Neustadt bei Coburg
Ortsporträt Neustadt

Orte mit langer Geschichte

Neun Stadtteile von Neustadt bei Coburg feiern die 700-jährige Wiederkehr ihrer Ersterwähnung.
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Zahlreiche Bäume in Fürth am Berg wurden wegen der anstehenden 700-Jahrfeier mit bunten Schals geschmückt.  Fotos: Harald Koch
Zahlreiche Bäume in Fürth am Berg wurden wegen der anstehenden 700-Jahrfeier mit bunten Schals geschmückt. Fotos: Harald Koch
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Das Jahr 1317 bezeichnet nicht die Gründung - eine "Gründungsurkunde" für einen Ort ist ohnehin eine sehr seltene Angelegenheit -, sondern die erste Erwähnung der Ortschaften im Urbar der Henneberger. Durch Heirat und Kauf waren die Henneberger 1312 bis 1316 wieder in Besitz der Neuen Herrschaft gekommen, zu der das Coburger Gebiet (inklusive Sonneberg und Umgebung) gehörte. 1316 wurden die Städte an den neuen Landesherrn gewiesen. 1317 begann man damit, die Rechte und Besitzungen der Henneberger in einem "Urbar" (der Fachbegriff für dieses Verzeichnis) zu erfassen. Das Urbar war ein Buch aus Pergamentblättern. Die Einträge wurden in deutscher Sprache verfasst, was damals nicht selbstverständlich war. Am Anfang des Urbars steht die Datierung auf 1317; der erste Eintrag beschreibt die Rechte an der Stadt Neustadt, weshalb das Urbar unter dem Begriff "Neustadter Erbbuch" bekannt ist.
Das Urbar ist die erste umfassende Verzeichnung der Ortschaften in unserem Gebiet. Es stellt gleichzeitig eine Art Abschluss in der Besiedlungsgeschichte dar, denn danach wurden praktisch keine Dörfer mehr gegründet. Die Ortschaften, die darin fehlen, wurden im Allgemeinen schon früher erwähnt und gehören häufig vollständig einem der Klöster (Mönchröden, Sonnefeld) oder den Schaumbergern.
Je nach Besitzgeschichte können den Angaben zu den Dörfern für 1317 entnommen werden: Größe des Dorfes, Lehensherren, Pflicht zur Stellung von Schöffen; hin und wieder sogar Namen von einzelnen Bewohnern. Leider existiert diese aufschlussreiche Quelle nicht mehr im Original. Einige Fotos erlauben, sich einen Eindruck vom Urbar zu verschaffen. Ansonsten verwenden Historiker den Abdruck bei Schultes, Johann Adolph: Diplomatische Geschichte des gräflichen Hauses Henneberg, Bd. 1, 1788.


