Brauchtum

Fastenzeit 2016: Wie wird ab Aschermittwoch im Christentum gefastet?

Das Fasten ist ein alter Brauch im Christentum. In der Fastenzeit 2016, die am Aschermittwoch beginnt, geht es um mehr als nur Diät.
Beim Fasten geht es um mehr als bloß die Ernährung. Es ist eine Zeit der Besinnung. Symbolbild: epd
 
von SANDRA DENSCH
Fasten beginnt im Christentum am Aschermittwoch. Nach dem sündigen Karneval sollen sich die Menschen durchs Fasten bewusst machen, dass sie im Prinzip jederzeit sterben können und sich dann vor Gott verantworten müssen. Die Karnevalisten treffen sich an Aschermittwoch zum Fischessen. Fisch war früher vielerorts eine typische Fastenspeise, weil er billig zu haben war.


Fasten als Vorbereitung auf Ostern

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland legen jedes Jahr vor Ostern eine Fastenzeit ein. Über die Jahre hat sich dieser Brauch stark gewandelt. Die strikten Fastenregeln des Mittelalters wurden gelockert und die Zeit vor Ostern heutzutage gerne genutzt, um sich selbst etwas Gutes zu tun.


Fastenzeit: Wo kommt dieser Brauch her?

Früher war es im Christentum üblich, vor hohen Festtagen eine Fastenzeit einzulegen, um sich auf die Feierlichkeiten einzustimmen. Die Adventszeit war ursprünglich ebenfalls zum Fasten gedacht. Im 4. Jahrhundert führte die Kirche schließlich eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern ein. Diese Bußzeit soll auf Ostern - das wichtigste Fest des Christentums - vorbereiten.

Sie erinnern an die 40 Tage, die Jesus laut dem Neuen Testament allein in einer Wüste gefastet haben soll. Dabei widerstand Jesus den Versuchungen des Teufels. Die Zahl 40 taucht noch an weiteren Bibelstellen auf: So soll das Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste gezogen sein, 40 Tage soll Mose auf dem Berg Sinai verbracht haben und 40 Tage nach der Auferstehung an Ostern feiert die Kirche Christi Himmelfahrt. In der evangelischen Kirche wird die Fastenzeit auch Passionszeit genannt.


Wann ist die Fastenzeit 2016?

Der Aschermittwoch ist das Ende von Fasching und gleichzeitig der Beginn der 40-tägigen Fastenzeit. Das Ende der christlichen Fastenzeit ist der Karsamstag, der Tag vor dem Ostersonntag. Eigentlich beträgt die Zeitspanne von Aschermittwoch bis Karsamstag 46 Tage. Die sechs Sonntage dazwischen sind allerdings fastenfrei, seit Sonntage mit der Synode von Benevent im Jahr 1091 nicht mehr als Fasttage gezählt werden.

Die Fastenzeit 2016 beginnt am Aschermittwoch, den 10. Februar 2016, und endet am Karsamstag, den 26. März 2016.


Wie wird im Christentum gefastet?

Die Fastenzeit gilt im Christentum als Phase von Gebet und Buße. Ursprünglich sahen die Fastenregeln nur eine volle Mahlzeit täglich vor, in der Regel am Abend. Der Genuss von Fleisch, Milchprodukten, Eiern und Genussmittel wie Süßigkeiten waren während der Fastenzeit streng verboten. Erst im 15. Jahrhundert wurde diese Regel von der Kirche gelockert, sodass Milchprodukte, aber auch Öl und Eier fortan verzehrt werden durften.

Im Mittelalter wurden immer wieder Wege gefunden, um die strengen Verbote zu umgehen. Da Fische als Fastenspeise erlaubt waren, sollen ausgerechnet Mönche im Wasser lebende Tiere wie Enten oder Biber zu "Wassertieren" erklärt haben - und damit zur erlaubten Speise.

Wer seine Ernährung während der Fastenzeit reduziert, wird besonders in den ersten drei Tagen Schwierigkeiten haben: Frieren, Schwindel, Kopfschmerzen und Kreislauf Beschwerden sind häufig Symptome des Nahrungsentzugs. Die Zeitschrift der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände rät daher besonders viel zu trinken. Auch Gemüsebrühe eignet sich dafür. Obwohl die Pfunde beim Fasten purzeln, eignen sich die sieben Wochen eher nicht zum Abnehmen. Denn nach der Fastenzeit wird das alte Gewicht schnell wieder erreicht.

