lokale Nachrichten aus Bamberg Coburg Kulmbach Forchheim Haßberge Erlangen-Höchstadt Kronach Rhön Grabfeld Schweinfurt Bayreuth Kitzingen Bad Kissingen

>> als Startseite

Karlsruher Urteil über Rettungsschirm kann dauern

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Eilverfahren zur Euro-Rettung wird sich möglicherweise bis in den Herbst verzögern. Das deutete sich in der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe an.
Andreas Voßkuhle, Vorsitzender des Zweiten Senats beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, eröffnet die Verhandlung über die Eilanträge gegen ESM und Fiskalpakt. Foto: Uli Deck
 

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bat hingegen die Richter zum Ende der rund neunstündigen Sitzung um eine schnelle Entscheidung. «Die Nervosität der Märkte ist sehr groß», sagte er. «Die Bundesregierung möchte keinen Druck ausüben - doch es ist eine Frage von Wochen.»

Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle hatte zuvor Bedenken geäußert, eine schnelle Entscheidung im Eilverfahren, die dann vor allem formal begründet werde, könnte ein falsches Signal aussenden: «Wir sehen doch alle die Schlagzeilen: Euro-Rettung durch Deutschland gestoppt.» Sinnvoll sei es deshalb, sich etwas mehr Zeit zu lassen und eine erste inhaltliche Prüfung vorzunehmen. Dann wäre eine «sehr sorgfältige summarische Prüfung» der Maßnahmen möglich und nicht nur - wie sonst in Eilverfahren - eine Folgenabwägung. Als Zeitrahmen wurden drei Monate genannt.

Finanzminister Schäuble warnte eindringlich vor einem Stopp des ESM, der ursprünglich bereits zum 1. Juli aktiviert werden sollte. «Zweifel an der verfassungsrechtlichen Möglichkeit oder der Bereitschaft der Bundesrepublik Deutschland, Gefahren für die Stabilität der Eurozone abzuwenden, könnten dazu führen, dass die derzeitigen Krisensymptome deutlich verstärkt würden.» Es könnte zu einer verstärkten Spekulation über den Austritt einzelner Staaten aus dem Euro kommen. Die Refinanzierungskosten würden steigen.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält es hingegen für «höchst spekulativ», die Folgen einer weiteren Verzögerung abzuschätzen. Die Finanzmärkte hätten ein verspätetes Inkrafttreten des ESM bereits «teilweise eingepreist». Andererseits biete «auch eine rasche Ratifizierung keine Gewähr, dass sich die Krise nicht mehr zuspitzt», sagte Weidmann.

Im Eilverfahren beschränkt sich die Prüfung des Gerichts in der Regel auf eine Folgenabwägung. Die Richter vergleichen, was schlimmer wäre: Wenn sie die Maßnahmen vorläufig stoppen, obwohl sie sich bei genauerer Prüfung als rechtmäßig erweisen - oder wenn die Regelungen wirksam werden, sich aber im Nachhinein als rechtswidrig herausstellen. Eine Zustimmung zu den völkerrechtlichen Verträgen ließe sich jedenfalls nicht mehr rückgängig machen.

Die Kläger sehen mit dem ESM unkalkulierbare Risiken auf Deutschland zukommen. So argumentierte der Prozessvertreter des CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler, das Gesetzespaket öffne «das Tor zu einer Haftungs- und Transferunion». Die damit verbundenen Belastungen seien kaum abzuschätzen. Damit werde das Haushaltsrecht der Parlamentarier ausgehöhlt.

Der Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, sieht die «rote Haltelinie des Grundgesetzes» erreicht. Jetzt müsse ein neues Grundgesetz her. Das bringe nicht nur Klarheit in der Euro-Frage sondern eröffne auch neue Gestaltungsmöglichkeiten - etwa für die Aufnahme sozialer Grundrechte. «Man kann im Leben natürlich immer Entscheidungen verschieben», sagte Gysi. Dann aber könnte es sein, dass das Gericht in einem Jahr wieder eine Entscheidung treffen müsse. «Dann kann ich Ihnen nur sagen: Treffen Sie sie lieber jetzt.»

