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Märchen

Hochkonjunktur für Märchen: Deshalb sind sie in der Weihnachtszeit so beliebt

Sie erzählen von der Macht der Liebe und davon, dass stets das Gute über das Böse siegt: Märchen sind vor allem zur Weihnachtszeit beliebt.
Tschaikowskys "Nussknacker" beeindruckte im Coburger Kongresshaus. Seit etwas mehr als einem Jahrhundert gibt es die Tradition, Märchen in der Weihnachtszeit zu erzählen oder im Theater aufzuführen. Foto: Jochen Berger
 
Wenn die Tage dunkler werden und Heiligabend naht, haben sie wieder Hochkonjunktur: die Weihnachtsmärchen. Dann kuscheln sich Eltern oder Großeltern mit den Kindern zusammen und lesen vom Nussknacker, von der Schneekönigin und viele fantastische Geschichten mehr. Im Fernsehen werden Klassiker wie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und moderne, oft überdrehte Märchen wie die vom grünen Grinch gezeigt, der den Menschen ihre Geschenke stiehlt. Und kaum ein Theater verzichtet zur Weihnachtszeit auf die einträglichen "Familienstücke".


Märchen haben keine religiösen Bezüge

Seit etwas mehr als einem Jahrhundert gibt es die Tradition, Märchen in der Weihnachtszeit zu erzählen oder im Theater aufzuführen, wie der Hildesheimer Kulturwissenschaftler Wolfgang Schneider erläutert. Die Erfindung der "Weihnachtsmärchen" datiert er auf den 23. Dezember 1893. Damals wurde die romantische Oper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck erstmals in Weimar mit Richard Strauss als Dirigent aufgeführt.

Religiöse Bezüge enthielten die wenigsten "Weihnachtsmärchen", sagt Schneider, der auch Vorsitzender der Vereinigung der Kinder- und Jugendtheater ist. Auch wenn stets das Gute über das Böse siegt, hätten Märchen in der Regel mit der biblischen Weihnachtsgeschichte, die vom Kommen des Gottessohns in die Welt kündet, nichts zu tun.


Kinder zu Gehörsam und Frömmigkeit erziehen

Knallharter Geschäftssinn und vor allem eine reaktionäre Pädagogik haben laut Schneider dazu geführt, dass in der Kaiserzeit viele Theaterhäuser rund um Weihnachten rührselige Märchen aufführten. Es sei darum gegangen, die Kinder zu Gehorsam und Frömmigkeit zu erziehen - und damit zu guten Untertanen und Kirchgängern.
Heute sollten Theater den Kindern und Jugendlichen in der Adventszeit nicht die alten, oft verlogenen Heile-Welt-Stücke anbieten, fordert der Kulturwissenschaftler. Vielmehr sollten sie eine dramatische Kunst für ein junges Publikum entwickeln.

Dass Märchen und das Märchenerzählen gerade zur Weihnachtszeit angesagt sind, ist für Sabine Lutkat, die Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft im westfälischen Rheine, kein Wunder. Märchen erzählten davon, dass das Leben gelingen könne und die größte Kraft die Liebe sei. "Gerade in der dunkelsten Jahreszeit, wenn es droht, auch in unserem Inneren dunkler zu werden, dann brauchen wir diese Versicherung und die Stärkung dieser Gewissheit", sagt Lutkat.


Märchen nicht nur zur Weihnachtszeit

Erfreut ist Lutkat darüber, dass die Unesco das Märchenerzählen kürzlich als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt hat. Den Begriff "Weihnachtsmärchen" findet Lutkat hingegen irreführend. Märchen könnten das ganze Jahr über erzählt und gehört werden, argumentiert sie.

Im protestantischen Kindergarten Lambsheim im Rhein-Pfalz-Kreis beispielsweise kommt regelmäßig "Leseoma" Ursula Wind vorbei. Und natürlich, sagt die Kindergartenleiterin Renate Kärcher, hat die 84-Jährige die Weihnachtsklassiker im Gepäck. Für viele Kinder, bei denen die Großmutter nicht um die Ecke wohne, sei es wichtig, dass die "Leseoma" da sei und auch Märchen vorlese.

Im Buchhandel hätten Märchen ihren festen Platz, berichtet Thomas Koch, der Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main. Sie seien Kulturgut und würden von Eltern und Großeltern immer noch gerne gekauft, etwa als Geschenk zur Taufe, zur Einschulung oder zu Geburtstagen.


ZDF zeigt Märchen in Spielfilmlänge

Seit 2005 verfilmt das ZDF in Mainz jedes Jahr ein neues Märchen in Spielfilmlänge. Der anhaltende Märchenboom führe auch zur Entdeckung unbekannterer Märchen wie "Die weiße Schlange", sagt Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin des Kinderprogramms. Der eineinhalbstündige ZDF-Märchenfilm wurde gerade mit dem Deutschen Regiepreis Metropolis ausgezeichnet und ist für den International Emmy Award nominiert, die wichtigste US-amerikanische Fernsehauszeichnung für ausländische Produktionen. Die ARD, die seit 2008 Märchen neu verfilmt, zeigt in auch diesem Jahr an den Weihnachtsfeiertagen vier neue Märchen, darunter die Grimm-Erzählung "Hans im Glück".


Biblische Weihnachtsgeschichte als Basis

Oft gehe es in Weihnachtsmärchen um die Frage, was ein "guter Mensch" sei oder wie man "Frieden auf Erden" erreichen könne, erklärt der Pfarrer, Religionspädagoge und Autor Michael Landgraf aus Neustadt an der Weinstraße. Aber Märchen dürften die Weihnachtsgeschichte der Bibel nicht ersetzen. Landgraf, der auch Leiter des Bibelmuseums in Neustadt ist, sieht die Gefahr, dass Kinder die Geburtsgeschichte Jesu nicht mehr wahrnähmen und sie mit anderen Geschichten mischten. Folge wäre eine "Patchwork-Religiosität". Kinder müssten deshalb mit der biblischen Weihnachtsgeschichte eine "Basis" haben, sagt er.

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