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Köln feiert «Europapokaaal» - Modeste und Co. stürmen PK

Der 1. FC Köln hat erstmals seit 25 Jahren den Europapokal erreicht. Und das ohne Umwege. Die Stimmung in der Domstadt war ausgelassen.
Kurz vor der Pause traf Jonas Hector zur 1:0-Führung. Foto: Jonas Güttler
 

Vor der Party-Wut von Anthony Modeste war an diesem Tag für die Vereins-Historie niemand sicher. Nachdem ihn die Fans auf Händen getragen hatten, suchte der Torjäger des 1. FC Köln mit Freudentränen in den Augen zunächst ein bisschen Ruhe - dann drehte er richtig auf.

Zunächst verpasste er mit einem Fünf-Liter-Glas sämtlichen Journalisten eine Bierdusche, dann stürmte er mit einer Handvoll Kollegen die Pressekonferenz und knöpfte sich Trainer Peter Stöger vor.

Der Coach wusste schon, was ihn nach dem 2:0 (1:0) gegen Mainz 05 und dem ersten Einzug in den Europacup seit 25 Jahren erwartete - nur verhindern konnte er es nicht. «Macht keinen Scheiß», sagte der Österreicher, als er Modeste und seine Kollegen mit Biergläsern bewaffnet in den ersten beiden Reihen erblickte. Allein, es nutzte nichts. Kaum hatte der Trainer seine Ausführungen mit den Worten «Keine Fragen heute» beendet, stürmten die Spieler auf ihn zu und gossen ihm literweise Kölsch über den Kopf. «Nächstes Jahr sind hier maximal noch fünf Spieler von Euch hier», erklärte er und verpasste Leonardo Bittencourt zwei ironisch gemeinte Ohrfeigen.

Schon als die Fans den Platz gestürmt hatten und sich die Spieler mit vorgefertigten «Europapokaaal»-Shirts und einem Megafon auf der Tribüne feiern ließen, hätte Stöger lieber den stillen Beobachter gegeben und sich in die Katakomben verzogen. Doch sein Assistent Manfred Schmid packte ihn und trug ihn zur jubelnden Meute. Bittencourt war es schließlich, der den ultimativen Party-Befehl ausgab. «Heute gibt es keine Grenzen», sagte er: «Heute lassen wir alle das Auto stehen. Heute wird die ganze Stadt brennen.»

8998 Tage war an diesem Samstag das 160. und bisher letzte Europacup-Spiel des FC her - im September 1992 gab es bei Celtic Glasgow eine 0:3-Niederlage. Torhüter Timo Horn, im Mai 1993 geboren, hat somit noch keines erlebt. «Ich kenne das nur von Erzählungen von meinen Eltern und Großeltern», sagte der gebürtige Kölner, der als Jugendlicher in der Südkurve gestanden hatte.

Nach dem Sieg durch Tore von Nationalspieler Jonas Hector (43.) und Yuya Osako (87.) wurden die vor dem Saisonfinale auf Platz sieben stehenden Kölner noch Fünfter - somit ersparen sie sich nicht nur das einwöchige Zusatzzittern bis zum Pokalfinale, sondern auch gleich noch die Qualifikation. «Das ist perfekt», meinte Sportchef Jörg Schmadkte: «Wir können durchfeiern ohne Eventualitäten.»

Auf Schmadtke, der schon die Außenseiter Alemannia Aachen und Hannover 96 in den Europacup führte, wartet nun viel Arbeit. Er darf mit zusätzlichen Einnahmen planen, muss aber einen größeren Kader als geplant zusammenstellen. Einen kompletten Umbau schloss er aber noch in der Stunde des Erfolgs aus. «Man hat gesehen, dass wir eine gute Mannschaft haben. Im Gros werden wir sicher zusammenbleiben», erklärte er, war sich aber bewusst, dass er im Kampf um begehrte Spieler nun zusätzliche Argumente hat: «Vielleicht können wir nun noch ein I-Tüpfelchen setzen.»

Derweil beendeten die in der Vorwoche geretteten Mainzer die Saison als 15. - so schlecht wie seit zehn Jahren nicht. Trainer Martin Schmidt geht aber offenbar davon aus, dass er nicht sein letztes Spiel als 05-Coach absolvierte. «Wir sehen uns nächstes Jahr», sagte er.



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