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Regierung

Nach Schwächeanfall: Wie geht es Horst Seehofer wirklich?

Ministerpräsident Seehofer reagiert gereizt auf Spekulationen über seine Gesundheit. Mutmaßungen, er sei möglicherweise angeschlagen, weist er zurück.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte am Samstag beim "Tag der offenen Tür" in der Staatskanzlei einen kurzen Schwächeanfall. Foto: Mathias Balk, dpa
 
CSU-Chef Horst Seehofer (67) ist genervt. Zwei Tage nach einem Schwächeanfallhat Bayerns Ministerpräsident alle Spekulationen über einen möglicherweise angeschlagenen Gesundheitszustand energisch zurückgewiesen. "Ich habe noch immer meinen Job zu 120 Prozent erledigt - das ist das Entscheidende", sagte Seehofer am Montag bei einer Ordensverleihung in München - und fügte hinzu: "Bei Wahrnehmung von Verantwortung sind 100 Prozent zu wenig."

Er beteuerte, er habe auch keinerlei Termine abgesagt und absolviere das "uneingeschränkte Programm". Auf Fragen, ob er sein bisheriges Pensum in den kommenden Wahljahren halten könne, sagte er: "Lassen Sie die Tassen im Schrank."

Seehofer hatte beim Tag der offenen Tür der Staatskanzlei am Samstag einen kurzen Schwächeanfall erlitten. Der CSU-Chef habe bei der Bürgersprechstunde ein "kurzes Unwohlsein" gehabt und sich hinsetzen müssen, bestätigte ein Sprecher der Staatskanzlei. Danach habe er die Veranstaltung aber wie geplant fortgesetzt. Auch diese Woche, so hieß es auf Anfrage, werde er "alle Termine planmäßig" wahrnehmen. Es gehe ihm "bestens", wurde versichert. Die "Süddeutsche Zeitung»"berichtete, Seehofer habe gestützt werden müssen.

Seehofer sagte am Montag zur Erklärung, er habe von Mittwoch bis Samstag vergangener Woche 14 Termine in Bayern und in Berlin absolviert - und dann am Samstag vier Stunden beim Tag der offenen Tür von Landtag und Staatskanzlei verbracht. "Finden Sie mal einen anderen Regierungschef in ganz Deutschland, der das macht."


"Zweckgesteuerte Zweifel"

Wie fit Seehofer tatsächlich ist, darüber wird in der CSU schon länger spekuliert - allerdings vor allem von Parteifreunden, denen es weniger um die Gesundheit des Ministerpräsidenten geht, sondern mehr darum, seinen Abschied an der Spitze von CSU und Freistaat zu beschleunigen.

"Zweckgesteuerte Zweifel" nannte Seehofer das einmal. Recht viel mehr als den Hinweis auf zwei vorübergehende Schwächeanfälle - im Juli 2015 in Bayreuth und im Januar 2016 in Wildbad Kreuth - gab es bisher in der Tat nicht. Die schwere Herzmuskelentzündung, die ihn im Jahr 2002 in eine lebensbedrohliche Situation gebracht hatte, liegt lange zurück.

Über Jahre hinweg betonte Seehofer danach immer wieder, er fühle sich "völlig fit". Außerdem deutet sein Verhalten im Januar in Kreuth wie am Wochenende in der Staatskanzlei darauf hin, dass er seinen Körper selbst am besten kennt oder sich zumindest sicher ist, dass es mit seinen Schwächeanfällen gleich wieder vorbei ist. In beiden Fällen verweigerte er eine Betreuung durch Sanitäter.



Kommentar von Uli Bachmaier: Auf die Leistung kommt es an

Die Gesundheit und Fitness hochrangiger Politiker ist für die Betroffenen ein unangenehmes Thema. Hillary Clinton bekam es im US-Präsidentschaftswahlkampf zu spüren, als sie auf dem Weg zum Auto zusammensackte. Der österreichische Präsidentschaftskandidat Alexander van der Bellen ließ sich, um Gerüchten entgegen zu treten, von Ärzten bescheinigen, dass er gesund sei. Körperliche Fitness von Politikern ist zu einer Kategorie geworden, in der bemessen wird, ob sie ihrer Aufgabe auch gewachsen sind. Dabei gibt es berechtigte Zweifel, ob Gesundheit wirklich eine Kategorie ist für die Leistungsfähigkeit eines Politikers. Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt räumte erst lange nach seiner aktiven Zeit ein, im Amt annähernd 100-mal bewusstlos geworden zu sein. Und dem britischen Staatsmann Winston Churchill gelang es, obwohl er unter schweren Depressionen litt, seinen Landsleuten im Krieg gegen Nazi-Deutschland Mut zu machen. Politiker also sollten an ihren Taten und ihrem Arbeitspensum gemessen werden. Horst Seehofer muss sich da, ob ganz gesund oder nicht, sicher nicht verstecken.
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