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Jubiläum

1000 Jahre Kemmern

Die Gemeinde im Landkreis Bamberg feiert 2017 "Namenstag" mit einem bunten Festreigen.
Die Pfarrkirche St. Peter und Paul prägt den Ortskern von Kemmern. Foto: Marion Krüger-Hundrup
 
von PR-REDAKTION
Für Bezirksheimatpfleger Günter Dippold ist das Tausendjährige nicht Geburtstag, sondern sozusagen "bloß Namenstag". Denn siedlungsgeschichtlich ist Kemmern weitaus älter als tausend Jahre. Davon zeugen Funde im Bereich der Helenenkapelle ebenso wie zahlreiche Bodenfunde in der Kemmerner Flur. Doch dass der heute 2600 Einwohner zählende Ort vor einem Millennium aus dem Dunkel der Geschichte auftauchte, ist für ganz Kemmern Anlass genug, ausgiebig zu feiern. Höhepunkte des Festreigens sind das Wochenende vom Freitag, 30. Juni, bis Sonntag, 2. Juli. Das Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig am Samstag, der anschließende Festabend mit dem Schirmherrn, Minister Markus Söder, und der Große Festzug durch Kemmerns Straßen am Sonntag werden ganz Kemmern auf die Beine bringen.


Tauschgeschäft

Am 26. Oktober 1017 wurde Kemmern ("Camerin") erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Heinrich II. hatte dieses Schriftstück ausgestellt auf Bitte der Bischöfe von Bamberg und Würzburg. Die beiden Oberhirten hatten sich auf ein Tauschgeschäft geeinigt. Der Würzburger Bischof übertrug durch den Vogt des Bistums das Kirchengut in Erlangen, Forchheim, Eggolsheim und Kersbach an Bamberg, dazu vier Fischer in Kemmern. Eingeschlossen wurden Äcker, Felder und sonstige Grundstücke, Hutflächen und Wälder, Jagdrechte, Fischrechte, Mühlen, alle Abgaben und Einkünfte und der Zehnt. Im Gegenzug erhielt Würzburg aus dem Besitz der Bamberger Kirche Gaukönigshofen und Trennfeld am Main. In den folgenden acht Jahrhunderten blieb Kemmern ein Obleidorf des Domkapitels, das heißt es war diesem zu Abgaben in Naturalien und Geld verpflichtet.
Trotz dieser Abhängigkeit entwickelte Kemmern eine gewisse Eigenständigkeit: Es durfte seine dörflichen Angelegenheiten in einer eigenen Dorfordnung regeln, und zwar ohne Zustimmung des Dorfherrn, also des Domkapitels. Hilfreich bei solchen Bestrebungen waren eigene Verteidigungsanlagen wie in Kemmern der wassergefüllte Graben und die drei Torhäuser.


Einmarsch der Schweden

Am Bauernkrieg 1525 haben sich die Kemmerner aktiv auf Seiten der Aufständischen beteiligt. Im Winter 1631/32 wurde Kemmern von schwedischen Truppen heimgesucht. Wie viel Leid der Dreißigjährige Krieg für Kemmern gebracht hatte, lässt sich daran ermessen, dass bereits 1638 von den 68 domkapitelischen Herdstätten nur noch 25 bewohnt waren. Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 war Kemmern mehrmals sowohl von Einquartierungen diverser Reichstruppen als auch von preußischen Einfällen heimgesucht worden, da der Bamberger Fürstbischof ein Verbündeter Österreichs war.
Mit der am 17. Februar 1803 verfügten Auflösung des Domkapitels unterstand Kemmern nun herrschaftlich Kurbayern. Mit der Erhebung Bayerns zum Königreich am 1. Januar 1806 waren die Kemmerner königlich bayerische Untertanen geworden. Aus dem kleinteiligen Gebiet des ehemaligen Hochstifts Bamberg war die kurfürstliche bayerische Provinz Bamberg erwachsen.


Nahezu rein katholisch

Kemmern war um 1838 ein fast rein katholisches Pfarrdorf mit 644 Einwohnern. Pfarrlich war es bis 1710 eine Filiale der Pfarrei Hallstadt, bevor es seine Eigenständigkeit erlangte. Glauben und Kirche prägten das Leben der Kemmerner, aber auch der Main. Chronist Johann Kaspar Bundschuh schrieb in der "Historisch Topographischen Beschreibung des kaiserlichen Hochstifts und Fürstentums Bamberg" um 1800 über das "Domkapitlische Obleydorf" Kemmern: Er (der "Mainfluß") "läuft dicht an dem Orte vorbey, deshalb ein großer Theil der Einwohner sich vom Fischerygewerbe ernährt. Schon der Zehntertrag bewährt die Fruchtbarkeit des Orts, welcher durch den Weinbau noch vermehrt wird. Nebst den gewöhnlichen Getreidefrüchten wird allda viel Hirsen und Klee verkauft und mit Kleesamen ein starker Handel getrieben. Der Charakter der Einwohner ist der gewöhnliche der Fischer." Fischer, Weinanbau und Vollerwerbslandwirte gibt es in Kemmern heute nicht mehr.
Marion Krüger-Hundrup
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