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Breite Front für Verkaufstopp von Biosprit E10

Der Druck für einen Verkaufsstopp des Biosprits E10 wird wegen Rekordständen bei Getreidepreisen immer größer. Nach Bundesentwicklungsminister Niebel (FDP) fordern jetzt auch die Grünen, Greenpeace und Verbraucherorganisationen ein Umdenken bei der Bioenergie-Strategie in Deutschland.
Unbeliebter Kraftstoff: Bisher ist der Biosprit E10 keine Erfolgsgeschichte geworden. Foto: David Ebener
 

«Generell ist Biosprit ein Irrweg, sowohl in Deutschland als auch in den USA, wo bereits rund 40 Prozent der Maisernte für die Ethanolproduktion verwendet werden», sagte der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Thilo Bode, der Deutschen Presse-Agentur.

Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter sagte mit Blick auf ein E10-Aus: «Angesichts der weltweiten Getreideknappheit macht so ein Schritt Sinn». Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist für einen Stopp des Sprits mit zehn Prozent Ethanol. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lässt bisher aber nicht erkennen, dass er eine Abkehr plant.

Foodwatch-Geschäftsführer Bode forderte ein Aus für Bioenergie-Subventionen. «Das würde ja alles gar nicht vonstattengehen, wenn der Steuerzahler nicht zur Kasse gebeten würde, um diese Aktivitäten zu subventionieren.» Das Ganze sei «eine Subvention für die Agrarlobby und eine Beruhigungspille für die Autolobby». In Deutschland komme als Problem der massive Maisanbau für tausende Biogasanlagen hinzu. Auch der angebliche Klimaschutznutzen sei inzwischen klar widerlegt.

Die 2011 erfolgte Einführung von E10 geht auf EU-Vorgaben zurück. Die Regierung will durch die Beimischung von Etahanol aus Getreide, Raps und Rüben die Biokraftstoffquote von derzeit 6,25 Prozent erfüllen. Altmaier ging in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» («FAS») nicht näher auf die E10-Forderungen ein, betonte aber, dass Bioenergie, besonders Biomasse, für die Strom- und Wärmegewinnung in Biogasanlagen, sinnvoll sei. Diese sei «ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger», der eine wichtige Rolle für die künftige Energieversorgung spielen werde.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring äußerte sich wie zuvor Minister Niebel kritisch zum massiven Anbau von Energiepflanzen. «Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig», sagte er der «FAS».


 

Unionsfraktions-Vize Michael Fuchs pflichtete dem im «Spiegel» bei: «Es kann nicht sein, dass Menschen in vielen Teilen der Welt Hunger leiden, und wir verfeuern gleichzeitig Biomasse, um damit wenig effiziente Energie herzustellen.»

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte, dass «mit öffentlichen Geldern Monokultur und Raubbau gefördert werden». Alle staatlichen Anreize für den Maisanbau seien abzuschaffen. Der Anbau von Lebensmitteln müsse Vorrang vor der Energiegewinnung haben.

Greenpeace verweist darauf, dass in Deutschland jährlich aus etwa 1,5 Millionen Tonnen Getreide Ethanol hergestellt werde. Zusätzlich importiere Deutschland rund die Hälfte des eingesetzten Ethanols aus dem Ausland: «Insofern entlastet tatsächlich ein E10-Verbot den Getreidemarkt», sagte Hofstetter. Die weltweiten Vorräte an Getreide seien auf 100 Millionen Tonnen geschmolzen. Weltweit aber würden 150 Millionen Tonnen Getreide jährlich zu Ethanol verarbeitet. Ohne die Ethanol-Erzeugung wären die Lager gut gefüllt, sagte Hofstetter. Bäckereien gehen auch für Deutschland von steigenden Preisen aus.

Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband sieht E10 als gescheitert an. «E10 hat nie funktioniert», sagte Verkehrsreferent Otmar Lell der dpa. Sinnvoller sei es, die CO2-Grenzwerte für Autos zu verschärfen. Mittelfristig führe kein Weg an Elektroautos vorbei.

Das katholische Hilfswerk Misereor erklärte: «Biosprit muss abgeschafft werden, denn er verschärft den Hunger in der Welt.» In der «Bild am Sonntag» betonte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel: «Zum Einen steigen die Preise für Grundnahrungsmittel, wenn wir Mais, Weizen oder Rohrzucker in den Tank kippen. Werden die Lebensmittel zu teuer, hungern Menschen in Kenia oder El Salvador. Zum Anderen werden Bauern in Afrika und Asien von ihrem Land vertrieben, um Platz für neue Biospritplantagen zu schaffen.»

Als Alternative zum Biosprit fordert Greenpeace strengere CO2-Grenzwerte und sparsamere Autos. Gerade deutsche Autobauer setzten immer noch auf viel zu schwere, übermotorisierte Modelle. Daher müsse die EU schärfere Grenzwerte für den Flottenverbrauch vorschreiben. Außerdem müsse ein Tempolimit her.

