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Schäubles Forderung nach Währungskommissar ist umstritten

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) lehnt die Forderung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ab, dass die EU-Kommission ein verschärftes Eingriffsrecht in nationale Haushalte bekommen soll.
Foto: dpa
 

"Es darf ganz sicher keinen EU-Finanzminister geben, der das Haushaltsrecht der Mitgliedstaaten relativieren kann. Wenn überhaupt, dann geht das nur mit demokratischer Legitimation", sagte Schulz der "Welt" (Mittwoch).

"Wenn sich also nationale Parlamente und EU-Parlament auf feste Kriterien einigen, dann ist ein solches Eingriffsrecht vorstellbar." Schulz gab zu, dass es eine stärker Aufsicht über die Haushaltsdisziplin geben müsse. "Wir müssen nüchtern sehen, dass wir echte Kontrolle brauchen. Es kann nicht sein, dass wir uns neue gemeinschaftliche Regeln geben, und am Ende hält sich niemand daran."

Finanzminister Schäuble macht Druck bei der Fiskalunion. Er will das Ringen um eine dauerhafte Griechenland-Lösung für größere Schritte nutzen. So soll die Glaubwürdigkeit der Euro-Zone erhöht werden.

Rasche Änderungen sind das Ziel

Deutschland macht Tempo bei der europäischen Fiskalunion. Zur dauerhaften Lösung der Euro-Schuldenkrise strebt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rasche und teils tiefgreifende Vertragsänderungen in der EU an. "Wir müssen jetzt größere Schritte zur Fiskalunion machen", sagte er am Dienstag in Abu Dhabi bei einer Zwischenlandung af dem Rückflug aus Asien.

Der Finanzminister will unter anderem den EU-Währungskommissar stärken. Dieser sollte so viel Einfluss wie der Brüsseler Wettbewerbskommissar erhalten und auch allein und unabhängig Länderhaushalte mit zu hohen Defiziten an die nationalen Parlamente zurückverweisen können. "Der Wettbewerbskommissar ist in der ganzen Welt respektiert und gefürchtet", sagte Schäuble.

Auch das Parlament soll gestärkt werden

Er plädiert ferner für eine Stärkung des Europäischen Parlaments mit einem "flexiblen Stimmrecht". Ziel ist eine Art "Euro-Gruppen-Parlament". So sollten im Europäischen Parlament bei Entscheidungen, die nur bestimmte Gruppen wie die Euro-Zone oder die Schengen-Staaten betreffen, künftig auch nur die Abgeordneten aus den jeweils betroffenen Mitgliedsstaaten abstimmen. Mit dem flexiblen Stimmrecht im Europäischen Parlament solle ein demokratisches Defizit behoben werden. Das Parlament müsse von Anfang an stärker beteiligt werden.

Bereits beim EU-Gipfel in dieser Woche will Berlin den Vorstoß unterbreiten. Schäuble hat seinen Plan nach eigenen Angaben bereits in der Euro-Gruppe vorgestellt. Seine Vorstellungen deckten sich auch mit denen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sagte er: "Die Bundeskanzlerin und der Bundesfinanzminister sind immer auf einer Linie." In einigen Punkten geht Schäuble aber offenbar weiter: "Die Kanzlerin ist noch ein bisschen vorsichtiger als ich und deswegen ein bisschen erfolgreicher als ich."

Nötig seien stärkere institutionelle Änderungen in Richtung einer Fiskalunion, sagte Schäuble. Der Währungs- beziehungsweise Haushaltskommissar müsse einen Etat eines Mitgliedlandes, der nicht den Stabilitätskriterien entspricht, ohne Abstimmung mit den anderen Kommissionskollegen zurückweisen können - und dies sowohl nach der Etataufstellung als auch nach seiner Verabschiedung. Korrekturen bleiben aber Sache der Parlamente. Der Währungskommissar soll nicht über Einzelmaßnahmen entscheiden.

/> Nationales Budgetrecht wird beschnitten

Schäuble räumte ein: Größere Schritte zur Fiskalunion bedeuteten immer Einschränkungen des nationalen Budgetrechts. Zugleich verwies er darauf, dass man bei Fortschritten auf dem Weg zur Fiskalunion auch beim gemeinsamen Schuldenmanagement vorankomme. Hintergrund sind Forderungen von Krisenländern nach gemeinsamen Anleihen.

Der Finanzminister nutzt das Ringen um eine dauerhafte Lösung des Griechenland-Problems und die anstehende Auszahlung der nächsten Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro an Athen, um mit diesen Plänen das Vertrauen in die Euro-Zone zu stärken. "Wir müssen das Momentum nutzen", sagte Schäuble. Im Idealfall könnte schon im Dezember der sogenannte EU-Konvent der 27 Staaten einberufen werden, der für europäische Vertragsänderungen immer erforderlich ist.

Berlin will somit beim bevorstehenden EU-Gipfel weiter kommen, als es sich bisher abzeichnet. Der Zwischenbericht der vier Präsidenten - EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Ratspräsident Herman van Rompuy, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker - soll dort diskutiert werden. Er enthält aus Sicht der Kritiker aber viele vage Formulierungen.

Großbritannien zeigte sich zuletzt skeptisch über Änderungen der europäischen Verträge und zog beispielsweise beim Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin nicht mit. Zugleich mahnt London aber immer wieder eine rasche und dauerhafte Lösung der Euro-Schuldenkrise an.

Lesen Sie auch den Kommentar unseres Korrespondenten Thomas Lange zum Thema Währungskommissar.

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