Fürth am Berg

Die erste Kunde von Fürth am Berg bringt uns das Neustadter Erbbuch von 1317, ein Verzeichnis über die Rechte und Besitzungen der Henneberger. Das Dorf lag an einer belebten Handelsstraße und trug seinen Namen nach der Furt, die dort durch die Steinach führte. Die Burg, die diese Furt sichern sollte, wurde erstmals 1348 genannt. In ihr residierten Angehörige berühmter Geschlechter (von Schaumberg, von Rosenau, von Würtzburg und andere), die als Amtleute vom Hochstift Bamberg eingesetzt wurden. Aus der Frage, wann bei Angelegenheiten des Dorfes das Fürstentum Sachsen-Coburg oder das Hochstift Bamberg zuständig war, entwickelten sich so manche Streitigkeiten.
Im Bauernkrieg wurde die Burg 1525 in Mitleidenschaft gezogen; wie sehr, ist nicht genau überliefert. Jedenfalls plünderten die Bauern den gut gefüllten Weinkeller. Archäologen fanden Brandspuren an der Ruine, von denen sie auf ein Feuer in dieser Zeit schließen. Die Bauern mussten 200 Gulden Schadenersatz leisten. Das Ende der Burg kam jedoch erst, als sie im 17. Jahrhundert als Wohnsitz aufgegeben und im Dorf ein Amtshaus errichtet wurde. Ihre Steine fanden beim Bau so manchen Fürther Hauses Verwendung.
Von alters her gehörte Fürth zur Kirchengemeinde Mupperg. Das zeigt sich auch daran, dass die Fürther bis heute ihre Kirchweih schon an Pfingsten, am Termin der Weihe der Mupperger Kirche, feiern. Erst durch die Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg kam Fürth zur Kirchengemeinde Fechheim. Als Ersatz für die verlorene Verbindung nach Mupperg erhielt Fürth 1968 ein Gemeindehaus.
Auf eine lange Vergangenheit kann das Wirtshaus an der Straßenkreuzung zurückblicken. Schon 1595 steht sein Wirt Otto Herthan im Mitwitzer Lehenbuch. Das Haus beherbergte im Schutze der Burg die Kaufleute, die aus Regensburg und Kulmbach über Plesten oder aus Nürnberg über Lichtenfels und Weidhausen kamen und nach Norddeutschland weiterzogen. 1623, als der Coburger Herzog im Dreißigjährigen Krieg noch nicht Partei ergriffen hatte, erstellte man einen Neubau, der jedoch schon elf Jahre später von den Kronachern niedergebrannt wurde. Bald nach Kriegsende wurde es wieder aufgebaut, denn 1663 erkaufte Johann Bauersachs die Wirtsgerechtigkeit von der Gemeinde.
1781 lässt sich in Fürth erstmals ein Präzeptor (von der Gemeinde besoldeter Lehrer) nachweisen. Bis 1826 besuchten auch die Kinder aus Liebau die Fürther Schule, ab 1840 zusätzlich die aus Plesten. Schule und Armenhaus befanden sich unter einem Dach. 1860 wurde die Schule von der Präzeptur- zur wirklichen Schule erhoben und die Besoldung des Lehrers erhöht. Ein neues Schulhaus wurde 1878 fertiggestellt. Mit der Auflösung des Schulverbandes Fürth-Fechheim-Wellmersdorf mussten schließlich 1971 alle Kinder in Neustadt den Unterricht besuchen.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 21. Februar 1945, griffen amerikanische Jagdbomber den Bahnhof an und beschädigten fünf Tankwagen und das Bahnhofsgebäude. Ein weiterer Angriff auf dasselbe Ziel erfolgte am 8. April 1945.
Die Nähe der innerdeutschen Grenze führte zu tragischen Zwischenfällen. Am 23. August 1948 wurde ein Mann aus Erlangen, der sich im Grenzgasthof eingemietet hatte, durch einen Bauchschuss der thüringischen Grenzpolizisten so schwer verletzt, dass er daran starb. Am 30. Mai 1970 wollte der Fürther Hubert Engel sein Wiesengrundstück von dem Unrat befreien, den das letzte Steinach-Hochwasser dort abgelagert hatte. Dabei berührte er mit dem Rechen eine aus der DDR angeschwemmte Plastikmine. Die Explosion verletzte ihn schwer.
Pfingsten 1963 wurde der Brunnen in Betrieb genommen, den Fürth 1960 als zweiten Preis im Wettbewerb "Das schönere Dorf" gewonnen hatte. Er wurde von Karl Braun entworfen und stellt das Motto "Wir sitzen alle in einem Boot" figürlich dar. Damit sollte einerseits auf den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft hingewiesen, andererseits auch die Teilung Deutschlands angesprochen werden.
1971 entstand die Gemeinde Wasung aus den Dörfern Aicha, Fechheim, Fürth am Berg mit Horb, Mittelwasungen, Plesten und Unterwasungen. Zum 1. Januar 1976 ließ sich Wasung nach Neustadt eingemeinden.


Meilschnitz

Meilschnitz verdankt seine erste Nennung mit den Namensformen "Milznych", "Milsnitz" und "Mylsniz" dem Neustadter Erbbuch von 1317. Damals bestand das Dorf aus neun Gütern, von denen zwei dem Plestener und sieben dem Iring von Kemmaten gehörten, und einer "Mühlstatt" (Platz, an dem einst eine Mühle stand).
Der Name des Baches "Alte Meilschnitz" hat sich auf das Dorf übertragen. Andere Deutungen wollen den Namen von slawischen Wörtern ableiten: Milošici = Leute des Miloš.
Rätsel gibt der Flurname "alte Meilschnitz" auf Effelder Gebiet auf, durch den schon Sagen inspiriert wurden. Emil Herold zitiert Gewährsleute aus Meilschnitz, die erzählten, dass dort ein aus drei oder vier Gehöften bestehendes Dorf gestanden habe. Wurde Alt-Meilschnitz nach "Neu-Meilschnitz" verlegt? Wahrscheinlich nicht, denn Meilschnitz bestand schon sehr früh aus neun Gütern, die in der Alten Meilschnitz keinen Platz gehabt hätten. Höchstwahrscheinlich zogen aber die Familien Sieber und Hofmann von der Alten Meilschnitz nach Meilschnitz um. Die Alte Meilschnitz als Banzer Lehen der Schaumberger dürfte älter sein als die hennebergischen Lehen der Kemmater und Plestener in Meilschnitz, denn die Mönche von Banz besaßen das Land, bevor sich die Andechs-Meranier und in ihrer Nachfolge die Henneberger in diesem Gebiet breit machten. Der Bach gab beiden Meilschnitz den Namen, zur Unterscheidung diente der Zusatz "Alt".
Zum ersten Mal werden alle Meilschnitzer Haushalte aufgezählt, als 1501 die "Türkensteuer" erhoben wurde. Vermutlich gab es damals, wie auch 1317 und 1516, neun Güter, von denen zwei geteilt waren.
Vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es in Meilschnitz zehn wehrfähige Männer, das entspricht etwa einer Einwohnerzahl von 50 Personen. Einquartiertes Trossgesinde schleppte 1625 die Pest ein, an der 20 Menschen starben. 1638 existierten nach einem Brand nur noch vier Häuser.
Im Zweiten Weltkrieg wurden neben anderen Kulturschätzen auch Bücher verlagert, um sie aus den großen Zentren, die häufig stark angegriffen wurden, in Sicherheit zu bringen. So wurden auch zwei Depots der Frankfurter wissenschaftlichen Stadtbibliothek in Meilschnitz angelegt, in die unter anderem äthiopische Handschriften gebracht wurden: Gasthof Gunsenheimer und Gasthof Schaller. Drei der damals hier versteckten äthiopischen Handschriften gingen bei einem Transport verlustig und sind bis heute verschollen.
Ein Großbrand erschütterte Meilschnitz am ersten Tag des Jahres 1977. Das Feuer brach im Anwesen Bätz aus und erfasste in Windeseile die Gehöfte der Landwirte Leonhard Bernhardt, Arno Langbein und Kurt Fleischmann. Die Feuerwehren von Meilschnitz, Wildenheid, Thann, Neustadt, Werksfeuerwehr Siemens, Rödental, Coburg, Ebersdorf und Haarbrücken konnten zwar die Wohnhäuser retten, doch Stallungen und Scheunen, mit ihnen Heu und Erntevorräte, gingen in Flammen auf. Ursache war vermutlich ein Feuerwerkskörper. Meilschnitz wollte seine politische Selbstsändigkeit nur unter gesetzlichem Zwang aufgeben und willigte am 27. Dezember 1975 ein, sich zum 1. Mai 1978 an Neustadt anzuschließen.


Thann

Thann gehört zu den Stadtteilen, die ihre erste Nennung dem Neustadter Erbbuch von 1317 verdanken. Seinen Namen erhielt das Dorf als Ansiedlung bei einer einzelnen Tanne ("zu der tannyn"). Im 14. Jahrhundert bekam Thann Zuwachs. Das Kloster ließ den See bei Mönchröden vergrößern, und in diesem See ging das Dorf Culm unter. Nach einem Verzeichnis des Klosters Mönchröden bekamen die Thanner Äcker und Wiesen, die vorher Culmer Bauern gehört hatten, und mussten dafür nun zinsen und fronen. Es ist daher anzunehmen, dass die Einwohner von Culm nach Thann umgesiedelt wurden. Der See musste schließlich dem Bau der Eisenbahn weichen.
Unter dem Dreißigjährigen Krieg litt Thann sehr. Einquartierungen, räuberische Übergriffe der durchziehenden Truppen und Jahre, in denen es den Bewohnern aus Angst vor der Soldateska nicht möglich war, die Felder zu bestellen, führten zu Hunger und Not. 1638 waren vier der elf Häuser abgebrannt, der Bestand an Rindvieh von 40 Stück vor dem Krieg bis auf ein einziges vernichtet worden.
Als die Gebietsreform den Gemeinden keine andere Wahl mehr ließ, schloss sich auch Thann zum 1. Mai 1978 an Neustadt an.


