Tradition pur: 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuther Fürth im Frankenderby

Am Dienstag um 17.30 Uhr steigt die 261. Auflage des Frankenderbys. Alles Wissenswerte um das traditionsreiche Duell gibt es hier.
Duell um jeden Ball beim letzten Frankenderby am 26. Februar 2016: Der Nürnberger Guido Burgstaller (rechts) und Sebastian Heidinger von der SpVgg Greuther Fürth. Der Club konnte das Heimspiel mit 2:1 für sich entscheiden. Foto: Daniel Karmann/dpa
 
Liverpool gegen Manchester, Real Madrid gegen Barcelona, Celtic gegen Rangers: so ziemlich jede Profiliga hat ein geschichtsträchtiges, emotional aufgeladenes Derby. In Deutschland wird an dieser Stelle häufig das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 angeführt. Das ist aber Quatsch! Die Mutter aller Derbys kommt aus Franken! Und am 20. September findet um 17.30 Uhr bereits die 261. Auflage statt.


Schicksalsspiel für Alois Schwartz?

Für den Club geht es dabei nicht nur um drei Punkte sondern vor allem darum, den ersten Sieg in dieser Saison einzufahren. "Aus einem Derbysieg könnten wir viel Selbstvertrauen ziehen. Vielleicht wäre das der Wendepunkt", sagte Torhüter Thorsten Kirschbaum.

Nach lediglich zwei Zählern aus fünf Spielen steht der 1. FC Nürnberg um Trainer Alois Schwartz auf dem vorletzten Platz in der 2. Fußball-Bundesliga. Die Kritik am Trainer ist nach den, vor allem in der Defensive, katastrophalen Auftritten in Braunschweig (1:6) und Bochum (4:5) weiter gewachsen - sein Team stellt mit 15 Gegentoren mittlerweile die schlechteste Abwehr der zweiten Liga. "Dass man so viele Gegentore frisst, hat mir gar nicht gefallen. Diese Passivität müssen wir ablegen", sagte Schwartz, der nach erst fünf Spieltagen auch selbst unter starkem Druck steht. "Druck hat man immer, das gehört dazu. Wir beschäftigen uns mit der Situation. Aber wir wissen, dass wir sie korrigieren können."
Sollte der Club auch das Frankenderby verlieren, könnte es dennoch langsam eng werden für Schwartz. "Das Derby ist doch für uns eine Riesenchance, ein paar Dinge wieder geradezurücken und uns Selbstvertrauen zu holen", sagte Schwartz dem "kicker". "Es geht in einem Derby darum, den Meter mehr zu laufen und Leidenschaft an den Tag zu legen und von Beginn Körpersprache zu zeigen", bekräftigte der Nürnberger Trainer am Montag.

Die Einsätze der angeschlagenen Kevin Möhwald und Lukas Mühl hat der Coach am Montag noch offen gelassen. In jedem Fall verzichten muss der FCN auf die verletzten Willi Evseev, Patrick Erras, Georg Margreitter, Rurik Gislason und Torwart Raphael Schäfer. Am Wochenende kam Enis Alushi mit einem Innenbandanriss am Knie als nächster Ausfall dazu. "Es gilt jetzt nicht rumzujammern, sondern anzupacken", sagte Schwartz. Immerhin darf Guido Burgstaller nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder mitmischen.


Fürth mit verpatzter Generalprobe bei den Kickers

Bei den Kleeblättern verlief die Generalprobe für das Frankenderby auch nicht nach Maß. Im "kleinen" Derby gegen die Würzburger Kickers setzte es am Freitag ein 0:3. "Die Passivität hat uns nicht gut getan. Wir sind ein Team, das viel Ballbesitz haben und treffen will", sagte Trainer Stefan Ruthenbeck am Montag. Trotzdem steht die SpVgg Greuther Fürth mit sieben Punkten und Platz zehn deutlich besser da als der Kontrahent aus der Nachbarstadt. "Es gibt keine Favoritenrolle", betonte Ruthenbeck. "Ein Derby ist fast wie ein Pokalspiel. Die Mannschaft, die weniger Mut haben wird, wird verlieren."

Verzichten muss Trainer Stefan Ruthenbeck am Dienstag unter anderem noch auf den gesperrten Robert Zulj und die länger verletzten Sercan Sararer und Mathis Bolly . Ob Jürgen Gjasula, Veton Berisha und Sebastian Freis im Kader stehen, ist noch fraglich.


Wo kann ich das 261. Frankenderby sehen?

Die gute Nachricht für alle Freunde des Stadionbesuchs: Das Spiel findet im Nürnberger Stadion statt, das mit 50.000 Plätzen deutlich mehr Kapazitäten als der Sportpark Ronhof hat, in den lediglich 18.000 Zuschauer passen.Tickets sind aktuell noch im Ticket Shop des FCN ab 22 Euro erhältlich. Bislang verlief der Vorverkauf eher schleppend, sodass für Kurzentschlossene immer noch genügend Platz im Stadion ist. Erwartet werden am Dienstag rund 35.000 Zuschauer.

