München
Prozessbeginn

Amoklauf München: Waffenhändler gesteht und entschuldigt sich bei Opfern

Vor einem Jahr erschoss ein 18-Jähriger neun Menschen vor dem Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Nun hat der Waffenhändler vor Gericht gestanden.
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Die Pistole Glock 17 und mindestens 450 Schuss Munition hatte der psychisch kranke Schüler über das sogenannte Darknet besorgt, einen verschlüsselten Teil des Internets. Foto: Peter Kneffel/dpa
Die Pistole Glock 17 und mindestens 450 Schuss Munition hatte der psychisch kranke Schüler über das sogenannte Darknet besorgt, einen verschlüsselten Teil des Internets. Foto: Peter Kneffel/dpa
Der Verkäufer der Waffe für den Münchner Amoklauf hat am Montag vor dem Münchner Landgericht die Waffenverkäufe gestanden und sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt. Er räume alle Waffenverkäufe ein, die ihm die Anklage zur Last lege, ließ Philipp K. in einer durch seine Verteidiger verlesenen Erklärung mitteilen.


Waffenkäufe über das Darknet

Er habe alle Waffenkäufe über das Darknet angebahnt, aber alle Käufer auch persönlich getroffen, um sich einen Eindruck von ihnen zu verschaffen. Hätte er einen Hinweis gehabt, dass David S. "eine so grauenvolle Tat begehen würde", hätte er ihm die Waffe niemals verkauft.

Der 32-jährige Philipp K. hatte nach Auffassung der Anklage dem psychisch kranken David S. die Pistole Glock 17 und mindestens 450 Schuss Munition verkauft. Erst damit habe der 18-Jährige seinen lange geplanten Amoklauf umsetzen können, sagte Staatsanwalt Florian Weinzierl. Für den Angeklagten sei eine Schädigung von Menschen an Leib und Leben durch den Einsatz der Waffe vorhersehbar gewesen.

Spätestens seit dem Jahr 2014 hatte Philipp K. nach Ansicht der Staatsanwaltschaft unter dem Pseudonym "rico" im Darknet Waffen angeboten. Sie legt ihm daher neben dem Verkauf der Waffe an David S. weitere Verstöße gegen das Waffengesetz sowie - wegen eines großkalibrigen Gewehrs - auch gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last. Er war im August 2016 in Marburg festgenommen worden.

Der Prozess hatte mit Verzögerungen und einem Disput zwischen Nebenklage und dem Vorsitzenden Richter Frank Zimmer begonnen. Dieser erteilte einen Nebenklageanwalt zunächst nicht das Wort, um seinen Befangenheitsantrag gegen das Gericht zu stellen. Die Nebenklage hatte etwa kritisiert, dass der Vater eines getöteten Jugendlichen nicht als Nebenkläger zugelassen worden war. Für das Verfahren sind zunächst bis zum 19. September zehn Verhandlungstage angesetzt.


Der Amoklauf in München

Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige David S. am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen erschossen und fünf weitere verletzt, ehe er sich selbst tötete. Seine Opfer waren fast durchweg junge Leute mit Migrationshintergrund. Philipp K. wird unter anderem fahrlässige Tötung in neun Fällen und illegaler Waffenhandel vorgeworfen.


Dem Amokläufer und dem Angeklagten scheint eine rechte Gesinnung gemein gewesen zu sein

David S. hegte Sympathien für nationalsozialistische Ideen und den rechtsextremen norwegischen Massenmörder Anders Breivik. Er wählte für seinen Amoklauf den fünften Jahrestag von dessen Tat. Philipp K. wiederum soll in Chats gegen Ausländer gehetzt und mit "Heil Hitler" gegrüßt haben. Beiden scheint eine rechte Gesinnung gemein gewesen zu sein.

Zu dem Prozess sind 15 Angehörige von Opfern und Verletzte von damals als Nebenkläger zugelassen. Für das Verfahren sind zunächst bis zum 19. September zehn Verhandlungstage angesetzt.

Philipp K. war im August 2016 in Marburg festgenommen worden. Die Ermittler waren ihm im Zusammenhang mit anderen Waffengeschäften auf die Spur gekommen. Die Staatsanwaltschaft legt ihm neben dem Verkauf der Waffe an David S. weitere Verstöße gegen das Waffengesetz sowie gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last. Er soll auch mit einem großkalibrigen Gewehr gehandelt haben, das als Kriegswaffe gilt.
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