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"Das Wunder von Bernd": Würzburg hat sich seit dem Kickers-Aufstieg verändert

Die Würzburger Kickers stiegen nach einem furiosen Durchmarsch nach 38 Jahren wieder in die 2. Liga auf. Neben Jubel bedeutet das neue Herausforderungen.
Patschnass und mit Siegerfaust: Bernd Hollerbach weiß Aufstiege zu feiern. Mit seinen Würzburger Kickers ist er von der von der Regionalliga in die 2. Liga durchmarschiert. Die Erfolgsgeschichte soll weitergehen: Die Kickers haben mit ihrem Trainer bis zum 30. Juni 2019 verlängert. Foto: faf
 
von DPA
Jörn Bächer ist seit seiner Geburt Kickers-Fan. Über den zweifachen Aufstieg seiner Mannschaft - erst in die 3. Liga, dann in die 2. Fußball-Bundesliga - sagt er: "Ich habe selten so viele erwachsene Männer mit Tränen in den Augen gesehen."

Die Würzburger sind die Überraschung der Liga. Das Team unter Trainer Bernd Hollerbach schaffte nicht nur als erst zweite Mannschaft den "Durchmarsch" durch die 3. Liga, sondern spielt seitdem auch im Fußball-Unterhaus um die oberen Ränge mit. Am Donnerstag ist der entscheidende Relegationssieg gegen den MSV Duisburg ein halbes Jahr her. Was hat sich dadurch in Unterfrankens Hauptstadt verändert?

Vor allem sei die Zahl der Fans in die Höhe geschossen, sagt Bächer. "Hier fehlen ja ganze Generationen an Fußballfans." Der 53-Jährige erlebte 1978 als Jugendlicher den letzten Auftritt der Würzburger in der damaligen 2. Bundesliga Süd. Als einer der Vorsitzenden des "Dallenberg Supporters Club", einer Dachorganisation der Fanclubs, hielt er dem Verein weiter die Treue - "aber dafür musste man sich ja fast rechtfertigen".


Mit 20 Fans zum Auswärtsspiel

Mit 20 Fans seien sie etwa zu Auswärtsspielen gefahren, als Würzburg zeitweise in der Bezirksliga spielte. Zum Franken-Derby beim 1. FC Nürnberg am vergangenen Freitag reisten mehrere Tausend Würzburger mit - und sahen ein 2:2 gegen den neunmaligen deutschen Meister.

Würzburgs Sportreferent Muchtar Al Ghusain (SPD) beobachtet, dass seit dem Aufstieg deutlich mehr junge Menschen Fußball spielen wollen. "Viele drängen in den Verein, die der Verein gar nicht aufnehmen kann." Die Mitgliederzahl der Kickers ist um mehr als die Hälfte gestiegen, von 900 auf 1400, bestätigt auch Vereinssprecher Fabian Frühwirth.

Die Strukturen im Verein hätten mitwachsen müssen. "Die Mannschaft ist unser Vorbild: Zu Beginn der Saison haben die meisten die Kickers auf einem Abstiegsplatz gesehen - dann sind sie über sich hinaus gewachsen."

Um dem Andrang im Breitensport Herr werden zu können, kooperierten die Kickers mit anderen Vereinen. "Wir wollen keinen nach Hause schicken - wenn dann am Ende der Nachbarverein davon profitiert, ist auch was gewonnen", sagt Frühwirth. Insofern habe der Aufstieg einen positiven Effekt auf die ganze Region.


Überall neue Fanclubs

Das beobachtet auch Bächer: Dass die Kickers nun zweitklassig spielen, habe das Gemeinschaftsgefühl in ganz Unterfranken gestärkt. Überall hätten sich neue Fanclubs gegründet, so dass sogar er den Überblick verloren habe - die genaue Zahl könne er nicht nennen.

Der Aufstieg schuf aber auch Probleme, welche vorher nicht da waren - vor allem in der Logistik, sagt Vereinssprecher Frühwirth. Mehr Plätze auf der Medientribüne, ein Parkplatz für Übertragungswagen und eine größere Mixed Zone wurden nötig. "Es sind ganz, ganz viele Kleinigkeiten, die sich aufsummieren."

Dazu kommt der Stadionausbau: Nach den Anforderung der Deutschen Fußball Liga (DFL) muss das Stadion mittelfristig auf 15 000 Plätze erweitert werden. Mit einer Stahlrohr-Tribüne auf der Gegengerade kommen die Kickers bislang auf 13 100. Der Rest sei ein Projekt für das kommende Jahr. Auch die Stadt trug ihren Teil bei: Die kurzfristige Genehmigung für den zunächst provisorischen Ausbau sei nur möglich gewesen, weil alle Beteiligten ihr Bestes gegeben hätten, sagt Al Ghusain. "Wir haben gemeinsam die Herausforderung angenommen."


Stadion soll ausgebaut werden

Für die Zukunft hat der Stadtrat grünes Licht für eine gemeinsame Stadiongesellschaft gegeben, die den Ausbau finanzieren soll. Die Stadt will sich über die nächsten 15 bis 20 Jahre mit bis zu sieben Millionen Euro beteiligen. Den neuen Status Würzburgs als Bundesliga-Stadt merkt Al Ghusain auch bei Gesprächen mit Kollegen aus anderen Kommunen: "Viele Smalltalks beginnen mit Fußball."
Zu verdanken hat Würzburg die neue Bekanntheit ihm zufolge vor allem einem Mann: Bernd Hollerbach. "Wir haben einen Trainer, der mehr ist als ein Trainer, der auch Identifikationsfigur ist." Mit dieser Meinung steht er nicht alleine: Schnell machte nach dem Aufstieg das Bonmot vom "Wunder von Bernd" die Runde in Würzburg.

Auch Bächer nickt: "95 Prozent des Erfolgs sind ihm zu verdanken." Mit ihrem furchtlosen und disziplinierten Spiel haben die Kickers alle im Unterhaus überrascht. Was kommt jetzt? "Es wäre vernünftig, sich erstmal in der 2. Liga zu etablieren", sagt Bächer. "Aber der Verein ist immer für Überraschungen gut."

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