Die Fans der Kleeblätter werden dieses Mal mit einem gemeinsamen Buskonvoi anreisen, statt mit der U-Bahn. Etwa 3000 Anhänger werden ihr Team mit nach Nürnberg begleiten. Wie üblich gibt es beim Frankenderby besondere Sicherheitsvorkehrungen, damit das Aufeinandertreffen der beiden Rivalen möglichst friedlich ablaufen kann. So werden die Fans unter anderem gebeten, Taschen und Rucksäcke nicht mit ins Stadion zu nehmen.

Wer sich das Spiel vor dem Fernseher ansehen möchte, kann nur auf den Bezahlsender Sky zurückgreifen. Für alle ohne Sky-Abo gibt es dann aber noch zahlreiche Kneipen, in denen die Mutter aller Derbys über die Leinwand flimmert und kalte Getränke serviert werden. Und wenn die Mutter aller Derbys eine Fränkin ist, ist dann ein Frankenderby ohne fränkisches Bier nicht so etwas wie der ungeliebte Schwiegersohn?


Das älteste und häufigste Derby Deutschlands

Der 1900 gegründete 1. FC Nürnberg und die 1903 gegründete Spielvereinigung Fürth duellierten sich erstmals 1902. Zu diesem Zeitpunkt trat der Club aber gegen den TV 1860 Fürth an und gewann 15:0. Am 18. September 1904 fand dann das erste Derby gegen die SpVgg Fürth statt, das Nürnberg mit 3:0 gewann. Inzwischen trafen beide Kontrahenten ganze 260 Mal aufeinander. Zum Vergleich: Die Partie Borussia Dortmund gegen Schalke 04 gab es bislang nur 170 Mal.


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Fußballhochburg Franken

Besondere Brisanz erhält das Frankenderby durch die historische Bedeutung Frankens für den deutschen Fußball. Vor allem in den 1920ern dominierten die beiden fränkischen Vereine das Fußballgeschehen in Deutschland. Das machte sich auch in der Nationalmannschaft bemerkbar. Für ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Amsterdam wurden 1924 ausschließlich Spieler aus Nürnberg und Fürth nominiert. Weil die sich aber nur wenige Tage zuvor beim 76. Derby auf heftigste Art und Weise beackerten, reiste die Nationalmannschaft zwar im selben Zug, aber in verschiedenen Abteilen in die Niederlande - die Fürther im vorderen, die Nürnberger im hinteren Teil des Zuges. Die Nationalelf gewann die Begegnung. Der Fürther Karl Auer erzielte den Siegtreffer, doch während die Fürther Spieler noch nach dem Abpfiff auf dem Rasen feierten, verschwanden die Clubberer der Nationalmannschaft in den Kabinen.


FCN führt die Statistik an - Fürth holt aber auf

In 138 der 260 Partien behielten die Schwarz-roten die Oberhand. 47 Spiele endeten unentschieden, die restlichen 73 Duelle entschieden die Fürther für sich. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass bei dieser Rechnung noch zwei Spiele fehlen: die wurden nämlich abgebrochen, eines davon vor dem Sportgericht für Fürth gewertet. Seit dem Jahrtausendwechsel poliert Fürth die Statistik aber ziemlich erfolgreich auf. In den 15 Aufeinandertreffen seit dem Jahr 2000 ergatterte der FCN nur drei Mal den "Dreier", Fürth dagegen gewann sieben Mal. Sechs Frankenderbys endeten ohne Sieger.


Frankenderby: Brisanz durch Nähe

Weniger als 15 Kilometer liegen zwischen dem "Stadion Nürnberg" in Nürnberg und dem Fürther Stadion, das inzwischen "Sportpark Ronhof Thomas Sommer" heißt. Was Fußball angeht, trennen die Anhänger beider Vereine jedoch Welten. Und das gewissermaßen traditionsbedingt. Schon am 6. Oktober 1929 machte ein Frankenderby aufgrund seiner Härte Schlagzeilen: Dort hagelte es neben drei Platzverweisen stolze 87 Freistöße, Endstand war 1:1. Im Jahr 2004 und 2009 sorgten Nürnberger Fans für Furore, als sie rund 3000 Anhänger mobilisierten und einen Fanmarsch zum Frankenderby in die ungeliebte Nachbarstadt organisierten. Einen unrühmlichen Höhepunkt stellte der Feuerlöscher-Wurf eines Nürnberger Anhängers 2014 dar.

Dass derartige Emotionalität für den eigenen Verein aber durchaus auch positiv sein kann, zeigt ein Rekord, den beide Fanlager bis heute zusammen innehaben: In der Saison 1996/1997, als beide Teams in der Regionalliga Süd (damals dritte Spielklasse) zugange waren, trafen die Rivalen im DFB-Pokal aufeinander. Diese Partie hält bis heute den Rekord für ein Pokalspiel zwischen Drittligisten. 44.181 Zuschauer sahen sich die Begegnung live an.

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