Himmelkron
Jubiläum

25 Jahre Hobbybrauer Himmelkron

Brauen, Bauen, Backen, Brauchtum und Liedgut bewahren - die Himmelkroner Hobbybrauer feiern am 26. und 27. Mai 2017 ihr Jubiläum.
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Der Vorsitzende der Himmelkroner Hobbybrauer, Peter Schoberth, am Sudkessel.
Der Vorsitzende der Himmelkroner Hobbybrauer, Peter Schoberth, am Sudkessel.
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Elf Mann stark sind Himmelkroner Hobbybrauer und feiern am 26. und 27. Mai ihr 25-jähriges Bestehen zusammen mit der bekannten Gruppe "Die Zillertaler" und der achtköpfigen Irish-Folk-Band "Lads go Buskin". Dazu wird der Grampphof im Ortszentrum unterhalb der Evang. Stiftskirche in ein großes Festzelt umgewandelt. Eigens zum Jubiläum brauen die Hobbybrauer schon seit Februar verschiedene Biere ein.
Neben dem Kirchweih-bekannten Gramppus Kellerbier wurden zu diesem Anlass ein bernsteinfarbenes Hefeweißbier und ein schottisches Stout eingebraut, die an beiden Abenden zum Ausschank kommen. Als Überraschung haben die Himmelkroner einen Gramppus Doppelbock gebraut, vergoren und zu einem sanften Kliesterer Bierbrand nach dem Vorbild eines feinen, schottischen Malt Whiskys destilliert.
Daneben gibt es an beiden Tagen Barbetrieb mit der Möglichkeit, mehrere erlesene und bis zu 21 Jahre alte schottische Malt Whiskys zu probieren. Für das leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt.


In der Volkshochschule fing alles an

Nach mehrfachen Braukursen an der Volkshochschule Himmelkron fanden sich 1992 einige ehemalige Braukursteilnehmer zusammen, um das Bierbrauen in Himmelkron wieder zu beleben. Daraus entstanden die Himmelkroner Hobbybrauer, und die gründeten am 16. März 2001 einen eingetragenen Verein.
Angefangen hat alles mit dem ersten Braukurs, den Walter Simon (gebürtiger Untersteinacher) am 21. März 1992 an der hiesigen Volkshochschule abgehalten hat. Die Volkshochschule hat ihr Domizil im kirchlichen Gemeindehaus Grampp (Grampphaus), und so gibt es auch einen Sondervertrag über die Nutzung des alten Pferdestalls, der als Waschküche und Heizungsraum ausgedient hatte und von den Hobbybrauern zu einem kleinen Sudhaus umfunktioniert wurde.
So mancher Sud wurde in alten holzbefeuerten Waschkesseln angesetzt, bis auf der Klausurtagung 1999 eine "Modernisierung" und Erweiterung der Brauanlage beschlossen wurde.
Das Jahr 1999 geht als das arbeitsreichste in die Annalen der Hobbybrauer ein. Während die Kirchengemeinde zum Endspurt in der Umgestaltung des Grampphauses zum Gemeindehaus ansetzte und auch die alte Scheune im Grampphof abriss, griffen die Brauer ihr Sudhausprojekt an und bauten die Garagen zu einer funktionstüchtigen Ausschankanlage um. Im Herbst 1999 war äußerlich alles fertig.
Das Jahr 2000 wurde sodann vom Innenausbau und der Errichtung der neuen Brauanlage bestimmt. Ein Sudkessel mit Rührwerk wurde angeschafft, und mehrere landwirtschaftliche Gefäße, die vorher zur Milchaufbewahrung dienten, wurden in Läuter- und Gärbottiche umfunktioniert. Zwei Pumpen entlasten nun von den schweißtreibenden Arbeiten. So war die Vereinsgründung eine Notwendigkeit, das Geschaffene abzusichern und zu erhalten.
Im Jahr 2006 wurde das Projekt Backhaus in Angriff genommen. Leider gab die hiesige Bäckerei aus Altersgründen den Backbetrieb im Laufe des Jahres auf, so dass die dörfliche Brotbacktradition durch das Backhaus der Himmelkroner Hobbybrauer aufrechterhalten werden konnte. Schon im Mittelalter gehörten Brotbacken und Bierbrauen zusammen. Dies möchten die Hobbybrauer weiterleben lassen.
Seit 2009 steht auch eine überdachte Bühne für Kulturveranstaltungen im Grampphof zur Verfügung. Neben dem traditionellen, jährlichen Pfingstmontagausschank zur Kirchweih (Straßenfest) werden abwechselnd von der Kirchengemeinde und den Hobbybrauern Konzerte, Musicals und Feste (Backofenfest, Irish-Folk) veranstaltet. Dazu kann der gesamte Hof mit zirka 300 Sitzplätzen durch eine Planenkonstruktion überdacht werden.
Im Jahr 2016 wurde schließlich die darbende Fastnachttradition in Himmelkron wieder aufgenommen. Am 11.11.2016 pünktlich um 20.11 Uhr startet das närrische Treiben mit einer fränkisch-schottischen "Elfer-Rat-Sitzung" unter dem Motto "Die Schotten dicht".
Die Bierbrautätigkeiten konzentrierten sich bisher hauptsächlich auf den "Gramppus", ein typisches, fränkisches Kellerbier, untergärig, malzbetont, von bernsteindunkler Farbe und nur mit Aromadoldenhopfen eingebraut. Dieses kommt alljährlich zu Kirchweih und Festen zum Ausschank. Eingebraut wird es in der kalten Jahreszeit (Februar - März). Nach offener Vergärung findet eine natürlich Nachgärung im Fass statt, und der Gramppus reift dann bis Pfingsten.
Daneben hat sich inzwischen auch ein vollmundiges Hefeweißbier etabliert, das nach dem leider schon verstorbenen, guten Geist des Hauses, der "Gramppen Anna", benannt ist.
Eine Studienreise nach Schottland 2012 blieb nicht ohne Folgen, so dass nach mehreren Anläufen 2014 erstmals ein schottisches Stout zu Ausschank kam. Dieses obergärige Bier ist schwarz wie die Nacht, stark gehopft und durch den hohen Anteil von Röst- und Caramelmalzen trotzdem malzbetont. 2017 wurde schließlich das Wissen um das Brauen in einem Kliesterer Bierbrand (Aqua Vitae Cervisiae Gramppianus Corona Coeli) verdichtet. Dieser kommt nach dem Vorbild eines feinen, sanften, schottischen Malt Whiskys mit einem Hauch von Hopfen und Rauch daher.


