Niederlande: Erstmals Videobeweis bei Fußball-Pflichtspiel

Rote Karte oder Schwalbe? Tor oder abseits? Schiedsrichter machen Fehler. Die neue Technik könnte helfen. In Amsterdam griff nun der Video-Schiedsrichter ein.
In Amsterdam wurde erstmals der Videobeweis eingesetzt. Foto: Jerry Lampen
 

Nach jahrelangen Diskussionen um den Videobeweis ist die Technik zum ersten Mal bei einem Pflichtspiel im Profifußball eingesetzt worden.

Beim Pokalspiel der niederländischen Clubs Ajax Amsterdam und Willem II (5:0) in Amsterdam assistierte dem Schiedsrichter auf dem Platz ein Kollege über Videoverbindung. Einmal griff dieser nach einem Foulspiel ein, als Folge wurde ein Spieler des Platzes verwiesen.

Der niederländische Fußballverband KNVB sprach von einem historischen Moment. «Wir wollen das Spiel ehrlicher machen», betonte KNVB-Direktor Gijs de Jong im niederländischen Fernsehen. Der Verband hatte nach einer mehr als vierjährigen Testphase grünes Licht von den Regelhütern des International Football Association Board bekommen.

Der Video-Schiedsrichter darf nur in spielentscheidenden Situationen wie Elfmetern, Platzverweisen oder bei einem Tor aus möglicher Abseitsposition eingreifen. Das geschah in Amsterdam einmal, nach etwa einer Stunde Spielzeit.

Der Video-Schiedsrichter verfolgte in einem Regiewagen vor der «Arena» die Bilder von acht TV-Kameras im Stadion. Über ein Headset signalisierte er dem Kollegen auf dem Platz, dass ein Platzverweis für ein Foul gerechtfertigt war. Schiedsrichter Danny Makkelie hatte zunächst nur die Gelbe Karte gezeigt. «Die Technik hat ihren Wert bewiesen», sagte Makkelie nach dem Spiel.

Die Technologie soll in den Niederlanden noch in 25 Pokal-Partien eingesetzt werden, darunter in einem Spiel am Donnerstag. Der KNVB hofft, in der Spielzeit 2018/2019 in allen Profi-Spielen den Videobeweis einzusetzen.

Die Technik war in rund 100 Spielen der höchsten niederländischen Liga - der Ehrendivision - getestet worden. Nach einer Analyse wäre der Videobeweis bei jeder dritten spielentscheidenden Situation sinnvoll gewesen.

Nach einem Test Anfang September beim Fußball-Länderspiel zwischen Italien und Frankreich hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino die Hoffnung geäußert, die Technologie auch bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland einsetzen zu können. Der nächste FIFA-Test ist für den 15. November beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien in Mailand geplant. Weitere Tests soll es noch in dieser Saison in anderen nationalen Ligen geben, darunter in der Bundesliga.






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