsreisen zu aktuellen innenpolitischen Themen äußern, ist höchst ungewöhnlich.

Von der Leyens Ministerium hatte zuvor klargestellt: «Es gibt im Bericht keinerlei Hinweise auf neue Umverteilungen über das Steuersystem. Die Prüfaussage in diesen Zusammenhang zu stellen, ist absolut konstruiert.» Es gehe «ausschließlich und allein um das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung und des Engagements im Rahmen von freiwilligen Spenden- und Stiftertätigkeiten», keineswegs «um Zwangsmaßnahmen».

Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU) sprach in der «Bild»-Zeitung» von «Linksrhetorik pur». Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs sagte: «Das ist das ganze Gegenteil von dem, was wir im Koalitionsvertrag beschlossen haben.»

Das Rösler-Ressort dringt darauf, in dem Bericht die positiven Trends stärker in den Vordergrund zu stellen. So hätten seit 2005 mehr als zwei Millionen Menschen eine Beschäftigung gefunden. Auch sei der Anteil der Niedriglohnbeschäftigung seit 2007 rückläufig und die Langzeitarbeitslosigkeit um 40 Prozent gesunken. «Dadurch hat sich die Lebenssituation einkommensschwacher Haushalte verbessert», so das Wirtschaftsministerium.

SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil nannte den kabinettsinternen Streit eine «Schmierenkomödie» und warnte wie Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin vor einer Selbstblockade der Bundesregierung. Beide warben für eine Vermögensabgabe und einen höheren Spitzensteuersatz. Der Präsident des Sozialverbands SoVD, Adolf Bauer, verwahrte sich gegen Bestrebungen, den Armuts- und Reichtumsbericht «weichzuspülen».

Kommentare

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  • community  Suedstaedter Diesen Post kommentierenkommentieren

    Sparen statt fordern«Die Bundesregierung prüft, ob und wie über die Progression in der Einkommensteuer hinaus privater Reichtum für die nachhaltige Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden kann.»
    Klingt für mich vordergründig nach Enteignung.

    Die wenigsten "Reichen" werden ihr Geld in Bar gebunkert haben. Dieses steckt in ihren Firmen, in Beteiligungen (die wiederum Arbeitsplätze schaffen) und in wirtschaftlichen Anlagegütern. Dieser "Reichtum" hält die Wirtschaft am Laufen, sollte dieses Kapital abgezogen werden, wird dies massive Einschnitte in der Wirtschaft ergeben. Wir Direktor schreibt: das Geld "arbeitet" und nutzt so nicht zuletzt auch allen Bürgern. Auch, wenn man dies nicht so sehen will. Abgeschöpft und dem Staat zugefügt ist dieses jedoch einmalig "verschwunden", "verkonsumiert", wie es oben heißt. Und wer denkt, dass die Politiker mit diesem Geldsegen endlich klar kämen - der wird enttäuscht sein, wenn die Nettokreditaufnahme (wie im Moment der Rekordsteuereinnahmen auch) weiter steigt.

    "Die Reichen" sind durch umsichtiges wirtschaften und sparsamen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wohlhabend geworden, nicht, weil sie immer und immer wieder Kredite auf die Zukunft aufgenommen und Wohltaten veranstaltet haben.

    Solange es keine Haftung für den Beamten und den Politiker in seinem Tun gibt, solange das Schwarzbuch des BdS in jedem Jahr erneut mit Abstrusem gefüllt wird, solange nicht ernsthaft der Ansatz eines Sparwillens erkennbar ist, ist es schlicht eine Frechheit, darüber nachzudenken, wie man weiteres Betriebskapital aus dem Volk abziehen kann.

    Einer der größten Haushaltsposten ist das "Soziale". Hier Zuschüsse für Menschen in Vollzeitbeschäftigung, die ihr Leben nicht mehr selbst finanzieren können. Wenn das Kapital umverteilt werden soll, dann bitte zuerst über Löhne und Gehälter, die ein würdiges Leben aus eigener Kraft ermöglichen. Die "Reichen" können auch so zur Umverteilung gezwungen werden. Mit gerechter Verteilung ohne Politik.

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  • community  hellokitty Diesen Post kommentierenkommentieren

    in dem berichtsollen private Altersvorsorgen nicht richtig berücksichtigt sein. Wenn Selbständige privat vorsorgen, weil sie nicht gesetzlich einzahlen, wird das ihrem Vermögen angerechnet. Wenn ein normal arbeitender Rentenbeiträge zahlt, werden diese nicht angerechnet. Ebenso ist es bei den Beamtenpensionen. Deshalb ist der Bericht totaler Quatsch!

