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Aus- und Weiterbildung

Brauen im Ein-Frau-Betrieb

Isabella Mereien trat in der Brauerei "Drei Kronen" in Memmelsdorf ganz allein in die Fußstapfen ihres Vaters Hans-Ludwig Straub.
Trat als Brauerin in die Fußstapfen ihres Vaters Hans-Ludwig Straub: Isabella Mereien.  Foto: PR/Elternstolz
 
von PR-REDAKTION
Kellerpils, Lager, Rauchbier, Bock: Im Laufe des Jahres kommt Isabella Mereien auf rund zehn verschiedene Biersorten. Die Fränkin leitet die Brauerei "Drei Kronen" in Memmelsdorf, Landkreis Bamberg, die auf traditionelle handwerkliche Verfahren setzt. Gelernt hat sie ihren Beruf bei ihrem Vater, dem Braumeister Hans-Ludwig Straub. Beide sind Botschafter der Kampagne "Elternstolz" des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) sowie der bayerischen Handwerkskammern (HWK).
Isabella übt ihren Beruf mit allen Sinnen aus. "Für mich hat Bierbrauen mit Riechen, Schmecken und Hören zu tun", sagt die Braumeisterin. Alle ein bis zwei Wochen setzt sie einen neuen Sud an. Im Lauf von sechs Wochen entstehen daraus 1000 Liter Bier. "Ich bin sehr stolz, dass meine Tochter den Betrieb weiterführt und vertraue ihr voll und ganz, dass sie das gut macht", sagt Vater Hans-Ludwig. Er hat die Brauerei im März 2016 an sie abgegeben, um sich zur Ruhe zu setzen.


Etliche Berufe ausprobiert

Isabella hat einige Berufe ausprobiert, bevor sie sich für eine Ausbildung zur Brauerin entschied. In der Schule absolvierte sie mehrere Praktika. Sogar eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau hatte sie schon hinter sich, als sie 2004, im Alter von 21 Jahren, ihren Vater fragte, ob er ihr sein Handwerk beibringen wolle. "Ich habe etwas gesucht, was mich ausfüllt und fordert", sagt sie heute rückblickend.
Die Ausbildung ist vielschichtig und anspruchsvoll. Die Auszubildenden lernen die Rohstoffe Malz, Hopfen, Wasser und Hefe kennen, arbeiten sich in die Bedienung der Maschinen ein, experimentieren mit unterschiedlichen Brauverfahren. Um die Maschinen nach aktuellen Hygienevorschriften zu reinigen, bedarf es chemischen Wissens. Um die Brauprozesse zu steuern und zu analysieren, der Biochemie. Isabella schätzt an ihrem Beruf, dass sie mit ihren Händen etwas schafft, was anderen Freude bereitet. "Da ist es egal, ob man Bier braut, häkelt oder strickt."


Brauerei, Gaststätte und Hotel als Familienbetrieb

Es ist heute viel vom Trend "Craft Beer", also handwerklich gebrautem Bier, die Rede - im Gegensatz zu industriell hergestellten Bieren. Straub muss schmunzeln, wenn er den Begriff hört. "Wir haben hier eigentlich immer handwerklich gebraut", sagt er. Prunkstück des Sudhauses ist das Kühlschiff, eine Art Wanne aus Kupfer, in der die gekochte Würze heruntergekühlt und geklärt wird. Nur noch wenige Brauereien greifen auf diese traditionelle Methode zurück. Sie hat den Vorteil, dass sie die Aromen besser zur Geltung kommen lässt als industrielle Verfahren. Allerdings macht es auch viel Arbeit: Zwischen jedem Brauvorgang muss Isabella das Kühlschiff viermal schrubben.
Das meiste Bier landet nebenan im Wirtshaus und Drei-Sterne-Hotel "Drei Kronen", zu dem die Brauerei gehört. 30 Jahre lang hat Straub den Gasthof gemeinsam mit seiner Frau Lieselotte betrieben. Als Isabella die Brauerei übernahm, traten ihre Schwester Lisanna, gelernte Hotelkauffrau, und ihr Lebenspartner Swen-Christian Hollmann die Nachfolge für Gaststätte und Hotel an.


Vater und Tochter sind kreativ

Nur manchmal packt der Vater noch mit an, schleppt einen schweren Sack mit Braumalz für seine Tochter zur Schrotmühle oder rollt ein 30-Liter-Fass in die Gaststätte. Ansonsten ist die Brauerei ein Ein-Frau-Betrieb. "Ich brauche sie nicht zu kontrollieren", sagt Straub. "Isabella arbeitet sowieso präziser und professioneller, als ich das früher getan habe."
Während bei ihm das Augenmaß genügte, misst seine Tochter genau ab, wie viel Malz oder Hopfen sie in den Kessel schüttet und prüft während des Brauvorgangs regelmäßig die Temperatur und den Restzucker. Gemeinsam haben Vater und Tochter, dass sie gerne neue Sorten ausprobieren. Neben klassischen Sorten wie Kellerpils, Lager, Rauchbier oder Bock hat Isabella auch schon ein Dinkel-Pale-Ale oder ein Hefeweizen, das nach Nelken und Bananen duftet, entwickelt.


Sohn wurde Koch

Straub hoffte, dass Sohn Lorenz die Brauerei einmal übernehmen würde. Doch der wurde lieber Koch. Eine Zeit lang hatte Straub deshalb Angst, dass er die Brauerei schließen oder verkaufen müsste.
Doch dann trat seine Tochter mit dem Wunsch an ihn heran, sich in dieser Männerdomäne zu bewähren. "Meine Frau und ich waren überrascht, aber wir haben uns gefreut", sagt Straub. In ihrer Klasse an der Berufsschule in Karlstadt gab es neben Isabella nur eine andere Frau und dafür rund 40 Männer. "Ich hatte aber nie das Gefühl, dass man mir deshalb weniger zugetraut hätte", sagt sie.


Kampagne "Elternstolz"

Mit der Kampagne "Elternstolz" wollen das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern sowie die bayerischen Handwerkskammern Jugendliche, aber auch deren Eltern von den Vorteilen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugen. "Die berufliche Bildung bietet jungen Menschen Karriere- und Entwicklungschancen, die einem Studienabschluss in nichts nachstehen", sagt Ilse Aigner, Bayerns Wirtschaftsministerin. Damit soll dem Mangel an ausgebildeten Fachkräften in der heimischen Wirtschaft entgegengetreten werden. "Eltern sind für die Berufswahl ihrer Kinder die wichtigsten Beeinflusser und Mitentscheider", erklärt Franz Xaver Peteranderl, Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern. Die Kampagne zeige emotional auf, dass Eltern auf ihre Kinder stolz sein können, wenn diese durch eine erfolgreiche Berufsausbildung finanzielle Sicherheit und dauerhafte Beschäftigungsperspektiven erhalten.
Weitere Infos unter www.elternstolz.de.
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