München
Roberto Blanco entspannt

Innenminister Herrmann hat "Neger" gesagt - Nun hat er Ärger

Aufregung, Empörung, Rücktrittsrufe! Bayerns Innenminister hat es getan: Joachim Herrmann hat "Neger" gesagt. Im Fernsehen. Das Echo war erwartbar. Der Angesprochene, Roberto Blanco, reagiert hingegen souverän.
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Joachim Herrmann und Roberto Blanco in einer Collage. Foto: dpa
Joachim Herrmann und Roberto Blanco in einer Collage. Foto: dpa
"Meine Damen und Herren, liebe Neger". So soll der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke 1962 eine Rede beim Besuch in Liberia begonnen haben. Ob das so wirklich stimmt, ist zwar umstritten. Unstrittig ist aber, dass ein deutscher Minister im Jahr 2015 das Wort "Neger" gesagt hat - vor laufenden Kameras im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat", sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montagabend in Frank Plasbergs ARD-Talkshow "Hart aber fair". "Holla", sagt Plasberg. Und der Weg war frei für einen heftigen Shitstorm im Internet, deftige Kritik und Rücktrittsforderungen.

"Die Bezeichnung Neger gilt im öffentlichen Sprachgebrauch als stark diskriminierend und wird deshalb meist vermieden", schreibt der Duden. Diskussionen gab es in der jüngeren Vergangenheit um die Verwendung des Wortes in Kinderbüchern wie "Pippi Langstrumpf" und "Jim Knopf" oder um die "Thomas Neger Metallsystem und -bedachungen GmbH" in Mainz, deren Logo, ein gezeichnetes dunkles Männchen mit wulstigen Lippen und großen Ringen in den Ohren, Proteststürme auslöste.

Eine "ungeheuerliche Entgleisung", nennt der Chef der oppositionellen SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, am Dienstag die Wortwahl des CSU-Politikers. "Herr Herrmann muss sich als Innenminister bewusst sein, dass die Bezeichnung "Neger" eine rassistische Provokation und Zeichen eines engstirnigen, fremdenfeindlichen Menschenbildes ist. Dafür sind schon Leute verurteilt worden." Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Jan Korte, fordert Herrmanns Rücktritt, und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner wirft ihm laut "Bild"-Zeitung (Mittwoch) die "Sensibilität einer Planierraupe" vor. Der Berliner Politiker Christopher Lauer twittert süffisant: "Merkel so: Rassismus bekämpfen - Herrmann so: Neger."


Herrmann benutzt das N-Wort wieder

Da hilft es auch nicht, dass Herrmann sich zu erklären versucht und betont, dass er dieses Wort eigentlich nie benutze, dass er es in der Talkshow nur nach dem Einspieler eines rassistischen Kommentars wiederholt habe - um den Gegensatz aufzuzeigen und zu betonen, dass es auch Menschen mit schwarzer Hautfarbe gibt, die gut integriert in Bayern leben. "Beim FC Bayern spielen auch ne ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit" - und die Bayern-Fans fänden das in Ordnung. In seinen Rechtfertigungen benutzt er das N-Wort immer wieder.

"Das immer zu wiederholen, führt nicht zu einer Verbesserung der Diskussion", sagt der Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Tahir Della, in Berlin. "Diese Äußerung ist unerträglich für schwarze Menschen." Herrmann zeige damit, "dass rassistischer Sprachgebrauch immer noch nicht wirklich ernst genommen wird und wie tief verwurzelt er ist". Es gehe um gesellschaftlich verankerten Rassismus in Deutschland - und das könne man nicht damit abtun, dass beim FC Bayern schwarze Fußballer spielten. "Das zeigt nochmal, wie wenig ihm bewusst ist, was er da sagt."


"Wir Schwarzen müssen zusammenhalten."

Gar kein Problem hat der Mann, um den es in dem Zitat eigentlich geht: Roberto Blanco fühlt sich von Herrmann in keiner Weise beleidigt. "Der hat das nicht so gemeint", sagt der Sänger. Er, der einst zu CSU-Übervater Franz Josef Strauß sagte: "Wir Schwarzen müssen zusammenhalten."

Am Nachmittag bittet dann der Radiosender Antenne Bayern zum Dialog zwischen Herrmann und dem zugeschalteten Blanco. Herrmann bemüht sich erneut um Deeskalation: "Es war gestern eine spontane Reaktion, darauf konfrontiert mit dieser unsäglichen Aussage eines Bürgers, der gesagt hat, er will, dass keine Neger in unser Land kommen." Schließlich spricht er Blanco direkt an: "Ich möchte noch mal sagen, dass ich Sie wirklich sehr, sehr schätze und ich auch klar sonst die Verwendung dieses Wortes absolut ablehne. Das will ich Ihnen noch mal ausdrücklich sagen und dass ich dies ausdrücklich bedauere."


Über dieses Wort "Neger" wird so ein Theater gemacht.

Blanco bedankt sich dafür, dass Herrmann das Wort "wundervoll" verwendet hat, und fügt hinzu: "Ich habe das nicht persönlich genommen, und ich weiß, Sie haben das nicht so gemeint. Über dieses Wort "Neger" wird so ein Theater gemacht."

Der Sänger selbst hatte die ganze Debatte in der zweiten Staffel der ZDF-Sitcom "Lerchenberg" mit dem Titel "Hitlers Hundeführer" quasi vorweggenommen. Da wird allerdings keinem deutschen Politiker vorgeworfen, das N-Wort benutzt zu haben - sondern Sascha Hehn. "Er hat Neger gesagt", behauptet Blanco in der Serie über Hehn, der wegen einer unbedachten Äußerung dort ohnehin schon am Pranger steht. In einer Fernseh-Satire ist das irgendwie lustiger als in der Realität.

"Mir hat man auch schon mal Neger gesagt, das ist einfach so", sagte der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, der gemeinsam mit Herrmann bei Plasberg saß, und fügte in der Talkshow hoffnungsvoll hinzu: "Wahrscheinlich ist das ein Mangel an Differenzierung, der kommt aber mit der Zeit."
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