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  • community  Direktor Diesen Post kommentierenkommentieren

    "Stille Vermögen" der Reichen müssen finanz- und volkswirtschaftlichanders bewertet werden. Dies mag folgendes Beispiel verdeutlichen: Ein Milliardär hat 20 Mrd. Dieses Geld ist als Haben investiert und tritt konsummäßig nicht in Erscheinung. Verteile ich nun das Geld an arme Bevökerungsschichten, würde dies sofort verkonsumiert. Und würde dies nun im großen Stil durchgeführt, wäre eine massive Inflation die Folge, denn so viele Konsumgüter stünden doch gar nicht zur Verfügung. Verstärkt würde dieser Effekt noch dadurch, dass keine ausreichende Menge an Investitionsgeldern zur Verfügung stehen würde.

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  • community  johannah Diesen Post kommentierenkommentieren

    von der Leyen sollte die CDU verlassenund in die SED-Nachvolgepartei wechseln. Ihr ständiges Schüren von Neiddebatten passt eher zum Programm dieser Partei, als zu dem der CDU.

    Fakt ist, daß 10% aller Steuerzahler knapp 60% der Steuerlast leisten, während 50% der Steuerpflichtigen nur 3,6% zur Einkommenssteuer beisteuern (ist im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden zu erfahren).

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  • community  neutraler Diesen Post kommentierenkommentieren

    Liebe/r johannahMan kann bei Ihren Ausführungen nur davon ausgehen, dass sie zu den reichen gehören oder von der Wirklichkeit nicht viel verstehen. Die Ministerin ist das soziale Gewissen der CDU und ich rechne damit, dass sie deswegen ihren Posten auch verlieren wird. Denn in dieser Partei will man nicht über Armut in Deutschland reden. Vor der WAhl schon 2 Mal nicht. Wer heute 48 Jahre und jünger ist, wir erfahren was Altersarmut bedeutet. Wer heute 2500.- Euro Brutto verdient, wird nach den Plänen der Regierung nur noch 41% Rente bekommen. D.h. 1050.- Euro Brutto, davon gehen noch mal 10% Abgaben weg. Wer in seinen Beruf nicht bis 67 Jahren arbeiten kann und mit 65 in rente geht bekommt noch mal 14.5% weniger. Der kann also mit unter 900.- Euro rechnen. Bitte überlegen dass nicht alle 5000.- Euro Jobs bekommen kann.

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  • community  Roth Diesen Post kommentierenkommentieren

    Neiddebatten kann man hier nicht erkennen ....... denn es ist Tatsache, dass 10 Prozent der Haushalte in Deutschland über 50 Prozent des Vermögens verfügen und 50 Prozent der Haushalte müssen sich 1 Prozent des Vermögens teilen. Reichtum und Armut trifften in Deutschland immer weiter auseinander.

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  • community  johannah Diesen Post kommentierenkommentieren

    Man kann oder will sie (die Neiddebatte) nichterkennen, wenn man sie selber schürt (gehen sie mal in sich und überlegen sie, was sie so alles bisher gepostet haben).

    Überall auf der Welt zeigen diejenigen, die etwas erreicht haben, sehr gerne, daß sie etwas erreicht haben.

    Nur in DE ist es anders.

    Hier müssen sich die Erfolgreichen ob ihres Erfolges schämen und werden auch noch als die größten Parasiten diese Gesellschaft diffamiert.
    Andererseits genießen Bezieher von staatlichen Transferleistungen, die es verstanden haben möglichst viel aus diesem höchst perversen Systen heraus zu holen, fast schon einen Heldenstatus.

    Was glauben sie denn, was die Albrecht-Brüder aus ihrem Tante-Emma-Laden gemacht hätten, wenn sie nicht in der Nachkriegszeit und in einem andern Wirtschaftssystem jung gewesen wären, sondern im Jahr 2012?

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  • community  denken Diesen Post kommentierenkommentieren

    Gerecht?Wenn in DE ein Heer von Hartz4-Aufstockern und Leiharbeitern für die Industrie Gewinne erwirtschaftet, und die Industrie diese Gewinne steuerfrei im Ausland investiert, weil dort mit noch geringeren Löhnen noch höhere Gewinne erwirtschaftet werden, und dann die Arbeiter in DE in Hartz4 auf Kosten der Allgemeinheit entlassen werden und die Manager mit höheren Gehältern und Boni dafür entlohnt werden, dann hat dies nichts mit Neid zu tun, sondern das ist in meinen Augen Diebstahl!

    Ich gönne einem Mann wie z.B. Herrn Grupp (Trigema) von ganzem Herzen seine Villa, sein Schwimmbad und seinen Hubschrauber, er hat es sich verdient!

    Aber Geschäftemacher auf Kosten der Allgemeinheit, die Ihre Gewinne in Superjachten, und Villen in allen Erdteilen stecken und Milliardäre, die Zeit Ihres Lebens nichts gearbeitet haben, sondern mit Hilfe von Computerprogrammen an der Börse spekulieren und täglich Millionen verdienen und damit die Preise für Rohstoffe noch in die Höhe treiben, brauche ich nicht!
    Es geht nicht um Neid, sondern um gerechte Verteilung für alle!

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