Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Lebensmittel

Wo "Bio" draufsteht muss auch "Bio" drin sein: EU verschärft Regeln für Bio-Produkte

Drei Jahre lang haben die EU-Staaten um eine neue Verordnung übe Bio-Produkte gerungen. In der Nacht zum Donnerstag gab es einen Durchbruch.
Neue Regeln für Bioprodukte sollen den Wettbewerb für deutsche Bauern fairer machen.  Foto: Monika Skolimowska, dpa
 
Die künftigen Regelungen sollen sicherstellen, dass für alle "Bio-Waren" die gleichen Standards gelten, egal wo sie angebaut wurden.

1. Ein großes Problem ist die Verunreinigung von ökologisch angebauten Nahrungsmitteln durch Pestizide von anderen Äckern. Was soll da getan werden?
Jeder Öko-Bauer ist verpflichtet, Verunreinigungen so weit als möglich auszuschließen. Sollten bei einem Produkt Spuren von Pflanzenschutzmitteln oder Dünger festgestellt werden, die nicht für Bio-Produkte erlaubt sind, müssen Landwirte, Verarbeiter, Händler und Importeure die Ware sofort stoppen und aus dem Handel nehmen. Wenn der Verdacht begründet ist, dürfen die entsprechenden Waren nur als konventionelle Lebensmittel verkauft werden.

2. Das ist alles? Gibt es keine Sanktionen?
Es muss natürlich genau unterschieden werden, ob die Verunreinigung durch den Landwirt selbst zustande kam oder ob "der konventionelle Nachbar mit seinen Spritzmitteln übers Ziel hinausschießt", wie es der Grünen-Europa-Politiker und Agrarexperte Martin Häusling formulierte. Bei schwerem Betrug und vorsätzlichem Handeln kann die zuständige Behörde das Bio-Siegel entweder für drei Jahre oder dauerhaft verbieten.

3. Wer kontrolliert das?
Die Kommission wird eine Studie in Auftrag geben, mit der bis 2024 herausgefunden werden soll, an welchen Stellen Verunreinigungen eigentlich stattfinden: auf dem Acker, auf dem Transportweg oder bei der Verarbeitung. Erst dann will man die Bestimmungen noch einmal überarbeiten. Außerdem soll die komplette Lieferkette einmal im Jahr von zuständigen Aufsichtsbehörden überprüft werden. Betriebe, die die Auflagen mehrere Jahre lang strikt eingehalten haben, müssen sich nur alle zwei Jahre kontrollieren lassen.

4. Welche Regelungen gelten für Importe aus Nicht-EU-Staaten?
Hier wurden alle bisherigen Ausnahmebestimmungen gestrichen. Ob Tomaten, Salat oder Kartoffeln aus einem EU-Anbaugebiet stammen oder aus weiter entfernten Staaten, macht keinen Unterschied: Die Grenzwerte sind einzuhalten. Allerdings kann die Kommission noch zwei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Vereinbarungen Abweichungen von den geltenden Werten zulassen.

5. Muss das Saatgut künftig auch aus ökologischem Anbau stammen?
Antwort: Innerhalb einer Übergangsfrist von 15 Jahren muss alles umgestellt werden. Dann sollen sowohl das Saatgut als auch die tierische Nachzucht aus ökologischen Quellen kommen. Zumindest wenn diese verfügbar sind.

6. Dürfen Hersteller Bio-Produkte auch in Gewächshäusern anbauen?
Das war ein sehr strittiger Punkt, weil vor allem in den skandinavischen Ländern Finnland, Schweden und Dänemark viele Pflanzen nicht im Boden, sondern in speziell ausgestalteten Beeten gezogen werden. Die nun vereinbarte Regel sieht vor, dass eine Übergangsfrist von zehn Jahren eingeräumt wird. Dann müssen sich die dortigen Landwirte aber umgestellt haben. Kurzum: Ein Bio-Produkt ist dann auch im Boden gewachsen.

7. Was bedeuten diesen Vereinbarungen für die deutschen Öko-Bauern?
Die sind praktisch kaum betroffen, weil fast alle Punkte schon heute in der Bundesrepublik gelten. Der deutsche Verbraucher aber darf davon ausgehen, dass er künftig immer die gleiche Qualität bekommt - unabhängig davon, ob ein Nahrungsmittel aus einem Öko-Hof in der Region stammt oder nicht. Das ist ein ganz entscheidender Fortschritt gegenüber der heutigen Situation.

8. Wann treten die neuen Bestimmungen in Kraft?
Zunächst müssen noch die Agrarminister der Mitgliedstaaten und das EU-Parlament zustimmen. Das gilt jedoch als reine Formsache.




Kommentar von Detlef Drewes: Besser "Bio"

Der Satz, dass überall dort, wo "Bio" draufsteht, auch "Bio" drin sein muss, ist banal. Aber nicht banal genug, um die Realität ziemlich genau widerzuspiegeln. Ein wachsender Markt, auf dem die Nachfrage höher als das Angebot war, wurde zum Spielball für jene, die mit dem Gütesiegel Schindluder trieben.

Längst war daraus ein echter Wettbewerb geworden, den nicht gewinnen konnte, wer sich an alle Auflagen hielt.
Nun hat sich die EU mit allen Mitgliedstaaten auf eine Reform verständigt, die vielleicht kein großer Wurf ist, aber sicherlich die gröbsten Schnitzer beseitigt. Da ist zunächst das Prinzip der Verantwortung, das nicht mehr alleine dem Landwirt zugeschoben wird. Denn Verunreinigen mit Pflanzenschutzmitteln oder Düngerresten von konventionell hergestellten Waren können auch beim Transport oder bei der Verarbeitung entstehen.

Das Ausmaß will man herausfinden. Die Kontrollen werden verschärft, Sanktionen wie die Aberkennung des Siegels drohen - die Union hat den Markt geordnet und transparenter gemacht.

Das ist ein Erfolg. Der war allerdings auch nötig, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Denn es kann natürlich nicht sein, dass Verbraucher, die viel Geld für gesunde Lebensmittel investieren wollen, am Ende mit Schummelprodukten nach Hause gehen, deren einziger Sinn darin bestand, eine überbordende Nachfrage wenigstens ansatzweise zu stillen.

Der Bürger muss sicher sein können, dass die Bio-Äpfel oder das ökologisch hergestellte Fleisch den gleichen Standards genügt - egal wo er einkauft.
Newsletter kostenlos abonnieren