Kirche und Brauwesen - eine nicht ungewöhnliche Verbindung

Dass in manchen Klöstern seit Urzeiten Bier gebraut und ausgeschenkt wird, ist allgemein bekannt. Im Klosterdorf Himmelkron ist diese Tradition vor 25 Jahren durch die Hobbybrauer wiederbelebt worden. Erstmals 1607 wurde eine fürstliche Brauerei erwähnt und auch Hopfen angebaut. Das Grampphaus selbst ist früher eine Klosterwirtschaft gewesen, Bier wurde hier von Adam Grampp bis 1902 gebraut. Die letzte von ehemals bis zu sieben Himmelkroner Brauereien schloss 1953 den Betrieb.
Die evangelische Kirche hat das Anwesen im Jahr 1993 gekauft, was allgemein als ein Glücksfall betrachtet werden kann. Zusammen mit Kirche, Pfarrhaus und Rathaus ergibt sich nun ein abgerundetes Gelände, das sich in der Zwischenzeit zum kulturellen Zentrum Himmelkrons weiterentwickelt hat.
In der Satzung der Hobbybrauer hat diese besondere Konstellation ihren Niederschlag gefunden. Neben den das Brauwesen betreffenden Zielen und Aufgaben, findet sich auch die folgende Formulierung: "Der Verein macht es sich zur Aufgabe, bei der Gestaltung des Anwesens Grampp als Himmelkroner Kulturzentrum mitzuwirken und dabei mit der evangelischen Kirchengemeinde eng zusammenzuarbeiten".
Seit 1994 sind die Hobbybrauer Himmelkron bei Himmelkroner Straßenfest vertreten. Dabei wurde der Gramppus nicht verkauft. Die Besucher könnten "Bausteine" für den Erhalt des Anwesens erwerben und diese nach Wunsch in Bier umtauschen. Bisher wurden mehr als zehntausend Euro in dieses Projekt investiert und zirka 25 000 Arbeitsstunden abgeleistet.


Wo man trinkt, singt und lacht...

Himmelkroner Brauchtum und Liedgut zu bewahren und zu pflegen, ist ebenfalls eine Aufgabe des Vereins, der seit einigen Jahren sogar ein eigenes Liederbuch hat. Dass zehn gestandene Männer einen stimmgewaltigen Chor abgeben, konnte man im Jahr 1997 erfahren. Als Anna Grampp, die ehemalige Wirtin des Grampphauses, 85 Jahre alt wurde, haben die Hobbybrauer ein Geburtstagslied getextet und vorgetragen. Das Erfolgserlebnis spornte zu weiteren Liedtexten nach altbekannten Melodien an.
So wurde aus dem Kriminal-Tango der "Biersteuer-Gramppo". Auf dem Balkon steht jetzt der "kleine dunkle Gramppus" und der "picht, picht, picht". In Kluster steht an der Stelle des Hofbräuhauses das Gramppenhaus, wo neben "ans, zwa g'ärbert" auch "ans, zwa g'suff'n" wird. Die alten Rittersleut" wurden von den "Hobbybrauersleit" abgelöst, und die Sonne versinkt nicht wie bei den Caprifischern im Meer, sondern hinter der Scheune, die in der Zwischenzeit einem Festplatz und einer überdachten Bühne gewichen ist und daher wohl eher im Main versinkt.
Insgesamt 30 Lieder umfasst die Sammlung, Durchdrungen von kurzen Anstichliedern und "Bierrufen" wie z.B.: "Lässt du es mit Gramppus krachen, gibt's ein fröhliches Erwachen!" oder "Gramppus mit und ohne Schaum ist ein absoluter Traum!"


Jubiläumsprogramm

Freitag, 26. Mai: 20 Uhr "Die Zillertaler"

Samstag, 27. Mai: 20 Uhr "Lads Go Buskin". Einlass ist bei beiden Veranstaltungen ab 18 Uhr im überdachten Grampp-Hof, Markgrafenstraße 8.

Vorverkauf: Kulmbacher Bank in Himmelkron, Bücherei Grampp-Haus oder im Internet unter www.hobbybrauer-himmelkron.de. Rei.
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