Fahndung

Maddies Eltern zu Gast bei "Aktenzeichen XY"

Mit emotionalen Aufrufen wenden sich die Kate und Gerry McCann in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" an die Zuschauer. Sechseinhalb Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Madeleine haben die britischen Ermittler neue Erkenntnisse, die auch nach Deutschland führen.
Wie schon bei dieser Presskonferenz im Juni 2007 riefen Kate und Gerry McCann in der Sendung "Aktenzeichen XY" die Öffentlichkeit zur Mithilfe auf. Foto: Soeren Stache/dpa
 
von PETRA BREUNIG
Die Ermittler von Scotland Yard sind sich sicher: Neue Erkenntnisse rechtfertigen es, den Entführungsfall der kleinen Madeleine McCann nicht nur wieder aufzunehmen. Sie setzen jetzt, sechseinhalb Jahre nach der Tat, auf die Zusammenarbeit mit ihren europäischen Kollegen und der Öffentlichkeit. Deshalb wird der Fall nach den Sendungen im britischen und niederländischen jetzt auch im deutschen Fernsehen gezeigt. Dass das Interesse groß ist, wird noch während der Sendung deutlich. Am Tag danach sind insgesamt 500 Anrufe eingegangen. Ob eine heiße Spur dabei ist, war auch am Morgen noch unklar.

Regelmäßiger Tagesablauf

Anders als ihre britischen Kollegen zeigt das ZDF nicht nur eine sehr detaillierte Rekonstruktion der eigentlichen Ereignisse. Um die Situation der Familie McCann, die mit Freunden Urlaub in Portugal macht, besser darzustellen, gehen die deutschen Fernsehmacher auch auf die Tage vor der Entführung ein. Demnach scheinen die Ermittler Wert auf die Regelmäßigkeit zu legen, nach der sich das Leben der Familie abspielt. Wenn es eine geplante Entführung war, wenn die Verbrecher die McCanns beobachtet haben, dann wussten sie, dass sich die Eltern immer abends gegen 20.30 Uhr zusammen mit ihren Freunden zum Essen in der Tapas-Bar trafen.

"Es war ein klare Routine", sagt dann auch Chefermittler Andy Redwood, der zusammen mit Kate und Gerry McCann im ZDF-Studio ist und die derzeitige Erkenntnisse von Scotland Yard schildert. Eine Routine, die sich zum Beispiel in einem einsehbaren Tisch-Reservierungsbuch im Restaurant niederschlug. Und die von - im Rückblick - verdächtig erscheinenden Männern hätte auskundschaftet werden können. Wenn also die Männer, die sich auf dem Balkon eines nicht vermieteten Appartements ebenso für die McCanns interessiert haben wie zwei weitere Männer, die sich in der Nähe der Ferienwohnung der Familie aufgehalten haben, dann wussten sie beispielsweise, dass die Terrassentür ins Appartement nur angelehnt war. Und sie haben vermutlich auch bemerkt, dass die Eltern in regelmäßigen Abständen den kurzen Weg von der Bar zum Appartement zurücklegten, um sich zu vergewissern, dass die Kinder schliefen.

"Wir wollen wissen, wer dieser Mann ist"

Am Abend des 3. Mai 2007 ging Gerry McCann gegen 21 Uhr zum ersten Mal zu den Kindern. Ihm fiel zwar auf, dass die Schlafzimmertür ins Innere der Wohnung weiter offen stand als vorher, da aber alles ruhig war, wollte er die Kinder nicht stören und ging wieder zurück, so die filmische Rekonstruktion. Madeleine schlief zu diesem Zeitpunkt noch in der gleichen Position wie zuvor. Eine Viertelstunde später übernimmt eine Freundin den Kontrollgang. Ihr fällt ein Mann auf, der ein schlafendes Kind im Arm trägt und der bisher als Verdächtiger galt. Nach den neuesten Erkenntnissen glauben die Ermittler allerdings, dass er nichts mit der Entführung zu tun hat und unschuldig ist. Dennoch sollte er sich melden. "Wir wollen wissen, wer dieser Mann ist", sagt Redwood. "Melden Sie sich, damit wir Unschuldige ausschließen können."

Eine Aufforderung, die während der Sendung in unterschiedlichen Formulierungen häufig wiederholt wird. Und: " Wir glauben fest, dass (die Freundin) nicht den Entführer gesehen hat." Als Kate McCann gegen 22 Uhr nach den Kindern sehen will, wird sie mit dem Unfassbaren konfrontiert: Die Tür zum Kinderzimmer war weit geöffnet, das Fenster war offen und der Rollladen nach oben geschoben. "In dem Moment wusste ich, jemand hat sie mitgenommen", sagt Kate McCann, sichtbar bewegt.

Hat Maddie einen Einbrecher gestört?

Nach der filmischen Rekonstruktion der Ereignissen und einigen Originalaufnahmen von der Suche am Tag nach der Entführung betont Chefermittler Andy Redwood, wie sicher sich sein Team ist, aufgrund der neuen Erkenntnisse jetzt endlich zu einem Durchbruch zu kommen. "Wir wissen nicht, weshalb sie entführt wurde. Hat sie einen Einbrecher gestört?", fragt er im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne. Gerade die überraschend vielen Reaktionen, die sie auf die Sendung im britischen Sender BBC am Montagabend bekommen haben, machen ihm und natürlich auch den Eltern neue Hoffnung.

Hoffnung, mit Hilfe der deutschen Zuschauer endlich die entscheidenden Hinweise zu bekommen. Denn in zwischen Ende April und Anfang Mai 2007 waren auch viele deutsche Touristen im Oceanclub im portugiesischen Praia da Luz, die in und um das Ferienressort herum verdächtige Personen beobachtet haben, die im Rückblick den entscheidenden Hinweis bringen könnten. Denn - so viel scheint sicher zu sein - zumindest zwei Verdächtige haben offenbar deutsch gesprochen, wurden innerhalb der Anlage gesehen und auch in einem nicht weit entfernten Internetcafé. Zwei waren blond und hatten nackte Oberkörper, einer hatte sehr kurze Haare und trug eine Sonnenbrille.

Hoffnung, dass Madeleine lebt

"In nur einer Minute hatte sich unser Leben, das so perfekt schien, verwandelt", sagen Madeleines Eltern und bitten die Zuschauer um Hilfe. Weil es keine Leiche des Mädchens gibt, besteht immer noch die Hoffnung, dass Madeleine noch lebt und sie irgendwo erkannt werden könnte. Doch ob sie in einem rekonstruierten Bild, das ihre Tochter zeigt, wie sie heute aussehen könnte, Ähnlichkeiten erkennen, das wollen beide nicht bestätigen.

Der emotionale Auftritt der Eltern und die professionelle Einordnung des Chefermittlers haben Scotland Yard insgesamt weit über 1000 Hinweise seit Montagabend eingebracht. Bereits vor der ZDF-Sendung meldeten sich 20 Anrufer. Als Belohnung wurden umgerechnet 24.000 Euro ausgesetzt.

Das ZDF hat auf seiner Internetseite zahlreiche Informationen zusammengestellt:

Phantombilder

Die Sendung zum Nachschauen

Hinweise: Scotland Yard / In Deutschland: BKA Wiesbaden, Telefon 0611/5513101

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