Marburg
Kindesentführung

6 Jahre Haft für Möchtegern-Entführer: Er hatte K.O.-Tropfen besorgt und ein Verlies gebaut

Ein Mädchen wird an einem Spielplatz beinahe von einem Mann gekidnappt. Fünf Jahre lang fehlte von ihm jede Spur. Nun konnte er verurteilt werden.
Artikel einbetten Artikel drucken
Der Mann wollte ein Mädchen von einem Spielplatz entführen. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Der Mann wollte ein Mädchen von einem Spielplatz entführen. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Es ist die Horrorvorstellung aller Eltern: An einem Spielplatz zerrt ein Mann ein Mädchen in sein Auto und will es entführen. Genau das hat ein Mann aus Nordrhein-Westfalen im Oktober 2012 in Mittelhessen gemacht, davon zeigt sich das Landgericht Marburg am Mittwoch überzeugt. Er knebelt die damals Neunjährige mit einem Klebeband und bugsiert sie in den Wagen. Das Gericht geht davon aus, dass der 34-Jährige sie sexuell missbrauchen wollte. Zum Schlimmsten kommt es aber nicht, weil sich das Kind befreien und um Hilfe rufen kann. Fünf Jahre nach der Tat in Weimar (Kreis Marburg-Biedenkopf) verurteilten die Richter nun den Mann zu sechs Jahren Haft.



"Zweifellos etwas Sexuelles"

Was der Angeklagte genau mit dem Kind vorhatte, blieb vor dem Landgericht ungeklärt. "Zweifellos" aber habe er "etwas Sexuelles" im Sinn gehabt, sagte der Vorsitzende Richter. "Alles andere ist völlig außerhalb der Vorstellung." Mehrere "merkwürdige" und auch "gruselige" Details im Leben des Mannes sprechen aus Sicht des Gerichts für dieses Motiv. Bei dem Angeklagten, der bis zu seiner Festnahme im Frühjahr ausgerechnet eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger absolvierte, wurden demnach unter anderem zahlreiche Bilder mit nackten Kindern gefunden, außerdem verdächtige Google-Recherchen, K.O.-Tropfen - und eine Art Verlies, das er in einem alten Haus eingerichtet haben soll.


"Schrecken und Traumatisierung über Jahre hinweg"

Die Tat in Weimar sorgte in der Region für große Aufregung. Fünf Jahre lang fehlte von dem Täter jede Spur - bis er im vergangenen April in einem Schwimmbad in Hamm (Nordrhein-Westfalen) auffällig wurde. Hier griff er einem Mädchen an den Po. Bei den folgenden Ermittlungen musste der Angeklagte seine Fingerabdrücke abgeben. Diese stimmen mit jenen überein, die auf dem Klebeband in Weimar gefunden worden waren.

Während des Prozesses schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen. Das Gericht verhandelte nicht nur die versuchte Kindesentführung, sondern auch den Vorfall im Schwimmbad. Verurteilt wurde der Mann unter anderem wegen versuchter Freiheitsberaubung und versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern. Für die damals Neunjährige habe die Tat einen "fürchterlichen Schrecken und eine Traumatisierung über Jahre hinweg" bedeutet, sagte der Vorsitzende Richter.
Die Staatsanwaltschaft hatte auf insgesamt sieben Jahre und vier Monate Haft plädiert, die Verteidigung auf Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Noch keine Kommentare