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Geburtstag

1. Bayerisch-Tschechische Landesausstellung Karl IV in Nürnberg und Prag

Die 1. Bayerisch-Tschechische Landesausstellung rückt Karl IV. zu seinem 700. Wiegenfest in den Mittelpunkt - mit teils kuriosen Exponaten.
Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg dient als Schauplatz der Präsentation "Karl IV."
 
von MARION KRÜGER-HUNDRUP
Punkt zwölf Uhr umkreisen sieben Kurfürsten den thronenden Kaiser. Tag für Tag. Das "Männleinlaufen" an der Nürnberger Frauenkirche ist eine der Touristenattraktionen in der Frankenmetropole. Menschen aller Nationen verfolgen das Schauspiel, welches an die im Jahr 1356 von Kaiser Karl IV. erlassene "Goldene Bulle" erinnert. Darin wurde festgelegt, dass ausschließlich sieben Kurfürsten den deutschen König wählen können, der seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten hatte.

Weder alle Nürnberger, geschweige denn Japaner und Co., werden wissen, dass diese Goldene Bulle eine Art Grundgesetz im Heiligen Römischen Reich war, das immerhin viereinhalb Jahrhunderte währende Gültigkeit besaß.

Da hilft die erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung in Nürnberg und Prag auf die Sprünge, die sich Kaiser Karl IV. (1316 bis 1378) just zu seinem 700. Geburtstag widmet. Der Freistaat Bayern mit seinem Haus der Bayerischen Geschichte und die Tschechische Republik haben unter der Schirmherrschaft der beiden Ministerpräsidenten diese kaiserliche Premiere ins Leben gerufen. "Der Vorschlag für eine solche Länder übergreifende Ausstellung kam von den Tschechen", erklärt Wolfgang Jahn vom Haus der Bayerischen Geschichte, Projektleiter des bayerischen Parts im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.



Erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung bis 25. September in Prag zu sehen

Noch bis zum 25. September wird in der Wallenstein-Reithalle in Prag das Leben und Wirken des bedeutenden spätmittelalterlichen Herrschers Karl IV. beleuchtet. Und zwar mit etwa 150 überwiegend originalen Exponaten aus dem 14. Jahrhundert, die deutsche und internationale Leihgeber zur Verfügung gestellt haben.

"Prag ist sehr zufrieden mit den Besucherzahlen", weiß Wolfgang Jahn, der sich selbst einige Male auf den Weg dorthin gemacht hat.

Ihm ist klar, dass die Bedeutung Karls IV. in Tschechien höher angesiedelt ist als in Bayern. Der Kaiser gelte noch heute als "Vater des Vaterlandes Böhmen", während deutsche Historiker ihn lange als "Erzstiefvater des Reichs" betrachtet hätten - nicht zuletzt deshalb, weil er für seine Hausmachtpolitik in großem Umfang Reichsgut verpfändete.
Ab dem 19. Jahrhundert wurde Karl IV. von beiden Seiten national vereinnahmt, obwohl er sich selbst weder als Tschechen noch als Deutschen, sondern als Kaiser von Gottes Gnaden gesehen hat.

Karl war als Sohn von Johann von Luxemburg und Elisabeth von Böhmen eine wichtige Figur im politischen Spiel. Als Gegenkönig des Wittelbachers Ludwig der Bayer konnte Karl die Unterstützung des Papstes gewinnen und damit den Kampf um die römisch-deutsche Krone. Seine Krönung 1355 in Rom bedeutete die Erneuerung des Kaisertums im Heiligen Römischen Reich.

Doch so fromm er war, so berechnend war er auch: Die Zustimmung der Kurfürsten erkaufte er sich mit erheblichen Geldsummen. Und durch geschickte Heiratspolitik bei seinen vier Ehen wie bei der Verheiratung seiner Kinder spielte die Mehrung seiner Hausmacht stets die wichtigste Rolle. So bildete die Mitgift der Wittelsbacherin Anna von der Pfalz die Grundlage für Karls "Neuböhmen" in der Oberpfalz.


Erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung ab 20. Oktober in Nürnberg

Diese Details aus der kaiserlichen Vita schildern in der grenzübergreifenden Landesausstellung Texttafeln in drei Sprachen: Deutsch, Tschechisch und Englisch. Diese Tafeln wandern von Prag nach Nürnberg, in die einstige freie Reichsstadt, die der zweithäufigste Aufenthaltsort des Kaisers war. 80 Prozent der in Prag präsentierten Exponate werden ab 20. Oktober auch im Germanischen Nationalmuseum zu sehen sein: Urkunden, Handschriften, kulturhistorische und alltagsgegenständliche Zeugnisse, Bilder, Votivtafeln, Reliquiare, Textilien und hochrangige, edelsteinbesetzte Kunstwerke. Medien- und Aktivstationen helfen bei der Vermittlung des museal aufbereiteten Sujets in die Neuzeit.


Mumifizierte Ratte

Natürlich fehlen nicht die besagte "Goldene Bulle" in der wohltemperierten Vitrine und ebenso wenig Objekte, die in einer Rubrik "fantastische Kuriositäten aus Karls Sammlertruhe" bestens aufgehoben wären. So gibt es tatsächlich ein Stück des Stabes von Moses zu bewundern. Oder das Lendentuch Christi und ein Teil des Tischtuches vom Letzten Abendmahl. Wem der Glaube an deren Authentizität fehlt, kann durch die verbriefte Echtheit des kleinsten Exponates wieder versöhnt werden: "Hier ist ihr Platz!" zeigt Wolfgang Jahn auf eine winzige Lücke in der Ausstellungsarchitektur im Aufbau. Ja, Platz findet darin eine mumifizierte Ratte aus dem 14. Jahrhundert, vermutlich eine der Übeltäterinnen, die die damals in weiten Teilen Europas wütende Pest auf Menschen übertrug.


Interessantes Partnerprogramm zur Ausstellung in Prag und Nürnberg

Die Epoche Karls IV. mit ihren Katastrophen und Hungersnöten, mit ihrem Aufschwung von Architektur, Technik, Kunst, Kultur lebt eindrucksvoll auf. Über 400 Einzel- und Partnerveranstaltungen in der Metropolregion Nürnberg sowie entlang der "Goldenen Straße" bis Prag sorgen für ein facettenreiches Begleitprogramm.
Zahlreiche Städte und Gemeinden, deren Geschichte Bezüge zu Karl IV. aufweist, beteiligen sich somit am Festjahr des Kaisers. Bayerisch-böhmische Musik- und Biernächte oder gemeinsame Wettbewerbe von bayerischen und tschechischen Schulen stehen obendrein für eine Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg in heutiger Zeit.

Besonders zu nennen sind neben den Events in der Stadt Nürnberg auch Lauf an der Pegnitz und der Geschichtspark Bärnau. In Lauf befindet sich die von Karl IV. errichtete Burg - das Wenzelsschloss - mit seinem prachtvoll restaurierten Wappensaal. Darin wird eine Ausstellung zu den Burgen und Bauten Karls IV. gezeigt. Der Geschichtspark und die Stadt Bärnau bieten zusammen mit Neustadt und Weiden ein interkommunales Programm an, bei dem sich auf tschechischer Seite die Städte Tachov, Kladruby und Stribro beteiligen.
Wanderungen, Exkursionen, Radtouren, Wallfahrten, Vorträge, Symposien, Märkte, Konzerte und vieles mehr machen sich auf die Spuren Karls IV., dieses hoch gebildeten Kaisers, der als erster Herrscher eine Autobiografie verfasste. Doch auch bayerisch-tschechische Themen des 20. Jahrhunderts bestimmen das Begleitprogramm, klammern etwa "Flucht und Vertreibung aus dem Sudetenland" nicht aus.
Und da unweigerlich die sogenannte staade Zeit heranrücken wird, laufen die Proben für das Nürnberger Weihnachtsmusical auf Hochtouren. "Der Kaiser und die Gauklerin" heißt dieses Spektakel, das in die Welt des Mittelalters eintauchen lässt. Im Mittelpunkt steht - natürlich! - Karl IV.


Landesausstellung Faktem:

Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung "Karl IV." ist im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, Kartäusergasse1, vom 20 Oktober 2016 bis Anfang März 2017 zu sehen. www.KARLIV.eu und www.hdbg.de
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