Birkig

Birkig gehört zu den Ortsteilen, die ihre erste Nennung dem Neustadter Erbbuch von 1317 verdanken. Seinen Namen erhielt das Dorf als Ansiedlung an einem Birkengehölz.
An das Mittelalter erinnern noch die Reste einer Turmhügelanlage in der Birkiger Flur, die sogenannte "Schnackenburg". Dort gefundene Keramikscherben verweisen ins 15. Jahrhundert. Eine Urkunde von 1493 erwähnt die "Snackenburg". Um 1500 bestand das Dorf aus zwei Höfen und vier Sölden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Birkig schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1618 standen noch sechs wehrfähige Männer im Mannschaftsregister (entsprechend den sechs Haushalten wie schon um 1500), 1650 fand sich keiner mehr. Erst für 1783 gibt es wieder Zahlen, damals lebten 69 Einwohner in elf Häusern.
In Birkig war die gleichnamige Adelsfamilie ansässig. In Neustadt hatte sie ein Burggut, denn sie musste auf der Burg Dienst tun. Anfang des 18. Jahrhunderts verkaufte die verschuldete Familie ihr Rittergut in Birkig, 1758 erlosch schließlich mit dem Tode der Katharina von Birkig auch der Name des Geschlechts.
Das verwilderte Grundstück mit einem baufälligen Haus darauf hatte Georg Paul von Hendrich zu Ahorn aufgekauft, ein neues Gebäude (das heute noch existiert und unter Denkmalschutz steht) errichten lassen und das ganze 1745 weiterverkauft an Wilhelm Ernst von Speßhardt zu Mupperg. Im Besitz dieser Familie blieb das Gut bis zu seiner Zerschlagung 1881 - dem Ende der Birkiger Schlossherrschaft. In die Speßhardt'sche Zeit fällt auch die Einrichtung eines Brauhauses und eines Wirtshauses (Konzession zur Brauerei und Branntweinbrennerei sowie Schankgerechtigkeit). 1856 wurde eine Ziegel- und Backsteinbrennerei errichtet.
Im Wettbewerb "Das schönere Dorf" errang Birkig 1964 den ersten Preis. Dafür erhielt die Gemeinde den "Froschbrunnen", den Sebastian Holzer aus München gestaltete. Er wurde 1966 auf dem Kinderspielplatz aufgestellt.
Als einer der ersten Stadtteile schloss sich Birkig an Neustadt an. Die Eingemeindung erfolgte am 1. Juli 1972, dem Tag, an dem Neustadt seine Kreisfreiheit verlor und als Große Kreisstadt in den Landkreis Coburg eingegliedert wurde.


