Berlin
Studie

96 Prozent der Muslime fühlen sich nach einer Studie in Deutschland wohl

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung vergleicht verschiedene Länder Europas, wie gut Muslime in verschiedenen Lebensbereichen integriert sind.
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Zahlreiche Besucher kommen zum Ramandanfest auf der Karl-Marx-Straße im Berliner Stadtbezirk Neuköllln. Foto: Jörg Carstensen, dpa
Zahlreiche Besucher kommen zum Ramandanfest auf der Karl-Marx-Straße im Berliner Stadtbezirk Neuköllln. Foto: Jörg Carstensen, dpa
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Bei der Integration der rund 4,7 Millionen dauerhaft in Deutschland lebenden Muslime hat es in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gegeben. Die vor allem aus der Türkei stammenden Migranten haben im Vergleich zu anderen Ländern in Europa beste Chancen, einen Job zu finden und sind seltener arbeitslos als in Frankreich oder Österreich. Das geht aus der vergleichenden Studie "Muslime in Europa - Integriert, aber nicht akzeptiert?" der Bertelsmann-Stiftung hervor, die aber nicht die neuesten Entwicklungen seit der Flüchtlingskrise 2015 berücksichtigt.


Integration in den Arbeitsmarkt

Das Urteil der Bertelsmann-Stiftung fällt eindeutig aus: "Deutschland weist die mit Abstand besten Bedingungen für die Integration in den Arbeitsmarkt auf", schreiben Dirk Halm und Martina Sauer vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Uni Duisburg-Essen, die die Studie für die Gütersloher Stiftung erstellt haben. Von den Bedingungen in Deutschland können Zuwanderer in Großbritannien, Frankreich, Österreich und der Schweiz nur träumen. Im Gegensatz zu diesen Ländern unterscheidet sich die Erwerbstätigkeit der Muslime in Deutschland von den Werten der Deutschen: 60 Prozent arbeiten in Vollzeit, 21 Prozent in Teilzeit, fünf Prozent sind arbeitslos und 14 Prozent üben keinen Beruf aus.


Die Sprachbarriere sinkt

Ein entscheidendes Kriterium aus Sicht der Forscher ist die Beherrschung der Sprache des Gastlandes. Und auch da hat Deutschland im Vergleich zu England und Frankreich deutlich aufgeholt, wo die Bedingungen wegen der früheren Kolonien anders sind. Beherrschen nur 23 Prozent der Einwanderer der ersten Generation die deutsche Sprache, wachsen bereits 73 Prozent der in Deutschland geborenen Kinder von muslimischen Eltern mit Deutsch als erster Sprache auf, in Frankreich sind es 93 Prozent, in Großbritannien 80 Prozent.
Im Vergleich der fünf Länder liegt Deutschland, was die Dauer des Schulbesuches von muslimischen Kindern angeht, hinter Frankreich und Großbritannien auf dem dritten Platz. Während in Frankreich nur elf Prozent der Muslime vor Vollendung des 17. Lebensjahres die Schule verlassen, sind es in Deutschland 36 Prozent. Unverändert hoch ist die Quote der Schulabbrecher ohne Abschluss.


Gemeinsames Freizeitverhalten

Wenn es um die Gestaltung ihrer Freizeit geht, gibt es kaum Unterschiede zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, zudem ist der unterschiedliche Glaube kein Hindernis für gemeinsame Aktivitäten. 84 Prozent der in Deutschland geborenen Muslime verbringen ihre Freizeit öfter mit Nicht-Muslimen, fast zwei Drittel sagen, dass ihr Freundeskreis zur Hälfte aus Deutschen besteht. Es gilt: Je jünger die Menschen, umso intensiver die Beziehungen. Die Folge: 96 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime fühlen sich mit dem Land sehr oder eher verbunden, nur in der Schweiz ist der Wert mit 98 Prozent höher.


Frömmigkeit als Nachteil

40 Prozent der Muslime in Deutschland bezeichnen sich als "hochreligiös", dagegen nur 16 Prozent der Nicht-Muslime. Ihnen fällt es in Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien schwer, einen Arbeitsplatz zu finden, der ihrer Qualifikation entspricht. Folge: Sie verdienen oft weniger als Muslime, die sich als weniger fromm bezeichnen.
63 Prozent der Muslime in Deutschland geben an, noch nie wegen ihres Glaubens am Arbeitsplatz, bei Behörden oder in der Öffentlichkeit diskriminiert worden zu sein. Nur in der Schweiz ist der Wert mit 65 Prozent noch höher. Am niedrigsten ist der Wert in Österreich mit 32 Prozent. Viele Muslime sind enttäuscht, dass ihre Integrationsanstrengungen von den Deutschen nicht anerkannt werden: 19 Prozent der Bürger in Deutschland wollen keine Muslime als Nachbarn .

von Martin Ferber
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