Schlagfertigkeit: Wie funktioniert das?

Ihnen fällt immer erst im Nachhinein eine passende Antwort ein? Dann sollten Sie schlagfertiger werden. Übung macht auch hier den Meister.
 
Während der Kollege wieder souverän kontern konnte, standen Sie nur daneben und haben nach der passenden Formulierung gesucht? Das ist ärgerlich und deprimierend, vor allem, wenn man den Tag am Abend noch einmal Revue passieren lässt. Außerdem wirkt man bei gekonnter Anwendung selbstbewusst – und das ist gerade im Job von Vorteil. Sie und Ihre Meinung werden mehr geachtet und geschätzt. Außerdem zeigt es, dass mit Ihnen nicht einfach nach Belieben umgesprungen werden kann. Sie haben eine Meinung und können auch einmal Nein sagen – natürlich immer respektvoll und in angemessenem Tonfall.

Die richtige Taktik
Das A und O der Schlagfertigkeit ist die richtige Einsatztaktik. Wenn Ihr Chef Sie gerade wegen eines Fehlers anschreit, ist es wenig hilfreich, ihm ironische oder gar sarkastische Sätze entgegen zu schleudern. Denn damit heizen Sie die Wut Ihres Gegenübers nur noch an. Stattdessen lieber erst einmal nichts sagen. Eine Entschuldigung und eine sachliche, objektive Erklärung sind ebenfalls gut.
Die Schlagfertigkeit lebt sowohl von Schnelligkeit als auch vom Wortwitz. Deswegen sollten Sie der deutschen Sprache mächtig sein. Ein besonders großer Wortschatz kann dabei nicht schaden. Mit Ironie und Sarkasmus sollten Sie portioniert und überlegt vorgehen. Wer trainiert genug ist, der findet innerhalb von einer paar Sekunden auch die passenden Argumente. Üben, üben und nochmals üben heißt die Devise. Manch einer hat vielleicht schon ein angeborenes Talent für diese Art der Sprachbeherrschung. Dennoch ist es möglich, sich diese – zumindest einen grundsätzlichen Teil davon – anzutrainieren. Hier ein paar Methoden:

Verwirrende Sprichwörter
Wenn Sie kein Gespräch mit Ihrem Gegenüber wollen, dann holen Sie auf seine Aussage ein Sprichwort hervor, das so gar nicht in den Kontext der Anschuldigung passt. Dadurch verwirren Sie Ihren Gegner. Sollte er Sie fragen, was das bedeuten soll, können Sie immer noch antworten, dass er nach genauem Überlegen schon auf die Lösung kommen wird.

Angriffe bestätigen
Wenn Sie Ihre Schwächen kennen, dann ist es viel einfacher, dem Angreifer auch einmal recht zu geben, wenn dieser recht hat. Im besten Fall verschlägt es Ihrem Gegenüber erst einmal die Sprache. Zu beachten ist dabei auch die Wertigkeit des verbalen Angriffs, also wie hart die Anschuldigung Ihnen gegenüber ist. „Sie haben Ihre Ausbildung ja noch gar nicht abgeschlossen.“ – „Das ist durchaus korrekt. Daran werden Sie sich jedoch gewöhnen müssen.“

Schlechtes zum Guten wenden
Aussage: „Sie sind so übergenau.“
Antwort: „Wenn Sie damit meinen, dass ich alle Fakten lieber zweimal prüfe, um Fehler zu vermeiden, dann haben Sie recht.“
Mit der Antwort „Wenn Sie damit meinen, dass…“ wandeln Sie die negative Aussage Ihres Gegenübers in etwas Positives um und nehmen ihm damit den Wind aus den Segeln.

Einfach zurückfragen
Auf manche Angriffe lassen sich gute Rückantworten geben: „Ihre Planung war total schlecht!“ – „Wie sieht denn eine gute aus?“ Indem Sie dem Kollegen eine Frage stellen, haben Sie den Spieß umgedreht und er ist nun gezwungen, eine passende Antwort zu geben.
 
Zur Schlagfertigkeit gehören jedoch auch die richtige Gestik und Mimik. Wenden Sie den Blick nicht von Ihrem Gegenüber, sondern schauen Sie ihn direkt an. Machen Sie sich nicht klein, sondern stehen Sie gerade. Das signalisiert Selbstbewusstsein und macht deutlich, dass Sie Ihre Meinung voll und ganz vertreten.
Dennoch ist beim Einsatz der Schlagfertigkeit immer der äußere Rahmen zu beachten. Im Beruf sollten Sie niemals den hohlen Sprücheklopfer geben. Das ist auch privat nicht zu empfehlen. Außerdem ist ein respektvoller Umgang Pflicht – vor allem mit Vorgesetzten. Der humoristische Teil Ihrer gekonterten Aussage sollte sich ebenfalls an die Situation anpassen und stets klug gewählt sein. Gleiches mit Gleichem heimzuzahlen ist nicht die beste Lösung, im Job schon gar nicht. Beleidigungen sind tabu, genauso wie Diskriminierung oder gar Sexismus. Damit werden Sie Ihr Gegenüber zudem auch nicht überzeugen.
Nützlich ist das richtige Einschätzen der Gesamtsituation und Ihres Gegenübers. Wenn Sie die Person besser kennen, wissen Sie, was hinter dem Angriffsargument steckt und können dementsprechend reagieren. Bei Unbekannten ist es schon schwieriger. Ist man ein Meister der Körpersprache, hat man es hier natürlich leichter.
Von Vorteil ist es zudem, seine eigenen Stärken und Schwächen zu kennen. Greift Sie jemand mit seiner Aussage in einem schwachen Punkt an, können Sie souveräner damit umgehen, wenn Sie sich dieser Schwäche bereits bewusst sind.
Seien Sie sich von Vornherein im Klaren, dass Sie sich durch Schlagfertigkeit nicht nur Freunde machen und nicht jedermanns Liebling sein werden. Dennoch wird es Sie voranbringen und Sie zu einer geschätzten Persönlichkeit im Beruf werden lassen, sollten Ihre Argumente trotz Schnelligkeit und spitzer Bemerkung einen durchdachten Kern enthalten.
 
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