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Aus- und Weiterbildung

Ausbildungstrends

Im Interview erzählt Matthias Klar von der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, welche Ausbildungsberufe bei Jungen und Mädchen derzeit im Trend liegen.
Kfz-Mechatroniker/-in: Allein durch die Umbenennung hat das Berufsbild an Image gewonnen.  Foto: BIBB/ES
 
von PR-REDAKTION
Mehr Lehrstellen denn Bewerber: Diese Veränderung - Matthias Klar von der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg spricht vom Wandel hin zum Bewerbermarkt - hinterlässt auch in der Region ihre Spuren. Welche, ist im Interview mit dem Sprecher der Arbeitsagentur nachzulesen.

Welche Berufe führen aktuell die Hitliste bei jungen Männern an, welche bei jungen Frauen?

Die jungen Männer wollen vor allem Industriemechaniker werden. Auf den weiteren Plätzen folgen Kfz-Mechatroniker, Industriekaufmann, Mechatroniker und Einzelhandelskaufmann. Bei den Mädchen ist die Industriekauffrau vorne. Es folgen Kauffrau für Büromanagement, Medizinische Fachangestellte, Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel und dann erst Frisörin. Bedenken muss man bei der regionalen Hitliste, dass sie ein Spiegel der regionalen Betriebsstruktur ist. Viele in Coburg wollen zum Beispiel Versicherungskaufmann werden, weil mit der Huk Coburg ein großer Versicherer vor Ort ist.

Unternehmen klagen darüber, dass sie Ausbildungsstellen nicht besetzen können. Um wie viel Stellen handelt es sich in der Region, welche Stellen sind am meisten betroffen?

Stand Ende September 2016 konnten im Agenturbezirk 500 Lehrstellen nicht besetzt werden. Demgegenüber stehen 42 Jugendliche, die leer ausgingen. Insgesamt kamen auf 5277 Lehrstellen 4015 Bewerber. Nachgefragt ist vor allem die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel. Von insgesamt 330 Lehrstellen konnten 26 nicht besetzt werden. Es folgt die Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, zu übersetzen mit Fleischereifachverkäuferin: Hier sind 26 Lehrstellen noch frei bei 124 gemeldeten. Auch etliche Ausbildungsstellen zum Koch und zur Verkäuferin konnten nicht besetzt werden. Das hat allerdings nicht unbedingt etwas mit Sympathiewerten zu tun. Vielmehr ist es so, dass in der Region der Ausbildungsbedarf in solchen Berufen groß ist.

Gibt es denn Berufe, um die junge Leute in der Regel einen großen Bogen machen?

Viele Berufe werden gar nicht entdeckt. Es gibt über 500 Ausbildungsberufe, doch das, was junge Leute im Kopf haben, beschränkt sich meist auf zehn Berufsbilder. Leider werden viele Handwerksberufe unterschätzt. Nehmen wir den Baubereich. Hier besteht bei vielen die Vorstellung, stets der Witterung ausgesetzt zu sein. Dass es sich bei den Bauberufen um hochqualifizierte Tätigkeiten handelt, ist nicht in den Köpfen verankert. Mit Berufen wie Bäcker oder im Hotel- und Gaststättenbereich muss man sich arrangieren können, hier bestehen Einschränkungen durch die Arbeitszeiten. Ein positives Beispiel, was das Image angeht, ist der Mechatroniker. Neben der Weiterentwicklung des Berufsbildes wechselte hier auch der Name vom Mechaniker zum Mechatroniker - so gewann der Beruf auch durch den modernen, Hightech betonenden Namen deutlich an Attraktivität.

Welche Strategien beobachten Sie bei Unternehmen, die der Sicherung des Nachwuchses dienen?

Betriebe werden aktiv. In Seßlach zum Beispiel gibt es die Handwerker-Nacht an einem Samstag. Eine gute Gelegenheit für Eltern und Schulabgänger, sich dort umzuschauen und erste Kontakte zu knüpfen. Handwerksmeister scheuen sich auch nicht davor, ihren Beruf im Schulunterricht vorzustellen. Unternehmen gehen sogar soweit, ihren Lehrlingen ein Zuckerl zu servieren. So wird nach bestandener Abschlussprüfung ein Auto spendiert. Ein anderes Unternehmen bezahlt ein Wellness-Wochenende, wenn wenig Krankheitstage anfallen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung meldet einen leichten Anstieg von jungen Frauen, die sich in typische Männerberufe wagen. Ist dieser Trend auch in der Region erkennbar?

Hier wird der Wandel zum Bewerbermarkt besonders deutlich. Mag sein, dass manch ein Mädchen beim Girls' Day seinen Hang zu handwerklichen Tätigkeiten entdeckt hat. Ausschlaggebender für den Trend ist aber sicher, dass sich viele Betriebe mit klassischen Männerberufen für Frauen öffnen, um die Stellen besetzen zu können. Mechatronikerinnen, Werkzeugmechanikerinnen und Malerinnen sind heute keine Seltenheit mehr.
Das Interview führte Gerhard Beck
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