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Häusliche Gewalt

Gewalt in der Partnerschaft: Wo Betroffene Hilfe finden

Viele Frauen werden in ihrer Partnerschaft Opfer von Gewalt. Für solch eine Notlage gibt es kein Patentrezept, doch für die Opfer gibt es Hilfe.
Gewalt ist immer schrecklich - für viele Menschen allerdings Alltag. Wenn der eigene Partner plötzlich zuschlägt, ist das eine grausame Vorstellung. Welche Hilfsangebote gibt es für Opfer? Symbolbild: Miriam Dörr/fotolia
 
von DPA
Mehr als 100.000 Frauen pro Jahr werden in Deutschland Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Das geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2015 hervor. "Die Zahlen sind schockierend", sagte Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD). Sie appellierte an die Opfer von Gewalt, ihr Schweigen zu brechen.

Der mit Abstand größte Teil der Gewalttaten gegen Frauen in Partnerschaften fällt unter die Rubrik "vorsätzliche einfache Körperverletzung" (65.800 Fälle). Es folgen Bedrohungen, gefährliche Körperverletzungen und Stalking - sowie Mord und Totschlag in 331 Fällen.


Seit 2012 ist Zahl der Gewalttaten um 5,5 Prozent gestiegen

Gewalt in Partnerschaften trifft zu 82 Prozent Frauen, im Ganzen waren es im vergangenen Jahr 104.290 weibliche Opfer. Aber auch Männer waren 23.167 Mal betroffen. Insgesamt, also Gewalt gegen Männer und Frauen zusammengezählt, wurden 2015 gut 127.000 solcher Fälle verzeichnet, seit 2012 ist die Zahl damit um 5,5 Prozent gestiegen.

Schwesig sagte dazu: "Wir brauchen diese Zahlen, denn sie helfen dabei, häusliche Gewalt sichtbar zu machen." Notwendig seien vor allem Maßnahmen zur Prävention. "Häusliche Gewalt gegen Frauen, gegen Männer, gegen Kinder ist keine Privatsache. Es ist eine Straftat - und sie muss entsprechend verfolgt werden", sagte Schwesig. Aber zwei Drittel aller Frauen, die schwere Gewalt erlebten, holten keine Hilfe.


Opfer machen sich oft nicht bemerkbar

BKA-Chef Holger Münch, sprach von einem "nicht unerheblichen Dunkelfeld". Opfer häuslicher Gewalt empfänden ihre Situation oft als ausweglos, deshalb machten sie sich nicht bemerkbar. "Schweigen nützt den Tätern", sagte Münch. Besonders bei Trennungen entstünden Konflikte. Die größte Tätergruppe sind nach den BKA-Zahlen ehemalige Partner.

Die Ministerin und der BKA-Chef warben für das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" mit der Nummer 08000 116 016. Dort wird Betroffenen eine 24-Stunden-Beratung angeboten, kostenlos, anonym und in 15 Sprachen.
Schwesig setzte sich auch für mehr Frauenhäuser in ländlichen Regionen ein. "Ich bin mit allen Länderministerinnen im Gespräch, weil es sehr unterschiedlich läuft", sagte die SPD-Politikerin im ZDF-"Morgenmagazin". Sie selbst könne die Lücken auf dem Land als Bundesministerin jedoch nicht schließen. "Für diese Aufgabe sind die Städte und die Länder zuständig."


Wo Opfer von Gewalt in der Partnerschaft Hilfe finden

Für viele Menschen ist es unvorstellbar, dass der eigene Partner sie verletzen könnte. Doch mehr als 127.000 Menschen pro Jahr werden in Deutschland Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Für solch eine Notlage gibt es kein Patentrezept, doch für die Opfer gibt es Hilfe.

Bei akuten Notfällen sollten Betroffene auf jeden Fall die Polizei rufen, rät Anita Eckhardt vom Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) in Deutschland: "Das kann körperliche oder sexuelle Gewalt sein." Vor allem gelte das auch, wenn Kinder im Spiel sind.

Oft sei Gewalt in der Beziehung bereits ein lang anhaltendes Problem. "Vielen Frauen fällt es dann schwer sich zu lösen", sagt Eckhardt. Es gebe häufig eine emotionale oder auch ökonomische Abhängigkeit. Einige haben Angst, bei einer Trennung die Kinder zu verlieren. "Und manche Männer schotten ihre Partnerinnen bewusst ab, isolieren sie."

Die Expertin rät, sich Hilfe vor Ort zu suchen - zum Beispiel bei einer Frauenberatungsstelle. Auf der Webseite des bfffinden Frauen eine Datenbank mit Hilfsangeboten in ihrer Nähe. Auch beim kostenlosen Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" mit der Rufnummer 08000/116 116 können Frauen anrufen. Schutz finden sie außerdem in Frauenhäusern. Wer sich für eine Beratungsstelle entscheidet, kann dort mit professioneller Unterstützung überlegen, wie es weitergeht.

Eine Option ist immer eine Anzeige. Eckhardt zufolge ist es sinnvoll, mit einem Profi darüber zu sprechen und sich darüber klar zu werden, wie das genau abläuft. "Sich auf einen Prozess einzulassen, ist auch nicht einfach", sagt die Expertin. Da müsse man wissen, was auf einen zukommt.

Hilfreich ist immer ein starkes soziales Umfeld mit Freunden oder Familienangehörigen. "Häufig können die aber nicht verstehen, wenn jemand bei einem gewalttätigen Partner bleibt." Auch sie müssen verstehen, dass das für Betroffene eine schwierige Situation ist. "Und die Männer sind ja meist nicht nur gewalttätig, sondern zeigen manchmal auch eine liebe Seite." Das irritiere das Opfer nur noch mehr. Auch deshalb sei es sinnvoll, sich professionelle Hilfe von Außen zu suchen.
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