Die Richter zeigten in der fast elf Stunden dauernden, nur von zwei Pausen unterbrochenen Verhandlung zunächst kein klares Meinungsbild. Ihre Fragen zielten vor allem darauf, ob es zu einer Erweiterung der deutschen Haftung kommen könnte, ohne dass der Bundestag hierüber noch die Kontrolle hätte. Der ESM soll kriselnde Euro-Staaten unterstützen. Deutschland haftet mit 190 Milliarden Euro. Voßkuhle betonte, die Regelungen zum ESM seien «sehr kompliziert». Auch für das Gericht sei es schwierig, «Boden unter den Füßen zu finden».

«Verfassungsrecht ist ein schwieriges Geschäft», sagte Voßkuhle gegen Ende der Sitzung. Die Richter wüssten das genau. Voßkuhle lobte den rechtlichen Umgang der Streitparteien vor Gericht. «Ich finde, es ist ein guter Tag für den demokratischen Verfassungsstaat.»

Kommentare

nach Bewertung
 
Alte zuerst
 
Neue zuerst
  • community  bpquax Diesen Post kommentierenkommentieren

    und womit solls denn honoriert werdenetwa mit den Piraten oder dem Schreihals Aiwanger?

    (0)
  • community  Direktor Diesen Post kommentierenkommentieren

    Wettrennen um Deutschland wirtschaftlich zu ruinierenEs ist eine eigenartige politische Lage gegeben: Die Bundesregierung verpfändet Deutschland mit hunderten von Milliarden. Die Opposition (aus SPD und Grünen) wendet sich aber nicht dagegen, sondern drängt die Koalition noch dazu die Haftungssummen und die Haftungsqualitäten möglichst schnell zu erhöhen.
    Zur Zeit würde die SPD mit der Forderung nach gemeinsamen Bonds das o.a. Wettrennen gewinnen.
    Ich bin gespannt, wann dies vom Wahlvolk angemessen honoriert wird.

    (0)
  • community  Staffelberger Diesen Post kommentierenkommentieren

    Pflichtfeld,kann man denn selbst als Rentner kleinkariertes Oberlehrer-Gehabe nichtmehr ablegen? Was soll Ihre dünkelhafte Deutschstunde? Um etwas zum Thema zu sagen fehlen Ihnen anscheindend die Argumente. Ihnen bleibt wie meistens nur noch Kommentatorenbeschimpfung. Ist es denn nicht gut für die Letzten, die die Hunde beissen, uns Steuerzahler, daß sich das BVG nicht in gleich oberflächlicher Weise wie Regierung und rotgrüne Opposition, aus Angst vor Erklärungsnöten, husch husch über komplizierte Sachverhalte mit Fraktionszwang schnell hinweg setzt, ohne dem Volk die Konsequenzen zu erklären?

    (1)
  • community  Dr_Pflichtfeld Diesen Post kommentierenkommentieren

    RBBamberg führt jene Sprachwissenschaftler ...... ad absurdum, welche für das Deutsche einen Grundwortschatz von 1000 bis 2000 Wörtern postulieren. Er kommt mit minus 20 aus zwinkern

    (2)
  • community  unbekannt Diesen Post kommentierenkommentieren

    Folgt der Scheindemokratie der Scheinrechtsstaat (d. h. Verfassungsbruch ohne Folgen)?Und das Schlimme ist, die SPD-Eurobondopposition wäre noch zahlungsbereiter als die Regierung.

    (0)

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
* Ich bin mit der Netiquette einverstanden
Ich möchte mir exklusive Leservorteile nicht entgehen lassen und gestatte der Mediengruppe Oberfranken – Zeitungsverlage GmbH & Co. KG und deren verbundenen Unternehmen mir auch nach Ablauf des Abonnements telefonisch und per E-Mail Vorteilsangebote zu unterbreiten. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.
Community
Ich möchte kommentieren und eigene Leserbeiträge verfassen Ich möchte nicht kommentieren und keine eigene Leserbeiträge verfassen  


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wieviel ist 10 / 2: