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Meinung

Kommentar: Donald Trump und das Versagen der Medien

Der überraschende Wahlsieg Donald Trumps offenbart neben dem Versagen der Demoskopen vor allem auch die Misere der Medien.
Donald Trump Foto: Shawn Thew/dpa
 
von RUDOLF GÖRTLER
Der Katzenjammer war groß. Keiner hatte es erwartet. So blamiert wie alle Wahlprognostiker sind die - nicht nur - deutschen Medien. Dabei hat der Fall, nach dem Brexit, wieder einmal die über Jahrzehnte gewachsenen Defekte des Journalismus schonungslos offenbart.

Und sie wollen es, mit Ausnahmen, immer noch nicht wahrhaben. Als Raison d'Être bleibt ihnen die Wählerbeschimpfung. Die dummen, ungebildeten, alten weißen Männer aus der Provinz hätten sich in einem letzten Aufbäumen gegen die junge, urbane, weltoffene, weibliche, gebildete Elite der Zukunft gestemmt. Dass viele Frauen, Latinos und vielleicht die eine oder andere Collegeabsolventin für Trump gestimmt haben könnte, passt nicht ins Klischee. Vor allem verzeihen die Deutschen den Amerikanern nicht, dass die nicht so wählten, wie es die Durchblicker in Germany vorschrieben.


Das heißt nicht, dass an der unappetitlichen Figur Trump irgend etwas sympathisch oder lobenswert wäre.

Trump ist nicht der große Verführer, er ist das Gestalt gewordene Ressentiment, das ihn ganz nach oben spülte, ein Plebiszit gegen das System. Warum das so war und ist nüchtern zu analysieren, wäre die Aufgabe sorgfältiger, emotionsloser Recherche gewesen.

Stattdessen sah man wie in Endlosschleife den Auftritt des Republikaners, als er niederträchtig Behinderte imitierte, stürzte sich begierig auf zehn Jahre alte Videos, erging sich in dummen Witzen über seine Frisur - "Heute-Show" auf allen Kanälen, der Kandidat als Clown, der zuverlässig Klicks und Quote garantierte. Das ist signifikant für bedenkliche Entwicklungen. Sie lassen sich klar benennen: Emotionalisierung, Trivialisierung, Personalisierung. Und was ganz wichtig ist: Ein Juste Milieu verwechselt seine Blase mit der Welt, bestärkt sich wechselseitig, ein Prozess ewiger Rückkopplung, ein Echoraum.

Es sind Sozialcharaktere wie geformt für den postfordistischen Kapitalismus. Sie glauben, dass ihre Werte die relevanten sind, erregen sich an Themen wie gendergerechten Toiletten oder Aufsichtsratsposten für Frauen und begreifen nicht, dass diese relevanten Teilen der Bevölkerung herzlich gleichgültig sind: die Medienwelt als Wille und Vorstellung.


Die da unten: ganz schlimm

Stattdessen verachten sie all die, die nicht in Bioläden einkaufen und die feinen Unterschiede (Bourdieu) nicht kultivieren. Wie Owen Jones in seinem Buch "Prolls" am Beispiel der englischen Arbeiterklasse zeigt, dämonisiert die Mittelschicht, selber von Abstiegsängsten geplagt, die da unten. Das gilt mutatis mutandis auch für eine liberale Medien-Schickeria, die eine fremde Welt gleich vor der Haustür meidet. Die Hartz-Reformen findet man sehr gelungen, ebenso wie viele das Unbehagen nicht begreifen können, wo es "uns" doch so gut wie nie gehe. Wer sein USA-Bild aus "Sex and the City" gewinnt, wird bass erstaunt vor den Sorgen arbeitsloser Industriearbeiter in Pennsylvania stehen.

Dass eine frustrierte und ökonomisch gebeutelte Masse nach rechts zieht, ist kein neues Phänomen. Wohin auch, wenn eine relevante Linke nicht mehr existiert? Das zu erkennen, zu analysieren, wäre eine Aufgabe der in öffentlich-rechtlichen Redaktionsstuben wohlig warm sitzenden Journalisten gewesen und ist es immer noch.

Die Alternative Bernie Sanders: ein Linkspopulist, schimpften sie, dazu noch zauselig und unsexy. Von den dunklen Seiten der auch und gerade bei jungen Frauen verhassten Clinton dagegen war erst die Rede, als Trump schon an der Schwelle des Weißen Hauses stand.

Schauen wir nach Europa: Warum hat der Front National das Wählerreservoir der KPF usurpiert?


Warum sammeln sich verängstigte Kleinbürger unter Pegida-Fahnen?

Warum wird es vielen unbehaglich angesichts einer Masseneinwanderung? Weil sie blöd sind, dumpf, deutschnational oder gleich Nazis? Einige sicher. Doch wenn Ressentiment von oben Analyse ersetzt, wenn Klaus Kleber im Heute-Journal mit jedem Wort, jeder Geste nicht nur informiert, sondern gleichzeitig kommentiert, wenn die Medien im Grunde einverstanden sind mit der Herrschaft: Dann machen sie sich mitschuldig am Aufstieg der rechtsnationalen Internationale.


Nach dem Trump-Schock keimt schwach Hoffnung auf.

Jürgen Kaube schreibt, "dass die meisten Wähler von der Globalisierung gar nicht profitieren", und das ist für die konservative FAZ beachtlich. Wenn dagegen bei Maischberger eine wie immer gruslige Alice Schwarzer vom Sexismus weißer Männer schwadroniert, die eine erfolgreiche Frau nicht ertragen könnten, verheißt das nichts Gutes. Vermutlich wird es weitergehen wie bisher. Und wenn Le Pen Präsidentin in Frankreich ist und die AfD bei 20 Prozent liegt, werden sie erstaunt greinen: Damit hätte doch niemand gerechnet.

zum Thema "USA-Wahlen 2016"

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