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Gesundheit

Selfie-Diagnose: Das Potenzial der Telemedizin

Ein Selfie vom Hautausschlag direkt an den Arzt schicken? Mediziner sehen darin viel Potenzial. In Deutschland gibt es aber ein Fernbehandlungsverbot.
Das Zentrum für Telemedizin in Berlin. Die Fernbehandlung könnte Wartezeiten reduzieren und Versorgungsengpässe ausgleichen. Foto: epd
 
Als Elke Grüter (44) morgens in den Spiegel guckt, entdeckt sie einen schmerzenden Ausschlag rund um die Nase. Ein Fall für den Hautarzt, denkt sie sich. Und ist schlagartig gestresst, denn sie hat überhaupt keine Zeit, stundenlang im Wartezimmer zu sitzen. "Wie praktisch wäre es jetzt, dem Arzt einfach schnell übers Smartphone ein Selfie zu schicken", seufzt die Kölnern. Dabei wäre das technisch alles längst möglich, sagen Experten - und fordern einen zügigen Ausbau der Telemedizin.

"Gerade bei Hautausschlag könnte die Telemedizin durchaus sehr effektiv angewandt werden", sagte der ärztliche Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, Johannes Schenkel, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Allerdings gilt in Deutschland das sogenannte Fernbehandlungsverbot. Demzufolge muss die Erstdiagnose von einem Arzt vor Ort erstellt werden. Die Nachkontrolle kann dann per Videokonsultation erfolgen.


In anderen Ländern bereits gängige Praxis



"Dabei gibt es durchaus Erkrankungsbilder, die ausreichend sicher aus der Ferne diagnostiziert werden können", sagt Schenkel, etwa ein unkomplizierter Harnwegsinfekt bei Frauen, für dessen Diagnose auch in der Arztpraxis keine Tests gemacht werden müssen. In anderen Ländern wie etwa der Schweiz und Großbritannien sei die Telekonsultation erlaubt und werde effizient eingesetzt, bestätigt Siegfried Jedamzik von der Bayerischen TelemedAllianz, die in Bayern telemedizinische Projekte koordiniert: "Wenn das sorgfältig gemacht wird, ist das kein Problem."

In Bayern werde Telemedizin bereits seit 20 Jahren unterstützt und gefördert, berichtet Jedamzik. So gehörte der Mediziner zu den Mitinitiatoren eines mobilen Tele-Augenkonsils für Bewohner von Pflegeheimen. Dabei suchen Augenärzte mit einer mobilen Ausrüstung Pflegeheime auf und übermitteln die Untersuchungsergebnisse digital an eine Augenklinik, die den Befund dann per Brief an die Patienten verschickt. "Da die Bewohner von Pflegeheimen oft nicht mobil sind, ist es sinnvoll, die Ärzte zu ihnen zu schicken", sagt Jedamzik.


Gesundheitsapps weit verbreitet



Durch die voranschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens steht die Medizin vor einem Wandel. Nach einer gerade veröffentlichten repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom benutzen 45 Prozent aller Smartphone-Nutzer eine Gesundheitsapp.

"Gerade bei der Versorgung chronisch Kranker sehe ich hier ein großes Potenzial", sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Ulrich Fölsch. Es hält es für sinnvoll, etwa mit Hilfe von tragbaren Geräten am Handgelenk Blutzuckerwerte von Diabetikern oder EKG-Ergebnisse von Menschen mit Herz-Rhythmus-Störungen zu sammeln, die Alarm schlagen, wenn Grenzwerte überschritten werden. "Allerdings muss natürlich die Qualität dieser sogenannten Health-Wearables gesichert sein", betont Fölsch.

Schenkel sieht noch einen weiteren unschätzbaren Vorteil der Telemedizin: "Die Möglichkeit, Expertenwissen flächendeckend anzubieten." Bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten etwa arbeiten kleinere Krankenhäuser oft schon jetzt mit Experten in Spezialkliniken zusammen: Sie übermitteln ihnen die MRT-Aufnahmen des Patienten elektronisch und stimmen sich in Videokonferenzen über die Behandlung ab: "Das ist schnell und effizient", sagt Schenkel. Ähnliches gibt es auch schon für die Behandlung von Tumorpatienten. "Das greift immer weiter um sich", sagt auch Fölsch.


Datensicherheit für Deutsche besonders wichtig



Laut der Bitkom-Studie ist den Deutschen allerdings eines sehr wichtig: die eigene Datenhoheit. So wollen 74 Prozent selbst entscheiden, welche Ärzte Zugriff auf ihre Daten haben. Das sei absolut nachzuvollziehen, sagt Patientenschützer Schenkel: "Der Hautarzt muss nicht unbedingt wissen, dass der Urologe Viagra verschrieben hat - für den Kardiologen dagegen ist das sehr wichtig."

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