Die Welthungerhilfe in Bonn äußert sich kritisch zum Vorstoß des Entwicklungsministers. «Die Forderung Dirk Niebel zu einem Verbot von E10 hilft kurzfristig keinem Hungernden in der Welt», erklärt Pressesprecher Marc Groß. «Wir begrüßen, dass jetzt eine Diskussion angestoßen wurde, aber das Problem Hunger ist so komplex und hängt von so vielen Faktoren ab, da ist E10 nur ein kleines Problem», teilte Groß auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

Kommentare

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  • community  unbekannt Diesen Post kommentierenkommentieren

    IrrglaubeWer tatsächlich der Meinung ist, dass die hohen Getreidepreise auf dem Weltmarkt aus der steigenden Nachfrage nach E10-Sprit resultieren, der glaubt auch, dass die hohen Tankstellenpreise von der hohen Nachfrage während der Ferienzeit kommen. Und ausserdem bringt die Geschenke das Christtkind und die kleinen Babies der Storch...

    Wer wirklich etwas gegen grassierende Preistreiberei (egal ob für Nahrungsmittel oder Energie) tun will, der sollte dafür sorgen, dass weltweit an den Börsen der Handel mit eben jenen Gütern verboten wird. Wegen der schwächelnden Währungen flüchten sich nämlich allerorts die Anleger in Rohstoffe.

    In den 80er Jahren wurde allgemein die kritische Zahl der Weltbevölkerung, die problemlos ernährt werden kann, mit 4 Milliarden angegeben. Wo liegen wir denn heute? Wie sollen denn aktuell über 7 Milliarden Menschen ernährt werden? Weltweit sollten wirksame Massnahmen zur Eindämmung des ungezügelten Wachstums unternommen werden, dann würden auch die Lebensmittel reichen.

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  • community  Zeitungsleser Diesen Post kommentierenkommentieren

    Christkindganz so pauschal würde ich Ihre Mitforisten nicht verurteilen.
    Laut ADAC ziehen die Spritpreise saisonbedingt durchaus überproportional an.
    Allerdings haben Sie, was Spekulationen auf Nahrungsmittel betrifft durchaus recht, wobei bekanntermaßen die Dt. Bank sich aus diesem Handel, nach entsprechend sanfter Aufforderung, wieder weitgehend verabschiedet hat.
    Und was die 7 Mrd. Menschen betreffen, da hat mir mal eine geistig offenbar hochpotente Koryphäe hier im Forum schlicht die Intelligenz abgesprochen, als ich etwas sarkastisch, die Energieproduktion betreffend, einen kleinen Weltkrieg empfahl, um die auf der Erde existente Menschenmenge auf < 4Mrd. zu begrenzen, damit´s für den überlebenden Rest wieder reicht.

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  • community  unbekannt Diesen Post kommentierenkommentieren

    SpritpreiseMir ist schon klar, dass die Spritpreise zu Ferienzeiten überproprtional ansteigen. Ich bin nur der Ansicht, dass hier Ursache und Wirkung verwechselt werden. Die MÖ-Konzerne nehmen zu den Zeiten mit höherer Nachfrage eben gerne noch ein kleinen Aufschlag mit.

    Was ihren letzten Satz betrifft: Ich sehe schon, wir funken auf der selben Wellenlänge zwinkern

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  • community  Bambergerlein Diesen Post kommentierenkommentieren

    Ich ...Ich findes es sowie so höchst bedenklich, das man Lebensmittel dazu verwendet und Kraftstoff zu produzieren ...

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  • community  Zeitungsleser Diesen Post kommentierenkommentieren

    etwas genauersonst kommt wieder die Ökolobby angerannt und belehrt eines besseren.
    Es sind zwar keine Lebensmittel, die da umgewandelt und verbrannt werden, aber die Ackerflächen, die ansonsten für Lebensmittel gedacht waren, werden jetzt für Spritersatz verwendet.
    Kommt zwar im Grunde auf´s gleiche raus, ist aber ein kleiner Unterschied

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  • community  blondeskomma Diesen Post kommentierenkommentieren

    Ferienarzt...doch, ich hoffe es .....denn es war von Anfang an Schwachsinn.
    Ich tanke dieses Benzin nicht und wenn es noch so billig ist....

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  • community  DocHoliday Diesen Post kommentierenkommentieren

    Ferienarzt...is auch nicht schlecht *lach*...

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  • community  DocHoliday Diesen Post kommentierenkommentieren

    Ich glaube nicht an eine Rücknahme von E 10Dann müssten Merkel und ihre Vasallen ja eingestehen, dass sie wieder einmal Scheisse gebaut, und wieder einmal gegen den Willen des Volks gehandelt haben!

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