finanzen-vermoegen

Ihr gutes Recht

Grob fahrlässig gehandelt

Wer vermeiden will, im Ernstfall möglicherweise auf seinem Schaden sitzenzubleiben, muss das Kleingedruckte seines Versicherungsvertrages prüfen.
Wenn die Waschmaschine ausläuft, kann das einen großen Schaden verursachen. Oft hilft hier die Versicherung - in voller Höhe allerdings nur, wenn der Versicherte nicht fahrlässig gehandelt hat.  Foto: Andrea Warnecke/mag
 
von PR-REDAKTION
Wer grob fahrlässig einen Schaden verursacht, muss damit rechnen, dass die Versicherung ihre Leistung kürzt. "Bei grober Fahrlässigkeit ist es dem Versicherer erlaubt, nicht die volle Entschädigung zu leisten", erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Allerdings gibt es auch Versicherer, die auf eine solche Kürzung verzichten. "Diese Klausel muss aber im Vertrag stehen", weiß Boss.
Zwar weisen einige Versicherungen schon in ihren Kurzinformationen zum Vertrag auf entsprechende Klauseln hin, bei anderen Anbietern muss man aber suchen. "Man muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen", sagt Boss. "Versicherungsbedingungen zu lesen ist mühselig, aber existenziell."


Ohne Sorgfalt

Was aber gilt als fahrlässig oder grob fahrlässig? Die Fahrlässigkeit beschreibt die innere Einstellung zu einem Geschehen. Im Gegensatz zu vorsätzlichem Handeln wird sie nicht willentlich herbeigeführt - damit Fahrlässigkeit vorliegen kann, bedarf es der Vermeidbarkeit, also der Vorhersehbarkeit des Handelns und der sich darauf ergebenden Folgen. Wer fahrlässig handelt, lässt die erforderliche Sorgfalt außer Acht. Und wer grob fahrlässig handelt, lässt Sorgfalt in hohem Grade vermissen, agiert unbekümmert und leichtfertig oder stellt einfachste Überlegungen nicht an, die jedermann einleuchten müssen.
Kerstin Becker-Eiselen, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale, nennt ein Beispiel: "Jemand steht am Herd und kocht, ein kleines Kind ist in der Nähe und läuft Gefahr, sich zu verletzen. Wer nun den Herd verlässt, um dem Kind zu helfen, handelt nicht fahrlässig. Wenn aber jemand eine Pfanne auf dem Herd stehen lässt, um gemütlich mit einem Freund zu telefonieren, ist das fahrlässig."


Quotenregelung

Komplett einstellen dürfen Versicherer die Zahlungen aber seit 2008 nicht mehr. Seitdem gilt die sogenannte Quotenregelung, wonach Versicherer auch dann zahlen müssen, wenn der Kunde den Schaden grob fahrlässig verursacht hat.
Wie viel sie zahlen müssen, wird aber auch von den Gerichten unterschiedlich bewertet. Steht zum Beispiel ein Haus im Winter leer und der Besitzer schützt die Wasserrohre nicht vor dem Einfrieren, ist das laut Stiftung Warentest meist grob fahrlässig. Das Landgericht Bonn hielt eine Kürzung der Versicherungsleistung um 50 Prozent für angemessen (Az.: 10 O 372/09). Dem Landgericht Erfurt war das zu wenig. Hier konnte der Versicherer 90 Prozent der Leistung kürzen (Az.: 8 O 1204/09). dpa-mag
Newsletter kostenlos abonnieren
Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.