Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Abschied

Karriereende von Philipp Lahm: Seine Erfolge, seine Niederlagen und wie es jetzt weitergeht

Mit dem Münchner Heimspiel gegen Freiburg endet am Samstag die große Karriere des erst 33-jährigen Philipp Lahm.
Da ahnte niemand, dass es seine letzte Amtshandlung als Kapitän sein würde: Philipp Lahm präsentierte den Fans am Montag in Berlin den WM-Pokal. Foto: Jens Wolf, dpa
 
Es gab diese Szene vor wenigen Wochen im ARD-Studio, nach dem Halbfinal-Aus des FC Bayern München im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund. Philipp Lahm tauchte noch in Trikot und Stutzen auf zum Interview. Er wirkte klein und zerbrechlich dabei wie selten und es schien fast denkbar, dass er gleich losheulen würde. Aber dann kam die erste Frage, und es war wie immer: Philipp Lahm funktionierte auf Knopfdruck. Diplomatische Antworten, freundlich-distanzierter Tonfall. Nichts verriet, wie es wirklich in ihm aussah. "Ich glaube, dass ich schon immer sehr sachlich und analytisch war. Emotionen schiebe ich eher beiseite", sagte Lahm einmal dem "SZ-Magazin".


Weltbester Außenverteidiger

Eine Dekade lang war Philipp Lahm, ein gebürtiger Münchner aus dem Stadtteil Gern, einer der besten Außenverteidiger der Welt. Erst auf der linken, dann auf der rechten Seite. Mit präzisem Stellungsspiel, solider Zweikampfführung, zielgerichteten Flankenläufen und nur ganz seltenen schwächeren Tagen. Dass noch heute im kollektiven Gedächtnis verbleibt, wie Lahm im EM-Finale 2008 gegen Spanien das Laufduell gegen Fernando Torres verlor und der das entscheidende Tor schoss, ist ziemlich ungerecht für einen, der zu Recht "Mr. Fehlerlos" genannt wurde.

Pep Guardiola gebührt das Verdienst, Lahms immenses Spielverständnis auch im Zentrum des Geschehens genutzt zu haben. Als er 2013 nach München kam, erfand der katalanische Trainer Lahm im letzten Drittel von dessen Karriere noch einmal neu. "Er ist der intelligenteste Spieler, den ich kennengelernt habe", sagte Guardiola über Lahm, dem das neue, abwechslungsreichere Aufgabengebiet sichtlich Spaß bereitete. Bundestrainer Joachim Löw machte sich den neuen Lahm gegen alle Diskussionen bei der WM 2014 im Mittelfeld zu Nutze. Erst ab dem Halbfinale gegen Brasilien machte Lahm Platz für den genesenen Bastian Schweinsteiger und kehrte auf die Rechtsverteidiger-Position zurück. Klaglos, im Übrigen.

Der Gewinn des Weltmeistertitels war der eine große Höhepunkt in Lahms Karriere, der Gewinn der Champions League ein Jahr zuvor der andere. Nicht nur nach Lahms Geschmack ist ein Titel in der Königsklasse für die Bayern in seiner Zeit zu wenig, auch wenn er häufig darauf hingewiesen hat, wie eng es in der Leistungsspitze nun mal zugehe. Viermal kam in den letzten acht Jahren das Aus für die Münchner im Halbfinale, nur in Lahms letzter Saison war gegen Real Madrid schon im Viertelfinale Schluss. 2010 gegen Inter Mailand und 2012 gegen den FC Chelsea wurden zwei Endspiele verloren.


Seit 2010 war Lahm Kapitän


Seit der WM 2010 war Lahm Kapitän der Nationalmannschaft. Er übernahm die Binde als Vertreter des verletzt ausgefallenen Michael Ballack und tat schon während des Turniers in Südafrika kund, er würde sie ungern wieder abgeben. Das sorgte für Aufsehen, so viel Durchsetzungsvermögen hatte ihm bis dahin kaum jemand zugetraut. Viele fanden sogar, er habe die alternde Ikone Ballack eiskalt abserviert.

Selbst abserviert zu werden, das hat Philipp Lahm mit seiner strikten Karriereplanung verhindert. Schon am Morgen nach dem durch Mario Götzes Tor in der Verlängerung gewonnenen WM-Endspiel gegen Argentinien erklärte er Löw beim Frühstück seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Den hatte er für sich schon im Herbst zuvor beschlossen - unabhängig vom Turniererfolg. Kurz nach der triumphalen Rückkehr in die Heimat wurde seine Entscheidung öffentlich und sorgte für einen kleinen Kater im nationalen Hochgefühl. Lahm war damals erst 30. Doch seine Begründung nötigte Respekt ab. Er wolle sich nicht vom Leistungssport treiben lassen, "mein Leben gehört mir". Er wolle Entscheidungen treffen, "bevor sie mich einholen".

In diesem Sinne handelte Lahm auch, als er in diesem Februar sein vorzeitiges Karriereende zum Saisonende bekannt gab. Wieder ein selbstbestimmter Rückzug, und nicht einmal die gemeinsame Presseerklärung gönnte er dem FC Bayern, zu dem er als elfjähriger Bub gekommen und dessen Kapitän er seit 2012 war. Sein Vertrag wäre eigentlich noch bis Mitte 2018 gelaufen.

Erreicht hat er alles, nur Fußballer des Jahres ist er in Deutschland seltsamerweise nie geworden. Die Bayern-Fans haben ihn respektiert, geliebt wurden andere mehr. Vielleicht ernennen sie ihn trotzdem noch zum Fußball-Gott, wenn Lahm am Samstag mit dem Münchner Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg abtritt. Es gibt noch einmal die Meisterschale, zum achten und letzten Mal für ihn, der Rahmen wird also schön sein. Lahm geht mit erst 33 Jahren, noch immer als Weltklasse-Spieler.


"Irgendwann" ins Management

Irgendwann wird er im Management des FC Bayern auftauchen. Für ihn sei das klar, sagte er. Man darf sicher sein, dass er sich auf seine Rückkehr in den Klub gewissenhaft vorbereiten wird. Schon jetzt ist er als Unternehmer tätig und hat sich ein Portfolio von Firmen aufgebaut, mit deren Werten er sich identifizieren kann. Bei dem Müsli-Produzenten Schneekoppe ist er ebenso Gesellschafter wie bei bei dem Sportpflegeprodukte-Hersteller Sixtus und bei Danova, einem Anbieter von betrieblicher Gesundheitsvorsorge. Es geht ihm dabei nicht nur um stille Teilhabe, Lahm will sich unternehmerisches Wissen aneignen.

Wie geht es weiter privat mit Philipp Lahm? Er hat mehr Zeit für Sohn Julian und Frau Claudia, die allenfalls beim Oktoberfestbesuch des FC Bayern mal in der Öffentlichkeit aufgetaucht sind. Das zweite Kind ist unterwegs, es soll ein Mädchen werden. Aus Lahms Privatsphäre ist wenig bekannt.

zum Thema "FC Bayern München"

Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.