Lichtenberg
Fall Peggy

Peggys Mutter will nicht mit der Öffentlichkeit sprechen

Seit Dienstag besteht Gewissheit über das Schicksal der neunjährigen Peggy. Die Polizei weitet die Suchmaßnahmen aus, Peggys Mutter will sich nicht äußern
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Ein Pilzsammler hatte in diesem Waldstück zwischen Rodacherbrunn in Thüringen und Nordhalben Knochen gefunden. Nun ist klar: Sie stammen von Peggy. Foto: News5
Ein Pilzsammler hatte in diesem Waldstück zwischen Rodacherbrunn in Thüringen und Nordhalben Knochen gefunden. Nun ist klar: Sie stammen von Peggy. Foto: News5
Die Polizei hat den Fundort von Peggys Knochen in einem Wald in Thüringen freigegeben und die Suchmaßnahmen ausgeweitet. Zahlreiche Einsatzkräfte suchten am Mittwoch mögliche Zufahrtsstraßen zu Peggys 15 Kilometer entferntem Heimatort Lichtenberg ab. Konkrete Hinweise, die zu diesen Suchmaßnahmen führten, gibt es laut Sprechern beider Behörden nicht. "Wir wollen eben sorgfältig arbeiten", sagte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel.
Die neunjährige Schülerin aus dem Landkreis Hof war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule spurlos verschwunden. Seit Dienstag besteht die Gewissheit, dass das Mädchen tot ist. Ein Pilzsammler hatte erste Knochen des Kindes am Samstag in dem Waldstück im Saale-Orla-Kreis entdeckt.


Mutter gibt Erklärung ab

Am Mittwoch gab Peggys Mutter über ihre Anwältin Ramona Hoyer eine Erklärung ab. Sie bedanke sich für "die aufrichtige Anteilnahme" am Schicksal ihrer Tochter. Mehr wolle sie zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht sagen. "Geben Sie den ermittelnden Behörden und meiner Mandantin Gelegenheit, die aktuellen Entwicklungen zu verarbeiten und Antworten auf die offenen Ermittlungsfragen zu finden", so Hoyer. Weitere Erklärungen würden nicht abgegeben.
Die Fundstelle wird seit Mittwochnachmittag nicht länger von der Polizei bewacht. "Jetzt ist es kriminaltechnisch abgearbeitet", sagte ein Polizeisprecher. Selbst Schaulustige könnten dort nichts mehr finden. Potzel sagte zudem, die Stelle sei schwer zu finden.

Über die Todesursache gab es am Mittwoch keine Informationen. Seit dem Fund seien einige Hinweise eingegangen, sagte der Polizeisprecher. "Bislang war aber noch nichts Berichtenswertes dabei." Entsprechend gebe es auch keine Tatverdächtigen, der Tatverdacht richte sich nach wie vor gegen Unbekannt.

Ob inzwischen die komplette Leiche der Schülerin gefunden wurde, ist noch unklar. "Es wurden auch Tierknochen gefunden. Das muss jetzt noch sortiert werden", sagte Potzel. Unklar war zunächst auch, wann die Skelettteile freigegeben werden. Dem Vernehmen nach will Peggys Mutter sie dann nahe ihres aktuellen Wohnorts in Sachsen-Anhalt beisetzen lassen.


Chronologie: Der Fall Peggy


Der spektakuläre Fall Peggy beschäftigt seit Jahren Ermittler und Öffentlichkeit. Eine Chronik der Ereignisse:

7. Mai 2001: Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwindet auf dem Heimweg von der Schule. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg.

August 2001: Die Polizei nimmt einen geistig behinderten Mann fest. Er gibt an, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.

22. Oktober 2002: Die Ermittler präsentieren den 24-Jährigen als mutmaßlichen Mörder der Schülerin.

7. Oktober 2003: Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess.

30. April 2004: Der geistig behinderte Mann wird wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.

17. September 2010: Ein wichtiger Belastungszeuge widerruft seine Aussage und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.

4. April 2013: Der Anwalt des geistig behinderten Mannes beantragt die Wiederaufnahme des Falls.

8. Januar 2014: Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung 2001 Peggys Leiche dort abgelegt wurde. Doch sie finden keine Hinweise.

10. April 2014: Auf Anordnung des Landgerichts Bayreuth beginnt das Wiederaufnahmeverfahren.

7. Mai 2014: Das Gericht beendet das Verfahren aus Mangel an Beweisen. Eine Woche später gibt es einen Freispruch für den geistig behinderten Mann.

18. Februar 2015: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen ein. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird aber aufrechterhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen.

19. März 2015: Das Oberlandesgericht Bamberg entscheidet, dass der ursprünglich verurteilte Mann aus der Psychiatrie entlassen werden soll.

3. Juni 2015: Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" greift den Fall Peggy auf.

16. Juni 2015: Ein ehemaliger Verdächtiger im Fall Peggy wird in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Fall Peggy gilt er nicht mehr als tatverdächtig.

Mai 2016: Ein im Fall Peggy ehemals verdächtigter Mann fordert Schadenersatz von mehr als 20.000 Euro. Ermittler hatten 2013 auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen sein Grundstück in Lichtenberg metertief durchsuchen lassen. Die Ermittler hatten dabei zwar Knochenreste gefunden. Sie stammten aber nicht von Peggy.

2. Juli 2016: Ein Pilzsammler findet in einem Wald in Thüringen Skelettreste. Die Polizei prüft Verbindungen zum Fall Peggy.

dpa/chp
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