Helfer achten religiöse Gefühle in Pakistan

In den Überschwemmungsgebieten im islamischen Pakistan müssen westliche Hilfswerke nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" die kulturellen und religiösen Traditionen achten.
Foto: NADEEM KHAWER dpa
 
Es sei selbstverständlich, dass seine Kolleginnen dort Kopftücher trügen, um auch von der Bevölkerung akzeptiert zu werden, sagte Tankred Stöbe (41), Präsident des deutschen Zweigs der Nothilfe-Organisation, in einem epd-Gespräch am Donnerstag, kurz bevor er nach Pakistan flog.

Frauen im Katastrophengebiet würden auch nur von Ärztinnen oder Krankenschwestern behandelt, nicht von männlichen Medizinern. Der Respekt vor der Kultur gehe soweit, dass Frauen nicht behandelt würden, wenn der Ehemann das ablehne. Zugleich müsse der Fastenmonat Ramadan respektiert werden: "Da muss man auch Kompromisse finden."

Der Aufruf von radikal-islamischen Taliban, westliche Hilfe zurückzuweisen, hat nach Stöbes Worten auf den Hilfseinsatz von "Ärzte ohne Grenzen" keine Auswirkungen. "Wir erleben bisher, dass wir in Pakistan akzeptiert werden, nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von den jeweiligen Machtstrukturen", sagte der Arzt. Die Resonanz solche Aufrufe sei schwer abzusehen. Einzelne radikale Stimmen versuchten offenbar, aus der Not Kapital zu schlagen.

Stöbe zufolge muss "Ärzte ohne Grenzen" in einem politisch unruhigen Land wie Pakistan seine weltanschauliche Neutralität ganz besonders betonen. "Wir sprechen mit allen Konfliktparteien", sagte der Pakistan-Kenner, der bereits im vergangenen Jahr im jetzt überfluteten Swat-Tal war, wo zwei Millionen Menschen vor Militäraktionen geflohen waren. Trotzdem drohten humanitären Helfern Anschläge, Entführungen, Erpressungen und Tötungen. "Die Gefahr ist unsichtbar", sagte Stöbe.

In den überfluteten Gebieten in Pakistan zeichnet sich nach seinen Worten noch längst keine Entspannung ab. "Wir erleben oft, dass die medizinische Not nach dem Abfließen des Wassers noch wächst, weil Krankheiten wie Durchfall und Cholera auftreten", sagte Stöbe.

Die Not sei riesig. "Die Menschen haben nicht nur überflutete Keller, sie haben all ihr Hab und Gut verloren, sie haben ihre Angehörigen verloren." Es sei sehr schwer, Zelte und andere Hilfsgüter an die richtigen Orte zu bringen. "Ganze Dörfer sind verschwunden." Aber sehr beeindruckend sei auch die große Hilfsbereitschaft, so dass viele Obdachlose bei Verwandten, Bekannten und Freunden unterkämen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 14 Millionen Menschen von den Überschwemmungen betroffen. Sechs Millionen Menschen brauchen dringend Lebensmittel und sauberes Trinkwasser. Bisher wurden 1.600 Tote registriert. epd

Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
* Ich bin mit der Netiquette einverstanden
Ich möchte mir exklusive Leservorteile nicht entgehen lassen und gestatte der Mediengruppe Oberfranken – Zeitungsverlage GmbH & Co. KG und deren verbundenen Unternehmen mir auch nach Ablauf des Abonnements telefonisch und per E-Mail Vorteilsangebote zu unterbreiten. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.
Community
Ich möchte kommentieren und eigene Leserbeiträge verfassen Ich möchte nicht kommentieren und keine eigene Leserbeiträge verfassen  


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Das Ergebnis von (2 + 2) * 4 lautet?: