Seoul

Angeblich Militärdaten aus Seoul von Nordkorea gestohlen

Die USA und Südkorea haben geheime Pläne über potenzielle Angriffe auf nordkoreanische Militäreinrichtungen im Ernstfall entwickelt. Haben jetzt Hacker des Landes die brisanten Daten von Südkorea erbeutet? Die US-Streitkräfte demonstrieren derweil einmal mehr Stärke.
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Kim Jong Un
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zusammen mit Soldaten.

Nordkoreanische Hacker haben nach Medienberichten möglicherweise hunderte von vertraulichen Militärdokumenten aus Südkorea gestohlen.

Unter den Dokumenten hätten sich auch ein geheimer Einsatzplan der südkoreanischen und amerikanischen Streitkräfte für die Beseitigung der nordkoreanischen Führung um Machthaber Kim Jong Un im Ernstfall und Informationen über militärische Einrichtungen befunden, berichtete die Zeitung «The Korea Times» unter Berufung einen Abgeordneten des Regierungslagers.

Unterdessen demonstrierten die USA vor dem Hintergrund des Konflikts um das Atomprogramm Nordkoreas erneut militärische Stärke. Zwei US-Langstreckenbomber absolvierten nach Militärangaben nahe der koreanischen Halbinsel erstmals mit japanischem und südkoreanischem Begleitschutz einen gemeinsamen Übungsflug bei Nacht. Bei dem Manöver wurden nach Angaben Südkoreas Raketenangriffe simuliert. 

Der Hackerangriff auf ein Rechenzentrum des südkoreanischen Verteidigungsministeriums soll bereits im September 2016 erfolgt sein. Die Attacke war den Angaben des Abgeordneten Rhee Cheol Hee zufolge bei weitem umfangreicher, als das Ministerium zugegeben habe. 

Die Behörde hatte laut der «Korea Times» im Mai dieses Jahres zwar eingeräumt, dass ihr Computernetz Ziel eines Hackerangriffs gewesen sei, doch sei der Datenklau demnach «nicht ernsthaft» gewesen. Laut Rhee wurden 80 Prozent des entwendeten Materials mit einem Datenvolumen von 235 Gigabyte bisher noch nicht identifiziert.

Die Angst vor Cyber-Attacken ist im stark vernetzten Südkorea groß. Seoul warf dem verfeindeten Nachbarland im Norden in den vergangenen Jahren mehrfach vor, Internetseiten von Behörden gehackt zu haben. Pjöngjang bestritt die Vorwürfe.

Wie das US-Militär in der Nacht zum Mittwoch auf seiner Website mitteilte, wurden zwei strategische B-1B-Langstreckenbomber bei ihrem Flug über dem Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) von je zwei F-15-Jagdflugzeugen der japanischen und südkoreanischen Luftstreitkräfte begleitet. Mit der Übung sei die «unerschütterliche Bündnistreue» der USA zum Erhalt von Sicherheit und Stabilität der Region demonstriert worden, hieß es.

Das Weiße Haus hatte zuvor erklärt, Präsident Donald Trump sei am Dienstagmorgen von seinen Sicherheitsberatern über mögliche Reaktionen auf nordkoreanische Aggressionen unterrichtet worden. Es sei auch darum gegangen, wie man Nordkorea, falls es notwendig sein sollte, daran hindern könne, die USA und ihre Verbündeten mit atomaren Waffen zu bedrohen.

Die US-Regierung ist seit Tagen bemüht, Stärke gegenüber Pjöngjang zu demonstrieren. Schon im September hatten das US-Militär B1B-Bomber zu sogenannten Abschreckungsübungen nach Südkorea geschickt. Damals wurden Bombenabwürfe an der Grenze zu Nordkorea simuliert.

Die Spannungen in der Region schaukeln sich seit Monaten hoch. Trump hatte Nordkorea im September bei der UN-Vollversammlung mit völliger Zerstörung für den Fall eines Angriffs auf die USA oder deren Verbündete gedroht. Nordkoreas Machthaber beschimpfte Trump daraufhin in einer Erklärung als «geisteskranken» Greis.

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