Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Überregional

Rechtsextremismus

"Druide" unter Terrorverdacht: Er lebte jahrelang in Franken

In der badischen Touristenstadt Schwetzingen soll ein Mann Anschlagspläne geschmiedet haben, der 2011 aus Unterfranken zugezogen war.
Bei einer bundesweiten Aktion gegen Rechtsextremisten - hier in Berlin - wurde in Schwetzingen bei Heidelberg ein selbst ernannter Druide verhaftet, der zu Straftaten gegen Minderheiten aufgerufen haben soll. Foto: Paul Zinken, dpa
 
von DPA
Die Festnahme eines terrorverdächtigen "Druiden" im badischen Schwetzingen trifft die Menschen in der Stadt völlig überraschend - und lässt Oberbürgermeister René Pöltl kräftig durchatmen. "Wir haben zwar seit rund einem Jahr Probleme mit Reichsbürgern, aber dieser Mann ist in diesem Zusammenhang nie aufgetreten", sagt der 49-jährige Jurist im Eckzimmer des Rathauses.

Aufgetreten allerdings ist der selbst ernannte Druide - eine Figur aus der keltischen Mythologie - in zahlreichen Videos. Dort ist zu sehen, wie der 66-Jährige im langen weißen Gewand und mit Wanderstab umherschreitet. Der bärtige Mann wirkt recht skurril.


Doch glaubt man der Justiz, stammen zahlreiche extremistische Einträge in sozialen Netzwerken von ihm. Der Verdächtige rufe dort offen zu Straftaten gegen Minderheiten auf, lautet der Vorwurf. Unklar war, ob der Mann tatsächlich zu den "Reichsbürgern" gehört. Die Bewegung erkennt die Bundesrepublik nicht an und behauptet, das Deutsche Reich bestehe bis heute. "Reichsbürger" werden landesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.


Razzien in sechs Bundesländern

Der 66-Jährige war am Mittwoch festgenommen worden. Insgesamt ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen sechs Verdächtige. Die Gruppe soll Anschläge auf Juden, Asylbewerber und Polizisten geplant haben. Bei Razzien in sechs Bundesländern wurden auch Waffen gefunden.

Ein- bis zweimal im Monat treffe von der Bewegung ein mit Reichsadler versehenes "Faxpamphlet", wie Pöltl es nennt, bei der Verwaltung ein. "In dem unstrukturierten Text wird der Staat offen in Frage gestellt, das ist schon bedrohlich", meint der Parteilose. Und nun also die Festnahme des 66-Jährigen, der nur eine Straße entfernt wohnte.


Verdächtiger 2011 aus Bischofsheim an der Rhön zugezogen

Dort steht Maryvonne Schuster vor dem Haus - sie lebt im ersten Stock. So viel sie wisse, wohne der Mann nicht mehr in Schwetzingen. "Da standen mal Umzugskartons im Hof", sagt die Küchenfachkraft und schiebt ihr Fahrrad weiter. Behörden bestätigen: Der Verdächtige sei 2011 aus Bischofsheim an der Rhön (Unterfranken) zugezogen. Laut Bayerischem Rundfunk trat der Mann dort als Druide auf, gab Seminare und Führungen. 2008 habe der Verdächtige sogar auf der Liste der SPD für den Stadtrat kandidiert.

Im Herbst 2016 war er von Amts wegen in Schwetzingen abgemeldet worden. Der Gerichtsvollzieher habe den Mann in Schwetzingen nicht mehr angetroffen, sagt ein Behördenmitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will. "Wir gehen davon aus, dass er sich vor allem im nahen Brühl aufhielt."

Anschlagspläne in Schwetzingen? Das ist in der malerischen Stadt rund zehn Kilometer westlich von Heidelberg schwer zu fassen. Auch an diesem kalten Januartag glänzt am Schlossplatz das Wahrzeichen: die ehemalige Sommerresidenz der Kurfürsten von der Pfalz. Die Barockgärten und Festspiele sind auch außerhalb der Stadt bekannt. Und schon jetzt wird auf die nächste Saison in der "Spargelmetropole" Schwetzingen eingestimmt, die Zehntausende Gäste anzieht.

Dass seine Stadt künftig mit Terrorismus statt Tourismus in Verbindung gebracht werden könnte, glaubt Oberbürgermeister Pöltl nicht. Es gebe keinen Extremismus in Schwetzingen, sagt der seit knapp zehn Jahren amtierende Ratsherr. Das Klima werde aber rauer.

"Unlängst bin ich erstmals bei einer Diskussion fast körperlich angegriffen worden", sagt Pöltl. Er berichtet auch von einer zunehmenden Zahl von Waffenscheinen und einem AfD-Ergebnis von rund 18 Prozent bei der jüngsten Wahl. "Ich erkläre mir das so, dass viele sich von der Welt überfordert fühlen", sagt der Oberbürgermeister.
Im Kaffeehaus am Schlossplatz legt die Serviererin die Lokalzeitung beiseite. "Schwetzinger unter Terrorverdacht", prangt dort auf der Titelseite. "Ich glaube, das wird aufgebauscht", sagt die junge Frau. "Aber gut, dass sie ihn festgenommen haben."

zum Thema "Reichsbürger"

Newsletter kostenlos abonnieren