Heute werden die Fastenregeln von Gläubigen eher so ausgelegt, dass auf liebgewonnene Dinge und Gewohnheiten verzichtet werden soll. Das muss nicht unbedingt der Fleischkonsum sein. Auch der Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fernsehkonsum sind beliebte Symbole der Buße.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat in der Fastenzeit zum Verzicht auf Smartphone und Computer geraten. "Wer ständig online ist für alles und jeden, der ist offline für Gott und betrügt sich damit um die beste aller Kommunikationen", sagte er laut Mitteilung am Aschermittwoch. In einer immer schnelllebiger werdenden Zeit mit einer großen Informationsflut sei überlegtes Handeln notwendig: Es sei wichtig, sich Zeit zur Besinnung zu nehmen, um besser auf Gott zu hören.


Fastenzeit auch Zeit der Nächstenliebe

Denn nicht nur die Ernährung, sondern auch das grundsätzliche Verhalten soll sich in der Fastenzeit ändern. Früher wie heute geht es beim Fasten um eine stärkere Bindung zur Religion. In den sieben Wochen vor Ostern fordert die Kirche alle Gläubigen dazu auf, intensiver zu beten und Gottesdienste zu besuchen. Ebenso sollen die Menschen ihr Handeln hinterfragen und ihren Mitmenschen Nächstenliebe entgegen bringen, auch in Form von Almosen.

In der evangelischen Kirche kommt der Fastenzeit eine geringere Bedeutung zu. Martin Luther stand dem Fasten kritisch gegenüber und betonte, dass nicht Gott die Fastenzeit vorschrieb. Trotzdem sollten sich Protestanten in der Zeit vor Ostern mehr ihrem Glauben zuwenden und gute Taten vollbringen. Seit 1983 veranstaltet die evangelische Kirche die Aktion "7 Wochen Ohne", an der sich jedes Jahr mehrere Millionen Menschen beteiligen.

In der orthodoxen Kirche gibt es nicht nur eine Fastenzeit. Neben der "großen Fastenzeit" 40 Tage vor Ostern, gibt es noch drei weitere. Während des großen Fastens halten sich orthodoxe Christen an einen strikten Ernährungsplan mit drei sogenannten Stufen. Die erste Stufe sieht eine vegane Ernährung ohne tierische Produkte (mit Ausnahme von Honig), Öl oder Alkohol vor. Wein, Öl und Weichtiere dürfen in der zweiten Stufe verspeist verzehrt werden. In der dritten Stufe ist auch Fisch erlaubt.


Was fasten die Deutschen?

Jeder Zweite in Deutschland hat in seinem Leben schon mindestens einmal gezielt über einen längeren Zeitraum auf ein Genussmittel oder Konsumgut verzichtet. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind es sogar 68 Prozent. Das sind die Ergebnisse der repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit aus dem Jahr 2015.
Das Meinungsforschungsinstitut fand außerdem heraus, was Deutsche am liebsten fasten: An erster Stelle steht Alkohol mit 70 Prozent, gefolgt von Süßigkeiten (64 Prozent) und Fleisch (41 Prozent). 40 Prozent würden auf das Rauchen verzichten. Etwa ein Drittel der Befragten wären bereit, auf das Fernsehen (33 Prozent) oder auf Handy und Computer (27 Prozent) zu verzichten. 15 Prozent würden das Auto stehen lassen.


Fasten: Essen wir zu viel Fleisch?

Ja. Die Ernährungskampagne "In Form" der Bundesregierung rät: "Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche essen." Das entspricht einer Jahresmenge zwischen 15 und 31 Kilogramm. Der jährliche Fleischverbrauch in Deutschland beträgt pro Kopf 60,3 Kilogramm - und übersteigt damit den weltweiten Durchschnitt um das Doppelte.

Gesundheitsfördernd und nachhaltig ernährt sich laut "In Form", wer überwiegend pflanzliche Lebensmittel isst. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Ende Oktober gewarnt, Würstchen, Schinken und anderes verarbeitetes Fleisch erhöhe das Darmkrebsrisiko. Bei rotem Fleisch - dem Muskelfleisch von Säugetieren - ist dies den Forschern zufolge zumindest wahrscheinlich.

Außerdem kommt ein bewusster Fleischkonsum der Umwelt zugute. Denn die Lebensmittel- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen kommt zu dem Ergebnis, dass die Viehaltung für 14,5 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich ist. Das entspricht ungefähr dem Ausstoß des gesamten Transportsektors, also aller Autos, Lkws und Flugzeuge.


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