Wildenheid

Auch Wildenheid gehört in den Reigen der Orte, die ihre Erstnennung dem Henneberger Urbar von 1317 verdanken. Am Beispiel von Wildenheid lässt sich erkennen, dass die Henneberger das Ziel, das gesamte Gebiet unter ihre Herrschaft zu bekommen, noch nicht erreicht hatten. Grund sind hier die älteren Rechte der Schaumberger.
Im 11. Jahrhundert gehörte ein großer Teil des hiesigen Gebietes dem Kloster Banz, doch versuchten auch weltliche Machthaber, ihren Einflussbereich darüber auszudehnen. Infolgedessen musste im Jahre 1162 der Bischof von Bamberg über die Zugehörigkeit der Wälder "Haide" und "Gefell" zwischen den Mönchen von Banz und Hermann von Wolveswac, einem Ministerialen der Andechs-Meranier, entscheiden - und das Urteil fiel zugunsten des Klosters.
An der Urkunde von 1248, in der Neustadt erstmals genannt wurde, sieht man, was aus dem Schiedsspruch wurde: Wolweswac hatte sein Gebiet mit der Burg in Neustadt oberhalb der Rödenfurt und vermutlich einem weiteren Adelssitz in Wildenheid, ebenfalls an einer Furt, befestigt. Dieser Hermann von Wolveswac nannte sich auch "von Schaumberg", denn die Burgen Lauterburg und Schaumburg waren seine Sitze.
Als erster Adliger in Wildenheid ist Lutz Schott 1401 nachweisbar. 1407 wurde Heinz von Kemmaten mit Wildenheid belehnt. Einige Generationen später gehörte das Rittergut Hans und Jakob von Kemmaten. Nach etlichen Besitzwechseln kam es 1852 an die Herzogliche Domäne, die es wenig später zerschlagen ließ und der Gemeinde das Gebäude zu einem günstigen Preis als Schulhaus verkaufte.
Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Wilhelm Schott das obere Schloss, in dem die Schotten dann wohnten. Auch hier wechselten die Besitzer, die dann auch nicht mehr dem Adel angehörten, bis es 1893 ausbrannte und vollständig eingelegt wurde. Eng mit der Geschichte des Adels ist die des Waldfriedensees verbunden, denn 1461 ließ Heinz von Kemmaten einen großen Teich bauen, der zur Fischzucht und zur Reinigung der Schafe diente.
Durch die Lage abseits der Straßen hatten die Wildenheider im Dreißigjährigen Krieg weniger unter Einquartierung und Durchzügen zu leiden als andere Dörfer im Neustadter Bereich. Aber auch hier lagen 1631/32 Schweden, und das Jahr 1635 ging als Schreckensjahr in die Wildenheider Geschichte ein. In einem kurzen Abschnitt des Jahres 1635 wurden in Wildenheid mehr Leute begraben, als sonst in drei oder vier Jahren. Und alle diese Todesfälle sind, wenn sie sich auch über zwei Monate verteilen, in ihren Ursachen doch nur auf einen Tag zurückzuführen, in der die Kriegsfurie in Gestalt der Armee des Marches die Grana über das Dorf hinweggebraust ist. Das war in den ersten Julitagen des Jahres 1635. Mindestens 15 Personen büßten damals ihr Leben ein. Das war wohl gut ein Viertel der Leute, die damals noch in Wildenheid wohnten.
Wildenheids Bevölkerung wuchs Ende des 19. Jahrhunderts kräftig. Von 1885 (408) bis 1895 (507) kamen hundert Einwohner dazu, ebenso viele bis 1900 (593) und bis 1905 (702). Der rasche Anstieg nach 1885 lässt sich mit dem wachsenden Wohlstand nach dem Verkauf des Domänengutes, durch den die Bauern endlich genügend Grund und Boden hatten, und den industriellen Arbeiten, die in fast jedem Haus ausgeführt wurden, erklären.
Ehe noch in Neustadt eine industrielle Tätigkeit zu beobachten war, hatte Wildenheid seine Drechsler, die sich wahrscheinlich durch Anfertigung der sogenannten "Kronendocken" (aus einem Stück Holz gedrechselte Puppen, die eine vergoldete Krone trugen) ihren Unterhalt verdient haben. Diese Tätigkeit war eine Teilarbeit, denn wegen der Zunftverfassung der Spielwarenindustrie war die Bemalung solcher Holzpuppen Privileg der Maler- und Bossiererinnung.
Die Lage an der DDR-Grenze prägte die Wildenheider Geschichte nach 1945. So fand am 1. September 1949 ein Grenzdurchbruch zwischen Hönbach und Wildenheid statt, den eine Grenzkundgebung auf einer Wiese der Wildenheider Flur abschloss. 1952 waren die Wildenheider unter den ersten Zeugen der Massenflucht als Reaktion auf die Zwangsumsiedlung aller "politisch unzuverlässigen Personen" im grenznahen Bereich der DDR. Und 1963 fanden Dorfbewohner einen zweieinhalbjährigen Jungen, der unverletzt durch Stacheldraht und Minen von Hönbach aus ins Schottenholz gekommen war. Er musste den langen Weg über Ludwigstadt - Probstzella für die Heimreise nehmen.
Als Wildenheid nichts anderes mehr übrig blieb, als sich den Plänen zur Eingemeindung zu beugen, schloss es sich zum 1. Mai 1978 an Neustadt an.


