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Ermittlungen

Drei tote Kinder: Gibt es Parallelen zum Tod der neunjährigen Peggy?

Nach der neuen Spur im Fall Peggy nehmen sich Thüringer Ermittler bisher ungeklärte Todesfälle von Kindern rund um Jena noch einmal vor.
Die Rechtsanwältin der Mutter der getöteten Schülerin Peggy, Ramona Hoyer, spricht am 17.10.2016 auf einer Pressekonferenz im Rathaus von Wettin (Sachsen-Anhalt) vor Journalisten. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
 
von DPA
Eine Sonderkommission der Thüringer Polizei mit 15 Ermittlern rollt wegen der brisanten Entwicklungen im Fall Peggy drei ungeklärte Todesfälle von Kindern in und um Jena neu auf. Grund ist der Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der Leiche der neunjährigen Peggy.



Die Soko unter Führung von Polizeidirektor Lutz Schnelle hat am Montag ihre Arbeit begonnen.

Der 50-Jährige sei zuletzt im Innenministerium tätig gewesen, davor habe er sieben Jahre lang die Kriminalpolizei in Saalfeld geleitet, sagte die Sprecherin der Landespolizeiinspektion Jena, Steffi Kopp, am Montag.

Peggy war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden, Skelettteile von ihr wurden im Juli in einem Wald im Saale-Orla-Kreis entdeckt. Nun soll geprüft werden, ob es Parallelen zu Kindstötungen auch in Thüringen gibt. Denn in Jena sind die mutmaßlichen Rechtsterroristen Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aufgewachsen. Sie waren Ende der 1990er Jahre untergetaucht; Böhnhardt und Mundlos sollen dann jahrelang unerkannt gemordet haben - hauptsächlich aus fremdenfeindlichen Motiven.


Konkret geht es laut Kopp nun um drei bis heute ungeklärte Fälle aus den 1990er Jahren.

1993 war in Jena der neunjährige Bernd verschwunden. Er wurde zwölf Tage später tot am Ufer der Saale entdeckt. Böhnhardt war damals schon zeitweise ins Visier der Ermittlungen geraten.

Auch der Mörder der zehnjährigen Ramona aus Jena-Winzerla wurde nie gefasst. Sie war im Sommer 1996 verschwunden, ihre Leiche wurde im Januar 1997 in einem Waldstück entdeckt. 

Der dritte Fall betrifft Stephanie aus Weimar, die 1991 tot unter einer Brücke der Autobahn 4 bei Jena gefunden worden war. Der Täter hatte das Kind offensichtlich von der Brücke geworfen.


Anwältin von Peggys Mutter: "Wie 15 Jahre zurückversetzt" - gab es Hassbrief?

Die neuesten Entwicklungen im Fall der getöteten Peggy haben deren Familie in die Zeit vor 15 Jahren zurückversetzt. "Über eine mögliche Verbindung zum NSU war Peggys Mutter sehr ergriffen und bestürzt", sagte deren Rechtsanwältin Ramona Hoyer am Montag in Wettin (Sachsen-Anhalt). Es stelle sich die Frage, wann Peggy nun "nach Hause" kommen könne und ihr Leichnam freigegeben werde.

Die damals neunjährige Peggy war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden. Im Juli wurden Skelettteile von ihr in einem Wald in Thüringen entdeckt. Am vergangenen Donnerstag war bekanntgeworden, dass am Leichenfundort auch Genmaterial des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurde.


Ob es tatsächlich einen an Peggys Mutter adressierten "Hassbrief" aus der Neonaziszene gab, wollte Hoyer weder dementieren noch bestätigen.

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Es sei wahr, dass der damalige Lebensgefährte der Mutter Türke war und ihre Mandantin sich dem Islam zugewandt habe. Sie habe auch ein Kopftuch getragen, sagte Hoyer. Offen ließ die 43-Jährige, ob sie tatsächlich auch konvertiert sei. "Dazu kann ich keine Angaben machen", sagte sie. 

Aktuell gebe es enge Kontakte zu den Ermittlungsbehörden und erste Verständigungen zu einer weiteren Vernehmung der Mutter. Es gebe eine Mengen zu klären, sagte Hoyer, die sich bei den Medien für die neuerliche Diskretion bedankte. So habe es Raum für ihre Mandantin gegeben, das Neue zu verarbeiten.

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