München
Sicherheitsbericht

Sicherheit in Bayern: Politisch motivierte Gewalt und Ausländerkriminalität steigen

"In Bayern leben heißt sicherer leben", sagt Innenminister Herrmann. Doch das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Bürger ist seit einiger Zeit getrübt.
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Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) bewertet die Sicherheitslage im Freistaat positiv. Foto: Armin Weigel/dpa
Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) bewertet die Sicherheitslage im Freistaat positiv. Foto: Armin Weigel/dpa
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat die Sicherheitslage im Freistaat insgesamt sehr positiv bewertet - aber auch auf Problemfelder hingewiesen. "In Bayern leben heißt sicherer leben", sagte Herrmann am Mittwoch bei der Vorstellung eines umfassenden Sicherheitsberichts im Innenausschuss des Landtags.


Zunahme der Wohnungseinbrüche und Cyberkriminalität bereiten Sorgen

Sorgen bereiten den Behörden die Zunahme der Cyberkriminalität und die vielen Wohnungseinbrüche - auch wenn deren Zahl zuletzt wieder gesunken ist. Und: Das Sicherheitsempfinden vieler Bürger ist ungeachtet aller statistischen Daten etwas getrübt. "Das subjektive Sicherheitsgefühl ist ein Problem", räumte Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer ein - dagegen müsse man etwas tun.
Und auch Herrmann betonte, man nehme die Ängste der Bevölkerung ernst.


Einige Schwerpunkte aus dem erstmals vorgelegten Sicherheitsbericht

GEWALTKRIMINALITÄT: Die Zahl der Gewaltdelikte hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. Zwischen 2011 und 2015 blieb die Zahl der Morde und versuchten Morde mit zuletzt 133 Fällen zwar nahezu konstant, die Zahl der Totschlagsdelikte nahm um 38 auf 237 Fälle zu. Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung dagegen ging die Zahl der Fälle um 963 auf 15 453 zurück. Rund 82 Prozent der Gewalttäter waren 2015 männlich, der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag bei knapp 40 Prozent. Die Aufklärungsquote betrug gut 84 Prozent.

POLITISCH MOTIVIERTE GEWALT: Derartige Gewaltdelikte nahmen in den vergangenen Jahren deutlich zu. Im Bereich Rechtsextremismus stieg die Zahl der Fälle zwischen 2011 und 2015 von 58 auf 93. Darunter waren 2015 acht Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte. Im Bereich Linksextremismus waren 2011 noch 62 Gewaltdelikte gezählt worden. 2015 waren es 173 Fälle - insbesondere wegen der damaligen Protestaktionen gegen den G7-Gipfel bei Garmisch-Partenkirchen.

ISLAMISTISCHER TERRORISMUS: Die Zahl derartiger Taten stieg von 5 im Jahr 2011 auf 30 im Jahr 2015. Bei 26 davon lautete der Vorwurf "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat". Polizei und Verfassungsschutz hätten Gefährder und bekannte Sympathisanten und andere relevante Personen fest im Blick, versicherte Herrmann.

AUSLÄNDERKRIMINALITÄT: Der Anteil Nichtdeutscher an den Tatverdächtigen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: von 24,2 Prozent im Jahr 2011 auf 31,5 Prozent im Jahr 2015. Die meisten Tatverdächtigen (zusammen rund 25 Prozent) stammten nach Angaben Herrmanns aus der Türkei und Rumänien. Zugenommen hat auch die Zahl der Konflikte in Asylbewerberunterkünften: Im Jahr 2015 wurden in solchen Unterkünften 5726 Straftaten registriert, darunter mehrheitlich sogenannte Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen und Raub. Mehr als 17 000 Mal musste die Polizei im vergangenen Jahr in Asylbewerberunterkünfte ausrücken, in diesem Jahr bis einschließlich Oktober schon mehr als 23 000 Mal. "Das liegt auch daran, dass Konflikte aus den Herkunftsländern mit hierher gebracht werden", erklärte Herrmann.

COMPUTERKRIMINALITÄT: Hier verzeichneten die Behörden einen deutlichen Anstieg um 32 Prozent auf gut 13 400 Fälle im Jahr 2015. Gleichzeitig ging die Aufklärungsquote in dem Bereich von 28,5 auf 23,8 Prozent zurück. Zudem müsse man gerade bei der Cyberkriminalität von einem sehr hohen Dunkelfeld ausgehen, räumte Herrmann ein.

RAUSCHGIFT: Im Bereich der Rauschgiftkriminalität verzeichneten die Behörden in den vergangenen Jahren durchweg Steigerungen: Im Jahr 2015 wurden gut 41 000 Delikte gezählt, 10 000 mehr als noch 2011.

WOHNUNGSEINBRÜCHE: Die Zahl der (versuchten oder vollendeten) Wohnungseinbrüche nimmt bundesweit stetig zu, von 2014 bis 2015 war es ein Plus von fast zehn Prozent. In Bayern nahm die Zahl der Fälle von 2011 (5237 Fälle) bis 2014 (8210) ebenfalls deutlich zu, im vergangenen Jahr gab es dann einen Rückgang auf 7480 Fälle.
Allerdings ist die Aufklärungsquote mit zuletzt 15,9 Prozent extrem gering. Herrmann betonte aber, dass das Einbruchsrisiko in Bayern deutschlandweit am geringsten sei, und das mit Abstand. Während im bundesweiten Schnitt 206 Einbrüche pro 100 000 Einwohner gezählt wurden, waren es in Bayern zuletzt 59 pro 100 000 Einwohner.
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