Horb

Der Name Horb, damals noch "Horwe" geschrieben, findet sich zum ersten Mal im Neustadter Erbbuch von 1317. Das Wort leitet sich von "horo" ab, was soviel wie "Sumpf" bedeutet und von der Lage an der Steinachniederung herrührt.
Die Skelette mit Grabbeigaben, die beim Pflügen am Horber Sattelpass in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts und kurz nach dem Ersten Weltkrieg gefunden wurden, könnten, da über den Pass eine alte Straße führte, auch Zufallsgräber sein. Wahrscheinlicher sind sie dem nahe liegenden Fechheim zuzuordnen, einem der ältesten Dörfer in unserem Gebiet, das im hohen Mittelalter große kirchliche und weltliche Bedeutung besaß. Nach dem Urbar von 1514 gehörten die zehn Güter des Dorfes der Äbtissin von Sonnefeld. Im Erbbuch von 1516 ist ausdrücklich vermerkt, dass außer der Äbtissin niemand mehr Besitz in Horb hatte.
Als 1547, nach der Kapitulation des Kurfürsten Johann Friedrich im Schmalkaldischen Krieg, Kaiser Karl V. mit seinem Heer über den Thüringer Wald zog, bewegte sich ein Teil der Spanier über Seitenwege von Judenbach über Mupperg und Horb Richtung Sonnefeld. Wie aus einer Sonnefelder Klosterrechnung hervorgeht, erlitt hierbei die Witwe Margarethe Wittmann in "Horb unterm Fürttenberg" schweren Schaden.
Im Jahre 1611 starben viele Einwohner des kleinen Ortes an einer Seuche, möglicherweise der Pest. Wenig später forderte der Dreißigjährige Krieg seinen Tribut. Von den zehn Gütern konnten nach dem Krieg nur noch vier einen Mann zur Landesverteidigung stellen. Aus einem Bericht vom Jahre 1636 geht hervor, dass von 120 Tagwerk Feld nur zwei Tagwerk mit Winterbau bestellt waren. Von den zwei Pferden oder einem Paar Ochsen und zwei Kühen vor dem Krieg war nichts übriggeblieben.
Ein interessantes Kapitel in der Horber Geschichte sind seine Mühlen: zunächst die "Arlesrinn-Mühle", die von 1600 bis etwa 1645 weit oberhalb des Ortes stand, und von 1659 bis 1695 die Eichhorns-Mühle am oberen Teichlein. Diese wurde von Georg Walter durch einen Neubau ersetzt, den er 1698 nach Heubisch "transferierte". Von etwa 1700 bis ungefähr 1850 stand schließlich am oberen Dorfende die Mühle der Familie Bischoff.
Zum 1. Juli 1967 ließ sich Horb nach Fürth am Berg eingliedern. Am 1. Januar 1971 entstand die Gemeinde Wasung aus den Dörfern Aicha, Fechheim, Fürth am Berg (mit Horb), Mittelwasungen, Plesten und Unterwasungen. 1976 wurde Wasung nach Neustadt eingemeindet.


