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Sturm auf die IS-Bastion Mossul

Über Monate bereitet eine Militärallianz die Offensive auf die letzte IS-Hochburg im Irak vor. Sollte Mossul jetzt fallen, wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitestgehend besiegt. Beobachter erwarten einen harten Kampf.
Soldaten bei Mossul:  Von hier aus überrannte der IS weite Teile des Landes. Foto: Andrea Dicenzo/Archiv
 

Mit einer Großoffensive auf die IS-Hochburg Mossul hat im Irak die entscheidende Phase im Kampf gegen die Extremisten begonnen.

Einheiten der irakischen Armee, der Polizei sowie kurdische Peschmerga rückten nach monatelangen Vorbereitungen auf die letzte Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Land vor und meldeten erste Erfolge. Nach Medienberichten sollen 30 000 Mann der Allianz 4000 IS-Kämpfern gegenüberstehen.

Sollte die Offensive gegen die letzte IS-Bastion im Land erfolgreich verlaufen, wären die Dschihadisten im Irak militärisch weitestgehend besiegt. Als Folge der Kämpfe sieht das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR  etwa eine Million Zivilisten in Gefahr , bis zu 700 000 Menschen könnten Hilfe benötigen. Hilfsorganisationen forderten sichere Fluchtwege.

Die IS-Terrormiliz hatte die Millionenstadt Mossul am 10. Juni 2014 vollständig unter Kontrolle gebracht. Von dort aus überrannte sie weite Teile des Landes, aber inzwischen hat sie viele dieser Gebiete wieder eingebüßt. Im Nachbarland Syrien beherrscht die sunnitische Miliz jedoch weiter große Landstriche, steht dort aber ebenfalls unter Druck.

Die groß angelegte Operation begann am frühen Montagmorgen im Schutz der Dunkelheit. Irakische Streitkräfte und kurdische Peschmerga eroberten am ersten Tag nach Angaben von Kurden-Präsident Massud Barsani ein Gebiet von rund 200 Quadratkilometern. Kurdische Peschmerga nahmen nach eigenen Angaben etwa 40 Kilometer östlich von Mossul sieben Dörfer ein. Iraks Armee teilte mit, ihre Einheiten hätten südlich der Stadt zwölf Orte erobert und seien teilweise bis auf 20 Kilometer an die Stadt herangerückt. Das IS-Sprachrohr Amak berichtete von mehreren Selbstmordattentaten gegen die Angreifer.

Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi erklärte in einer kurzen Fernsehansprache, die Stunde des Sieges sei gekommen. Er rief die Bürger von Mossul dazu auf, mit den irakischen Streitkräften zu kooperieren. Der IS hatte bei seinem Einmarsch in Mossul vor mehr als zwei Jahren unter der Bevölkerung Rückhalt gefunden. 2016 werde das Jahr sein, in dem der IS besiegt werde, sagte Al-Abadi.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg: «Würde Mossul befreit werden können, wäre das ein Wendepunkt im Kampf gegen den IS im Irak und würde sicherlich neue Chancen auch für die Stabilisierung des irakische Gemeinwesens bieten.»

Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, warnte vor mögliche Folgen bei einem Sieg der Anti-IS-Koalition. Große Teile der Bevölkerung hätten die Regierung mehr gefürchtet als die Terrormiliz. «Das hat sich sogar verschlimmert durch die wachsende Rolle von schiitischen Milizen unter iranischem Kommando», sagte Steinberg der «Berliner Zeitung». Viele Bewohner befürchteten eine «Art schiitisch-iranische Besatzung der Stadt».

Das amerikanische Verteidigungsministerium lobte den Beginn der Offensive. Die irakischen Sicherheitskräfte seien ihrem Zeitplan voraus, darauf deuteten erste Erkenntnisse hin, sagte Pentagon-Sprecher Peter Cook. Man rechne jedoch mit großem Widerstand durch die Terrormiliz. Cook war bemüht, die Rolle der amerikanischen Soldaten bei der Operation herunterzuspielen. Die Führung obliege den Irakern, die US-Streitkräfte hätten nach wie vor nur eine beratende Funktion inne. Sie befänden sich hinter der Frontlinie.

Umstritten ist der Einsatz schiitischer Milizen bei der Offensive. Diese hatten angekündigt, sich an der Militäroperation zu beteiligen. Die Sunniten lehnen das jedoch ab, weil sie befürchten, dass die schiitischen Milizen ihren Einfluss im Land noch weiter ausbauen könnten. Mossul ist die wichtigste sunnitische Stadt im Irak. Viele Sunniten fühlen sich von der Mehrheit der Schiiten im Land und von der schiitisch dominierten Zentralregierung diskriminiert.

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan besteht darauf, dass Truppen seines Landes an der Befreiung Mossuls teilnehmen. «Wir werden bei der Operation dabei sein, wir werden am Tisch sitzen, es ist nicht möglich, dass wir außen vor bleiben», sagte Erdogan in Istanbul. Die Türkei hat gegen den Willen der irakischen Regierung nahe Mossul Soldaten stationiert. Sie bilden dort Peschmerga und sunnitische Milizen aus.

UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien warnte, er sei höchst besorgt um die Sicherheit von rund 1,5 Millionen Menschen in Mossul. «Familien sind einem extremen Risiko ausgesetzt, in die Schusslinie zu geraten oder von Scharfschützen ins Visier genommen zu werden», sagte er. Hilfsorganisationen hatten vor Beginn der Offensive geklagt, es seien nicht genug Lager errichtet worden, um die Vertriebenen zu versorgen.