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"Wir rühren die Werbetrommel erfolgreich"

Interview: HWK-Präsident Thomas Zimmer zu Trends auf dem Ausbildungsmarkt in Oberfranken.
Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken.  Foto: PR
 
von PR-REDAKTION
Das Bundesinstitut für Berufsbildung schreibt, dass der Anteil von Frauen in typischen Männerberufen steigt. So könne zum Beispiel der Bäcker gar nicht mehr als Männerberuf bezeichnet werden. Ist dieser Trend auch in Oberfranken nachzuvollziehen?
Thomas Zimmer: Der Anteil der weiblichen Auszubildenden ist im oberfränkischen Handwerk insgesamt in den letzten zehn Jahren gleich geblieben und liegt bei durchschnittlich knapp 25 Prozent. Allerdings gibt es tatsächlich auch in Oberfranken jetzt mehr Frauen in bislang typischen Männerberufen. In den letzten zehn Jahren ist zum Beispiel der Prozentsatz der Bäckerinnen von 15 auf 30 gestiegen, hat sich also verdoppelt, bei den Kfz-Mechatronikerinnen hat sich der Prozentsatz im gleichen Zeitraum sogar fast vervierfacht, ist von 1 Prozent auf 3,7 Prozent angestiegen. Hier ist aber sicherlich noch Luft nach oben, ebenso würden wir uns in den Bereichen Metall und Elektronik noch deutlich mehr Frauen wünschen. Der Anteil hier liegt bei aktuell 3,3 Prozent.

Was kann man noch tun, damit mehr Frauen in von Männern dominierten Berufen Fuß fassen bzw. sich für die duale Berufsausbildung begeistern?
Thomas Zimmer: Wir informieren bereits alle Schülerinnen und Schüler in Oberfranken auf den Berufsmessen über die Ausbildungsvielfalt und Aufstiegschancen auch für Frauen im Handwerk, unsere Berufspaten/innen stellen vor Ort, in den Schulen, die Karrieremöglichkeiten im Handwerk vor. Wir rühren die Werbetrommel bereits kräftig - und wie man bei der ersten Antwort sieht - zum Teil auch äußerst erfolgreich.
Wir begrüßen es natürlich sehr, wenn Sie als Medienpartner das Thema aufgreifen und Ihrerseits das Interesse junger Frauen an einer Ausbildung im Handwerk wecken.

Wie verhält es sich mit den Studienberechtigten in Oberfranken? Ist es tatsächlich so, dass immer mehr den Weg in die duale Ausbildung antreten? Gibt es hier noch Steigerungspotenzial?
Thomas Zimmer: Auch hier können wir speziell in Oberfranken mit stolzen Zahlen aufwarten: Die Zahl der Abiturienten/innen, die den Weg ins Handwerk finden, ist in den letzten zehn Jahren von 2,8 auf 10 Prozent gestiegen. Die duale Ausbildung ist also bereits eine attraktive Alternative zum Studium. Wir beraten auch immer öfter Studienaussteiger erfolgreich zu den Karrieremöglichkeiten im Handwerk. Aber natürlich ist auch hier noch Steigerungspotenzial vorhanden.

Bundesweit wird ein Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge verzeichnet. Wie lassen sich Angebot und Nachfrage besser zusammenbringen?
Thomas Zimmer: Diesem Trend widersprechen unsere oberfränkischen Zahlen. Wir hatten 2016 mit 2643 Ausbildungsverhältnissen deutlich mehr als im Vorjahr, da waren es 2510. In Prozent ausgedrückt ist dies eine stattliche Steigerung von 5,3 Prozent. Darauf sind wir in Oberfranken natürlich stolz und es zeigt mir, dass neben unseren Maßnahmen in Oberfranken auch unsere Kampagnen greifen. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit der IHK und dem bayerischen Wirtschaftsministerium die Kampagne Elterstolz gestartet, der Name zeigt schon: Hier geht es um Eltern, die stolz auf ihre Kinder sind, weil sie eine duale Ausbildung erfolgreich durchlaufen haben. Dazu gibt es noch seit 2010 die bundesweite Imagekampagne des deutschen Handwerks. Die richtet sich in diesem Jahr speziell an Jugendliche. Unter dem Hashtag #einfachmachen soll Jugendlichen der große Druck bei beruflichen Entscheidungen genommen werden. Wir raten den jungen Menschen: Macht Erfahrungen, probiert Euch aus, lernt Eure Talente und Fähigkeiten kennen. Denn: Jede Erfahrung zahlt sich aus und kein Schritt ist umsonst. Aber - und damit schließt sich der Kreis zum Handwerk wieder - eine abgeschlossene, duale Berufsausbildung ist eine ideale Basis, auf der man aufbauen kann und die sich jederzeit und in jede Richtung ausbauen lässt.

Offenbar achten viele Jugendliche bei der Berufswahl darauf, dass Digitalisierung eine Rolle spielt. Spüren Sie etwas davon?
Thomas Zimmer: Handwerk war schon immer innovativ, musste immer mit der Zeit gehen, sich immer wieder neu erfinden. Digitalisierung im Handwerk ist natürlich auch eines unserer Hauptthemen. Die HWK für Oberfranken ist seit März 2016 eines von vier Schaufenstern des bundesweiten Projektes "Kompetenzzentrum Digitales Handwerk". Wir machen hier unsere Handwerker fit für die "Wirtschaft 4.0", entwickeln für verschiedene Gewerke Konzepte zur Umsetzung der Digitalisierung im Betrieb und bieten die Ergebnisse in Schulungen unseren Mitgliedern an. Handwerk ohne Computer und Hightech ist schon seit langem undenkbar und Digitalisierung findet auch bereits seit Jahren in den Ausbildungsverordnungen und Rahmenlehrplänen statt.
geb
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