Ebersdorf

Dem Ortsnamen liegt der Personenname "Ebur", eine Kurzform von Eburhart, zugrunde. Erstmalig erwähnt wurde Ebersdorf im Neustadter Erbuch von 1317. Darin heißt es: "Auch hat Lupolds Sohn von Sonnenberg die Wustung zu dem Eybersdorf hinter dem Muppberg von der Herrschaft."
1516 bestand Ebersdorf aus drei Gütern und vier Sölden (kleinere Anwesen). Im Dreißigjährigen Krieg zog es wohl zunächst einen Vorteil aus seiner abgeschiedenen Lage, doch am 17. Sonntag nach Trinitatis 1634 brannten die Kronacher das Dorf ab, wurden dann aber von in Neustadt liegenden Dragonern vertrieben. Doch kann die Zerstörung nicht so vollständig gewesen sein, denn 1636 hatten die Ebersdorfer schon wieder Einquartierung von Piccolominischen Truppen.
Das kleine Ebersdorf war immer wieder Schauplatz von (vor-) industriellen Unternehmungen. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ Johann Müller aus Neustadt ein Hammerwerk zur Verwertung von Eisenstein aus dem Bergwerk bei Fechheim erbauen. Doch war es mit "zu großen Hoffnungen und zu wenig Geld" begonnen worden, denn 1730 stand es mit 333 Gulden bei der Regierung in der Schuld. Nach einem Verkauf wurde der Betrieb 1754 eingestellt.
1857 ließ der Müller Eberhard von Berg neben seiner Mahlmühle, die auch eine Genehmigung als Schneidmühle hatte, eine Massemühle neu errichten. Wenig später wurde die alte, baufällige Mühle abgerissen. Aus der neuen Mühle entstand der Betrieb, der allen Neustadtern noch als "Massemühle Eugen Wagner" ein Begriff ist. In vielen Häusern finden sich noch Geschirr oder Wandteller aus ihrer Produktion. Nach einer Übernahme durch die Firma Hutschenreuther arbeitet heute hier Imerys Tableware.
Die Bergmühle wäre eine von vielen Mühlen geblieben, die langsam aber sicher nicht mehr genutzt und damit häufig dem Verfall preisgegeben waren. Doch es kam anders. Schon seit der Grenzziehung im 18. Jahrhundert verlief die Grenze hier mitten durchs Haus. Schmuggler nutzten diese Lage aus. Doch ab 1945 handelte es sich nicht mehr um irgendeine Grenze, sondern die zwischen den Zonen, zwischen der Bundesrepublik und der DDR, zwischen den großen Machtblöcken der Welt. Und so musste das Mühlengebäude weichen, um Platz zu machen für die "gesicherte" Grenze. Übrig blieb ein Nebengebäude, in dem eine Gastwirtschaft bestand, von deren Terrasse aus man einen Blick "aus der ersten Reihe" auf die Grenze hatte.
Unter 51 beteiligten Gemeinden des Landkreises Coburg konnte Ebersdorf 1963 den ersten Preis im Wettbewerb "Das schönere Dorf" erringen. Dies brachte der Gemeinde einen Brunnen ein, der die Geschichte der Gemeinde erzählt. 1965 konnte er geweiht werden.
Wegen der Eingemeindung hatte Neustadt schon 1958 verhandelt. Damals lehnte der Gemeinderat den Anschluss ab. Als dann 1975 die Regierung von Oberfranken die Gemeinden aufforderte, Beschlüsse entsprechend ihrer Neugliederungsvorschläge zu fassen, wofür sie zusätzliche Mittelzuweisungen versprach, unterzeichnete auch Ebersdorf den Eingliederungsvertrag. Zum 1. Mai 1978 trat er in Kraft.


Ketschenbach

Ketschenbach gehört ebenfalls zu den Stadtteilen, die ihre erste Nennung dem Neustadter Erbbuch von 1317 verdanken. Damals bestand das Dorf aus dreizehn Gütern und einer Mühle - eine mittlere Größe für jene Zeit.
1497 wird zum ersten Mal ein Adelsgeschlecht erwähnt, das in Ketschenbach selbst saß, nämlich die Burgharten von Staffelstein. 1551 verkauften sie Schloss und Rittergut an die Herren von Rosenau. 1713 wurden beide von Volrath Timon von Rauchhaupt erworben, der eine Rosenautochter geheiratet hatte. Die Ketschenbacher Schlossherrin Charlotte Amalie von Rauchhaupt war eine geborene von Lengefeld, verwandt mit Friedrich Schillers späterer Frau Charlotte von Lengefeld, die sogar 1781 bei einer Ketschenbacherin Pate stand. Als die Familie von Rauchhaupt im 19. Jahrhundert immer mehr verarmte, wurde auch das Schloss veräußert. 1886 wurde es Opfer einer Brandstiftung.
Aus der Zeit vom Ende des Dreißigjährigen Krieges ist eine Auflistung Ernst Albrechts von Rosenau erhalten, in der er den Zustand der 13 Güter beschreibt. Von den neun Bauerngütern lagen vier wüst, die anderen konnten nur wenig anbauen und entsprechend weniger Abgaben leisten. Die vier Söldengüter lagen alle wüst, die Besitzer waren verstorben oder weggezogen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Tennersche Spielwarenfabrik von der Firma Knödler aus Fürth in Bayern übernommen und auf die Fertigung von Kriegsgütern umgestellt. Ab 1944 entstanden dort Flugzeugteile, vor allem Propeller. Außerdem wurden Zündungen für lenkbare Geschosse und Präzisionsteile für die sogenannten "V-Waffen" gefertigt.
Ketschenbach schloss sich als erste Gemeinde an Neustadt an. Schon 1966 wurde das Thema im Gemeinderat vorgebracht. Nachdem 1969 Oberbürgermeister Ernst Bergmann den Ketschenbacher Einwohnern die Vorteile einer Eingemeindung erläutert hatte, konterte der Landkreis, der die Gemeinde nicht verlieren wollte, ein Jahr später mit einer Bürgerversammlung, in der er einen Zusammenschluss von Haarbrücken, Ketschenbach und Thann anregte. In einer Bürgerbefragung entschieden sich 284 Ketschenbacher für Neustadt, 67 für die Beibehaltung der Selbständigkeit und 15 für ein Zusammengehen mit Haarbrücken und Thann. Nachdem es auch im Gemeinderat eine Mehrheit für Neustadt gegeben hatte, wurde Ketschenbach zum 1. Januar 1972 nach Neustadt eingemeindet.


