Bayreuth
Motorradunfälle

Mehrere Unfälle am Montag: Motorradfahren ist hochgefährlich - helfen Sicherheitstrainings?

Viele Unfälle wären vermeidbar, wenn die Fahrer ihre Maschine besser im Griff hätten. Fahrlehrer Ingo Jeray empfiehlt regelmäßige Sicherheitstrainings.
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Der Bayreuther Fahrlehrer Ingo Jeray (Foto) weiß: Richtiges Fahrverhalten kann man nur lernen, wenn man es regelmäßig übt. Foto: Privat
Der Bayreuther Fahrlehrer Ingo Jeray (Foto) weiß: Richtiges Fahrverhalten kann man nur lernen, wenn man es regelmäßig übt. Foto: Privat
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Wenn Fahrlehrer Ingo Jeray am Montag nach einem Schönwetter-Wochenende die Zeitung aufschlägt, bestätigen sich meistens seine Befürchtungen. Jedes Mal gibt es Berichte über schwere, oft tödliche Unfälle von Motorradfahrern.
Dann fragt Jeray immer wieder immer nach dem Warum. Die Antworten kann er sich zusammenreimen - Jeray hat eine Fahrschule in Bayreuth, ist Regionalvorsitzender des bayerischen Fahrlehrerverbands und selbst passionierter Biker.

Über den letzten Aspekt muss er ein bisschen schmunzeln: "Ich fahre einfach gern Motorrad, auch die meisten meiner Kollegen sind leidenschaftliche Motorradfahrer. Da haben wir es gut, weil wir Hobby und Beruf vereinen können." Gerade als Fahrlehrer weiß er aber auch, dass Motorradfahren polarisiert. "Es ist potenziell hochgefährlich", sagt Jeray. "Das Risiko kann man durch eine angemessene Fahrweise minimieren. Manche fahren aber unvernünftig." Er vergleicht das Motorrad- mit dem Skifahren: "Da passiert auch viel. Es ist aber gesellschaftlich mehr akzeptiert als Motorradfahren."
Ein Motorrad könne einfach stärker beschleunigen und veranlasse den ein oder anderen, riskant zu überholen. "Für den Autofahrer schaut das dann gefährlicher aus, als es vielleicht ist." Oft genug ist es aber auch gefährlich, wie nicht zuletzt die aktuelle Unfallserie wieder zeigt. "Ich frage mich dann, was da schief gelaufen ist", sagt Jeray. Überhöhte Geschwindigkeit, die man als Außenstehender gern unterstellt, müsse es nicht zwingend gewesen sein. "Meist sind es individuelle Fehler", weiß der Fahrlehrer.

Um diese zu vermeiden und mehr Sicherheit beim Motorradfahren zu bekommen, rät Jeray zu einem Fahrsicherheitstraining. "Sportler müssen ja auch ständig trainieren", sagt er. "Und als Motorradfahrer kann ich nicht vier Wochen pausieren, mich wieder draufsetzen und denken, ich bin der Gott. Nein!"


Aufrecht sitzend aus der Spur

Bestimmte Dinge müsse ein Motorradfahrer laufend üben und verbessern. "Ein Sicherheitstraining bringt einen immer weiter, egal, zu welchem Zeitpunkt in der Saison." Jeray nennt ein Beispiel: "Es gibt häufig Unfälle, wo Motorradfahrer aufrecht sitzend aus der Spur gekommen sind. Warum? Weil sie Scheu davor hatten, ihre Maschine in die Schräglage zu bringen."

Dasselbe Problem gebe es in Kurven, wo es um Dinge wie Linienwahl, Geschwindigkeit und Bremsen geht. Richtiges Fahrverhalten könne man nur lernen, wenn man es übt. "Dann sind vielleicht Fehler und Unfälle vermeidbar."


Hier können Motorradfahrer ihre Fahrsicherheit trainieren

Fahrsicherheit Der ADAC bietet in seinem Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg (das einzige in Franken) unterschiedliche Kurse für Motorradfahrer an. Die Trainingseinheiten kosten ab 99 Euro. Weitere Infos und Anmeldung im Internet unter www.adac.de.

Fahrschulen Viele fränkische Fahrschulen bieten an, mit einem "Personal Trainer" auf freier Strecke spezielle Situationen wie beispielsweise Kurvenfahren zu üben (Auskünfte, Preise und Termine bei den Unternehmen vor Ort). Zum Saisonbeginn gibt es - meist kostenlose - Fahrsicherheits-trainings der Fahrschulen, ebenso wie bei der jährlich im April stattfindenden Motorradsternfahrt in Kulmbach, dem größten Motorradtreffen Süddeutschlands. Mehr Infos dazu unter www.motorradsternfahrt.de.

Verkehrswacht Auch die Deutsche Verkehrswacht bietet Sicherheitstrainings für Motorradfahrer an. Viele Berufsgenossenschaften unterstützen die Teilnahme an den Kursen und übernehmen die Kosten teilweise oder ganz. Infos zur Kostenbeteiligung sowie zu den Trainings-Terminen gibt es unter www.deutsche-verkehrswacht.de.

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