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US-Wahlen

Die gespaltene Nation - ein Kommentar zur US-Wahl

Am Tag nach der US-Wahl herrscht Katerstimmung. Nicht nur in Übersee. Denn die nächsten vier Jahre werden alles andere als leicht.
Amerika hat gewählt. Das geht auch die Deutschen an.Grafik: Klaus Heim
 
von FALK ZIMMERMANN
Nun ist es also geschehen. Amerika hat gewählt. Endlich - möchte man ausrufen. Denn allen Endzeit-Beschwörungen und Untergangs-Prophezeiungen zum Trotz können wir sagen: Die Welt dreht sich weiter, die Sonne geht auch heute wieder auf. Ein Trost ist das allemal, waren doch die vergangenen Wochen und Monate von einer ungekannten medialen Düsternis geprägt, dass selbst Berufsoptimisten daran hätten verzweifeln können.
Und ja: Diese Wahl hat Amerika verändert. Und mit den Vereinigten Staaten die gesamte westliche Welt. Keine "Yes-we-can"-Leichtigkeit mehr, kein Frohlocken über das neue Mögliche, nur schachmattes Kopfweh nach einer durchlittenen Wahlschlacht. Und wäre es nicht allzu opportun, man würde sich gerne heute Morgen noch einmal die Decke über den Kopf ziehen und warten, bis sich das Dröhnen im Schädel gelegt hat. Aber es muss weiter gehen. Irgendwie muss der Gesprächsfaden wieder aufgenommen werden. In Washington vor allem, dann überall in diesem plötzlich zutiefst gespaltenen Land. Demokraten und Republikaner - das sind nicht mehr die vertrauten politischen Gegenspieler von einst, das sind plötzlich sich abstoßende Pole. Und dennoch muss gelingen, die Widerstandsbrücke zu überwinden. Weil es keinen zivilgesellschaftlichen "Shut down" geben darf, auch wenn politisches Handeln in diesen ersten Stunden "danach" unmöglich erscheint.


Amerika muss sich neu sortieren

Amerika muss sich neu sortieren. Der Platz als Nummer eins in der Welt ist ja schon länger strittig. Die Selbstgewissheit ist dahin, außen rütteln nicht nur die Chinesen am Podest. Und innen? Da haben spätestens Immobilienkrise und Bankensterben die Vorstellung von der eigenen Unbesiegbarkeit brüchig werden lassen. Too big to fail? Auch Riesen können stürzen. Wie aber diese Wahrheit anpacken? Stiernackig, in bester Cowboy-Manier und einfach weiter so wie damals auf dem langen Treck nach Westen? Oder kollaborativ, nicht mehr als Weltpolizist, sondern als Teil einer Wertegemeinschaft mit der Fähigkeit zum Fehlermanagement?
Viel hängt davon ab. Auch für uns in der alten Welt, um die es aktuell auch nicht zum Besten steht. Das "transatlantische Verhältnis", nicht nur das in der Nato, hat an Spannkraft verloren. Europa, bald nur noch ein Hinterhof des globalen Dorfes? Für viele Amerikaner eine Tatsache. Sie blicken lieber nach Westen über den Pazifik.
Gerade wir Deutschen sollten aber gerade jetzt dem geübten Reflex vom Ami-Überdruss widerstehen. Weil wir vielleicht das amerikanischste Land in Europa sind. Weil für uns nicht nur wirtschaftlich viel davon abhängt, wie es jetzt auf der anderen Seite des Großen Teichs weitergeht. Weil unser Wohlstand auf dem Marshallplan gründet. Weil wir - so schwer wir uns damit abfinden können - erst von den Amerikanern die Demokratie (wieder) lernen mussten. Ohne Amerika ist Deutschland, so wie wir es kennen, nicht denkbar. Darum gehen auch uns die nächsten vier Jahre im Weißen Haus direkt an. "Heute sind wir alle Amerikaner", erklärte der damalige SPD-Fraktionschef Peter Struck nach den Anschlägen vom 11. September 2001. 15 Jahre später ist dieser Satz, in anderer Form, wieder aktuell. Er soll sagen: Unser Interesse an den USA darf nicht schwinden.


Das Hysterische muss dem Faktischen weichen

Das Amt des Präsidenten ist nur Teil eines feingliedrigen Apparats, der viele Steuermöglichkeiten zulässt. Die Überhöhungen eines Donald Trump zum diabolischen Totengräber einer Nation war daher ebenso falsch wie das Bild von einer Hillary Clinton, das nur das kleinere Übel zeigte. Dies sollte uns jetzt bewusst werden. Ergo: Das Hysterische muss dem Faktischen weichen.
Die Rückkehr auf die Ebene der Realpolitik wird dann vieles klären. Denn es braucht bald konkrete Antworten statt markiger Sprüche. Und blicken wir doch einmal zurück! So sehr wir uns einen Barack Obama als leuchtenden Heilsbringer gewünscht hatten, seine Bilanz fällt irdisch durchwachsen aus. Das ist gut so. Weil uns die Geschichte lehrt, dass viel passieren kann, aber nicht passieren muss.

zum Thema "USA-Wahlen 2016"

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