Aicha

Aicha kann 2017 zwei Ersterwähnungen feiern: 1317 erscheint es in einer Urkunde, mit der das Dorf im Auftrag des Berthold Puz aus Coburg dem Kloster Sonnefeld übereignet wurde. Die Nennung im Henneberger Urbar, in dem die Besitzverhältnisse beim Erwerb der "Neuen Herrschaft" durch den Grafen Berthold von Henneberg niedergeschrieben sind, dürfte danach liegen, denn das Urbar wurde zwar 1317 begonnen, aber erst später abgeschlossen. Das Dorf heißt darin "Eych" (von Eiche oder Eichenwald). Im Erbbuch von 1492 werden als Gutsbesitzer Hans Birnstiel, Erhard Leupold, Hans Bauer, Hans Ebert und die "Großmanna" genannt. Letztere sind noch heute in Aicha ansässig. Kloster Sonnefeld hatte die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die niedere Gerichtsbarkeit inne. Das Urbar von 1514 verzeichnet acht ganze und zwei halbe Güter. 1547 hatte nicht nur Neustadt unter dem Durchzug der spanischen Söldner zu leiden; einzelne Abteilungen zogen über den Steinachgrund nach Sonnefeld. Die Plünderungen und Ausschreitungen führten soweit, dass der Hof des Jacob Eisentraut niedergebrannt wurde. Auch der Dreißigjährige Krieg ging an Aicha nicht spurlos vorüber. Von acht Frongütern (1618) lagen 1650 fünf wüst; von acht wehrfähigen Männern war einer übrig geblieben.
1971 entstand die Gemeinde Wasung aus den Dörfern Aicha, Fechheim, Fürth am Berg mit Horb, Mittelwasungen, Plesten und Unterwasungen. Zum 1. Januar 1976 ließ sich Wasung nach Neustadt eingemeinden.
Isolde Kalter


Feierlichkeiten

Fürth am Berg
2. bis 5. Juni in der Maschinenhalle Gerlicher
2. Juni, 19 Uhr: Festabend
3. Juni: 14 Uhr Fußballspiel; 21 Uhr "Dorfrocker"
4. Juni: 11 Uhr Familientag
5. Juni: 10 Uhr Gottesdienst
Ketschenbach
8. Juli: Hausparty im Lindenhof mit Live Bands
9. Juli: Klößfestival im Lindenhof mit Mario Bamberge
diverse Termine im Laufe des Jahres
Meilschnitz
27. Mai: Festzelt am Feuerwehrgerätehaus
Thann
2. September: Bolzplatz
Wildenheid
29. April bis 1. Mai
30. April: Die Band "Tollhaus" spielt in der Frankenhalle.
Ebersdorf
28. Mai: Vortrag
Birkig
16. September: Geschichtsabend
Horb
nichts bekannt
Aicha
nichts bekannt
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