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Unruhen

Politologe: Muslimbrüder werden den Machtkampf verlieren

Der Erlanger Politologe Christian Wolff beschäftigt sich seit Jahren mit der ägyptischen Muslimbruderschaft. Sie war Thema seiner Magisterarbeit, die Muslimbrüder stehen auch im Mittelpunkt seiner Dissertation. Bei seiner Einschätzung der derzeitigen politischen Lage in Ägypten kommt er zu wenig erfreulichen Ergebnissen.
Christian Wolff. Foto: Barbara Herbst
 
von KLAUS ANGERSTEIN
Spätestens seit den Parlamentswahlen des Jahres 2005 sind die Muslimbrüder ein Machtfaktor im Land. Die Muslimbruderschaft sei aufgrund ihrer Vergangenheit und ihrer breiten Verankerung in der ägyptischen Gesellschaft die wichtigste Organisation des politischen Islam in der islamischen Welt, so Wolff. In ihrer aktuellen Ideologie habe sie den Spagat zwischen einem idealisierten islamischen Staat und dessen realpolitischer Umsetzbarkeit geschafft. Weil der Staat nicht mehr durch die Anwendung des islamischen Rechts (Sharia) begründet würde, sondern im Rahmen einer Werte- und Rechtsordnung definiert werde. Von radikal-islamistichen Tendenzen habe sich ein Schwenk hin zu demokratischer Legitimation vollzogen. Das erst habe die jüngsten Wahlerfolge ermöglicht.

An der jetzigen Krise trage die Bruderschaft insofern Mitschuld, weil einfach schlecht regiert worden sei. Dagegen habe sich das säkulare Ägypten zur Wehr gesetzt. Inzwischen zeichne sich klar ein Machtkampf zwischen den mehr oder weniger seit Jahrzehnten in Ägypten herrschenden Militärs und der Muslimbruderschaft ab. Eine Auseinandersetzung, die die Bruderschaft nach Wolffs Einschätzung nicht gewinnen könne. "Die Muslimbruderschaft wird den Machtkampf in Ägypten verlieren", ist Wolff überzeugt.

Die Frage sei, was danach komme. Eine Möglichkeit besteht für den Politologen darin, dass das alte Regime an die Macht zurückkehrt. Allerdings ohne dass die 2011 erkämpfte Demokratisierung des politischen Prozesses völlig aufgegeben werde.

Vorstellbar sei allerdings auch, dass es zur vollständigen Auflösung und Vernichtung der Muslimbruderschaft kommen könnte. Ein Prozess, der sicher eine Vielzahl von Menschen das Leben kosten würde. Eine Radikalisierung, wie sie sich in Ansätzen gegen die Minderheiten im Land, die koptischen Christen oder säkulare Bewegungen, bereits zeige. Genaueres, so Wolff, könne man sicher erst in einem halben Jahr zur weiteren Entwicklung Ägyptens sagen.

Er verweist im übrigen auf eine Homepage junger Wissenschaftler im Internet, auf der nähere Informationen zur weiteren Entwicklung erhältlich seien.

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