Ingolstadt
Gericht

Einigung im Prozess um Katzenbiss: Katze bleibt Gegenüberstellung erspart

Hat sie gebissen oder nicht? Vor Gericht schlossen Katzenbesitzerin und angebliches Opfer einen Vergleich. Der Katze blieb eine Gegenüberstellung erspart.
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Eine Katze sitzt am 10.07.2017 im Landgericht in Ingolstadt (Bayern) in einem Korb, der mit einem Tuch abgedeckt ist. Eine Klägerin fordert 2000 Euro Schmerzensgeld von ihrer Nachbarin. Sie behauptet, dass die Katze sie ins Bein gebissen und ihr dadurch eine entstellende Narbe zugefügt hat. Foto: Armin Weigel/dpa
Eine Katze sitzt am 10.07.2017 im Landgericht in Ingolstadt (Bayern) in einem Korb, der mit einem Tuch abgedeckt ist. Eine Klägerin fordert 2000 Euro Schmerzensgeld von ihrer Nachbarin. Sie behauptet, dass die Katze sie ins Bein gebissen und ihr dadurch eine entstellende Narbe zugefügt hat. Foto: Armin Weigel/dpa
Die Katze wartete artig vor dem Sitzungssaal, und dabei spielte sie drinnen die Hauptrolle: Hat sie die Nachbarin nun gebissen oder nicht? Vor dieser Frage stand am Montag das Landgericht Ingolstadt. Eine eindeutige Antwort gab es nicht und muss es auch nicht geben, denn die Streithähne einigten sich auf einen Kompromiss: Die Katzenbesitzerin zahlt ihrer Nachbarin die Hälfte des geforderten Schmerzensgeldes samt Behandlungskosten und vorsorglich geltend gemachte mögliche gesundheitliche Schäden für die Zukunft - zusammen knapp 2700 Euro. Erst will die Frau aber noch klären, ob ihre Haftpflichtversicherung dafür aufkommt.


Gegenüberstellung war geplant

Ursprünglich war geplant, dass die Katze zu einer Art Gegenüberstellung in den Sitzungssaal geholt wird. Dies wäre eine absolute Ausnahme gewesen, denn bei Gericht herrscht strenges Tierverbot. Da die Parteien sich jedoch rasch einigten, verzichtete Richterin Heike Linz-Höhne darauf. Die Katze saß, begleitet vom Freund der Beklagten, vor dem Sitzungssaal in einem Korb. Um sie vor neugierigen Blicken zu schützen, war der Korb mit einem Tuch bedeckt. Richterin Linz-Höhne fragte zu Sitzungsbeginn: "Ist die Katze gut untergebracht?" Dies sei wichtig, wenn sie "so ein aufregendes Ereignis in ihrem Tierleben hat".

Die angebliche Attacke auf die Frau soll sich am Abend des 9. Januar zugetragen haben. Beim Spaziergehen sei die Katze ihr wie schön öfter gefolgt. "Ich habe noch zu meinem Mann gesagt, schau, wir bekommen wieder Begleitung", schilderte die Klägerin vor Gericht. Plötzlich habe das Tier sie jedoch "ohne Vorwarnung" angesprungen und in den Oberschenkel gebissen. Sie habe laut geschrien, ehe die Katze von ihr abließ. Die Wunde entzündete sich, es folgten Dutzende Arztbesuche. Eine scheußliche Narbe werde sie für immer an den Angriff erinnern.


Richterin war amüsiert

Linz-Höhe führte die tierische Verhandlung sichtlich amüsiert. Unter dem Schmunzeln der Zuhörer meinte sie, der Vorteil dieses Prozesses sei, "eine Katze muss ich nicht belehren". An einer Stelle fragte sie die Klägerin, woran sie die Katze in der Dunkelheit denn erkannt haben will, denn "bei Nacht sind schließlich alle Katzen grau, wobei diese schwarz-weiß ist". Die Nachbarin will das Tier an der Fellzeichnung identifiziert haben.

Die Beklagte versicherte, dass ihre Katz noch nie gebissen habe. Allenfalls habe sie ihr schon mal eine "mit der Tatze gegeben", wenn sie zum Tierarzt musste. Böse oder aggressiv sei ihr Liebling nicht. Im Übrigen habe sie ihre eigene Katze schon einmal mit der einer Nachbarin verwechselt. "Die habe ich sogar schon einmal aus Versehen in die Wohnung gelassen", sagte die Beklagte. Vielleicht sei es ja doch diese Katze gewesen, die die Frau gebissen habe.

Beide Kontrahentinnen freuten sich am Ende über den Vergleich, schließlich sei ihnen als direkte Nachbarn ein halbwegs gutes Verhältnis auch weiterhin wichtig. Froh war auch die Richterin, die den Beteiligten alles Gute wünschte: "Eine Katze soll ja nicht der Grund sein, dass man sich nicht mehr in die Augen schauen kann." Vor allem aber wünschte Linz-Höhne der Geschädigten gute Besserung - auch wenn wegen der Narbe nun der "Lack am Oberschenkel ab" sei.
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