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Überregional

Medien

Real Housewives of ISIS: Darf man über Islamismus Witze machen?

Darf man über den Islamismus Witze machen? Die BBC-Satiresendung "Revolting" hat für Aufruhr gesorgt, weil Ehefrauen von IS-Terroristen parodiert werden.
Der Sketch "The Real Housewives of ISIS" der BBC-Satiresendung "Revolting" sorgt derzeit in Großbritannien für Diskussionen. Foto: BBC/Screenshot
 
Afsana ist sichtlich aufgebracht. "Es sind nur noch drei Tage bis zur Enthauptung und ich habe keine Ahnung, was ich anziehen soll", sagt die Muslimin mit schwarzem Kopftuch in die Kamera. Hinterlegt ist die Vorstellung von ihr und ihren Freundinnen Mel, Zaynab und Hadya mit Musik, die mehr zu US-Reality-Soaps passt denn zu Terror und Islamismus.

Doch genau vor diesem Hintergrund spielt "The Real Housewives of ISIS", ein Sketch der BBC-Satireshow "Revolting", die in der vergangenen Woche im Vereinigten Königreich angelaufen ist. Sie sorgt wegen ihres rabenschwarzen Humors auf der Insel für Aufregung.

Das aus den USA bekannte Format "The Real Housewives of ...", wahlweise aus New York, Beverly Hills oder anderen Orten, wird auf das vom selbst ernannten Islamischen Staat ausgerufene Kalifat angewandt. Die Szenen sind im selben Stil geschnitten und mit Kurz-Kommentaren der Protagonistinnen versehen. Doch es kommen nicht reiche, von Schönheitsoperationen vermeintlich aufgehübschte Damen mit Champagnerglas in der Hand zu Wort, sondern in schwarze Gewänder gehüllte Britinnen, die im Westen aufgewachsen sind, sich jedoch radikalislamistischen Männern im Nahen Osten versprochen haben.


Lästerei hinter den Kulissen

In den kurzen Clips geht es um die kleinen Freuden und großen Katastrophen des Alltags, etwa wenn Afsana ihren Freundinnen strahlend und überglücklich eine Sprengstoffweste vorführt. "Tataa! Was meint ihr? Ahmed hat mich gestern damit überrascht", sagt sie und dreht sich wie auf dem Laufsteg um sich selbst.

Die Lästerei hinter den Kulissen beginnt. Und Zaynab tippt in ihr Smartphone und sendet Bilder mit Schlagworten über das Online-Foto-Netzwerk Instagram: "Hashtag 'Oh mein Gott', Hashtag 'Dschihadi Jane', Hashtag 'Tod dem Westen'." Kurz darauf erscheint Hadya im Zimmer, ebenfalls in Model-Gangart mit der gleichen neuen Sprengstoffweste und sagt: "Hey Mädels, was haltet ihr davon?" Betretendes Schweigen. "Was für eine Schlampe. Sie wusste genau, dass ich diese Weste habe. Sie macht einem alles nach", echauffiert sich dann Afsana.
Ist das witzig? Geschmacklos? Mutig? Oder verletzend? Die Zuschauer sind sich uneins. Auf der Insel wird die Sendung der bekannten Produzenten Heydon Prowse und Jolyon Rubinstein kontrovers diskutiert. Kritische Stimmen meinen, die Sketche verharmlosten die schreckliche Situation, in der sich von der Terrormiliz IS gefangen gehaltene Frauen befinden. Zudem sei die Show "kulturell unsensibel".

So freut sich etwa am Ende eine der Frauen darüber, dass sie von ihrem Ehemann eine neue Kette geschenkt bekommen hat. Erst dann sieht der Zuschauer, dass sie durch diese an den Herd gefesselt ist. Die Kette sei rund zweieinhalb Meter lang, "so dass ich fast aus dem Haus kann, was großartig ist".


Politische Unkorrektheit

Fans der Sendung feiern den bitterbösen Humor und die politische Unkorrektheit. Die Empörung über die Comedy-Show sei "lächerlich", schreibt der linksliberale "Independent". "Es ist unsere Pflicht, Menschen, die sich Terroristengruppen anschließen, auf die Schippe zu nehmen."

Die Satire könnte zudem ein mächtiges Mittel sein zur Prävention der Radikalisierung junger Frauen, meint Shaista Gohir, Vorsitzende des muslimischen Frauen-Netzwerks im Königreich. Beim Versuch, gegen den IS vorzugehen, nutze jeder denselben alten Ansatz - "schreckliche Geschichten von losgezogenen Mädchen zu erzählen". Die Show dagegen bringe die Botschaft auf ganz andere Weise rüber.

Von Comedians auf der Insel hieß es, dass die zunehmende Kultur des Beleidigtseins einen der erfolgreichsten britischen Exporte zu ersticken drohe: Satire. "Sich angegriffen zu fühlen, ist derzeit äußerst populär", so die britische Comedian und Autorin Shazia Mirza. Aber: "Warum können Muslime keine Witze über sich selbst machen? Wenn wir die stolze Tradition von Satire aufrechterhalten wollen, muss das erlaubt sein." Katrin Pribyl
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