Flüchtlinge

Scheuer-Aussagen über Abschiebungen sorgen für Empörung

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erntet für seine umstrittene Äußerung zu Abschiebungen Kritik - auch aus Franken.
Der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer kommt am 14.03.2016 in München (Bayern) zu einer CSU-Vorstandssitzung. Foto: Sven Hoppe/dpa
 
von DPA
Nach den umstrittenen Äußerungen von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer im Regensburger Presseclub geht nun auch der Würzburger katholische Bischof Friedhelm Hofmann auf Distanz zur Partei. "Aktuelle Aussagen zur Flüchtlingspolitik machen mir große Sorgen", erklärte der Bischof am Montag.

Scheuer hatte über die Schwierigkeiten bei der Abschiebung von Flüchtlingen gesagt: "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier - als Wirtschaftsflüchtling -, den kriegen wir nie wieder los." Am Wochenende hatte bereits der katholische Regensburger Generalvikar Michael Fuchs diese Aussagen deutlich kritisiert.


Bischof Hofmann: Stimmungsmache gegen junge Flüchtlinge

Bischof Hofmann fragte: "Wo bleibt hier noch das Christliche?" Auch wenn Scheuer jetzt zurückrudere und von einer Zuspitzung spreche: "Welch beleidigendes Denken steckt hinter einer solchen Aussage! Wie wird hier Stimmung gegen junge Flüchtlinge gemacht!" Der Bischof sagte, er freue sich über jeden Jugendlichen, der als Ministrant in einer Gemeinde integriert wird, "egal aus welchem Land er oder sie kommt".

Das christliche Menschenbild gebiete, jedem Menschen mir Respekt zu begegnen, "auch wenn sein Asylantrag abgelehnt wird". Die gut 2200 Ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit Aktiven im Bistum Würzburg würden im Engagement für schutzsuchende Menschen nicht nachlassen, betonte Hofmann.


Bedford-Strohm entsetzt über CSU-Aussage

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zeigt sich entsetzt über die Äußerungen. "So redet man nicht über Menschen", solche Sätze seien "Futter für Rechtspopulisten", sagte der bayerische Landesbischof am Montag. Bedford-Strohm sagte, dass ihn diese Aussage schockiert habe. Wenn Flüchtlinge sich durch Fußballspielen oder Mitwirkung in Gottesdiensten am gesellschaftlichen Leben beteiligen, könne man das nur begrüßen. Dass die Asylverfahren so lange dauerten, könne den Flüchtlingen nicht vorgeworfen werden. "Sie leiden selbst darunter. Sollen Flüchtlinge drei Jahre lang in ein Ghetto gesperrt werden?"

Der Regensburger Generalvikar Fuchs hatte am Wochenende im sozialen Netzwerk Facebook geschrieben: "Na dann, liebe Pfarreien und Sportvereine, lasst das mal mit eurer Integrationsarbeit. Herr Scheuer übernimmt." In Richtung der CSU fragte er: "Geht's hier nur ums Loswerden aller, ohne Rücksicht auf Asylverfahren? Dann brauchen wir auch keine Deutschkurse und Übergangsklassen. Aber in den Spiegel sehen können wir dann auch nicht mehr." Er forderte von der Partei "etwas mehr Differenzierung statt Sport- und Kirchenschelte".



Scheuer sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, sein Satz sei eine bewusste Zuspitzung gewesen. "Im Zusammenhang ging es um die Schwierigkeit, abgelehnte Bewerber nach einem abgeschlossenen, rechtsstaatlichen Verfahren wieder zurückzuführen, wenn diese sich über einen längeren Zeitraum hier aufhalten." Zugleich habe er die Leistungen des Ehrenamtes bei der Integration mehrmals gelobt.

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