Nach verlorenem Frankenderby: Der Club ist ganz unten angekommen

Effektive Fürther stürzen den 1. FC Nürnberg noch tiefer in die Krise. Der Club übernimmt die Rote Laterne. Die Fans haben die Schnauze voll.
Nürnberger Frust: Der Nürnberger Tim Leibold ist angesichts der Derby-Pleite buchstäblich am Boden zerstört.  Foto: Daniel Karmann, dpa
 
Frustbewältigung hätte es werden sollen für den 1. FC Nürnberg. Stattdessen schieben sie am Valznerweiher jetzt erst richtig Frust nach dem 261. Frankenderby. Denn es jubelten einmal mehr die anderen: Der Club unterlag der SpVgg Greuther Fürth vor 32.362 Fans mit 1:2 (0:1) und ist - allmächt - jetzt mindestens über Nacht sogar Tabellenletzter. Sollte der 1. FC Kaiserslautern am Mittwochabend im Heimspiel gegen Dynamo Dresden punkten, behält der FCN die Rote Laterne bis auf weiteres.

Unvermeidlich ist angesichts der sportlichen Talfahrt auch die Frage nach der Zukunft des Nürnberger Cheftrainers Alois Schwartz. Mit nur zwei Worten vertagte Sportvorstand Andreas Bornemann allerdings eine Debatte um den Trainer. "Ja sicher", antwortete Bornemann nach dem Frankenderby am BR-Mikrofon auf die Frage, ob der glücklose Nachfolger von René Weiler auch am Sonntag im Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld noch auf der Bank sitzen werde.

Eine schlüssige Erklärung für die Nürnberger Pleitenserie in der 2. Fußball-Bundesliga hatte Schwartz am Dienstagabend nicht parat. Es war die vierte Niederlage in Serie. "Es läuft irgendwie gerade alles gegen uns", sagte Schwartz, viel mehr fiel ihm spontan nicht ein.

Im Ronhof dagegen blüht das Kleeblatt derweil wieder etwas frischer, der Kontakt nach oben ist mit dem Dreier beim Dauerrivalen wiederhergestellt.


Die Nürnberger Fans kanzelten hernach die Mannschaft ab: "Wir haben die Schnauze voll." Torwart Thorsten Kirschbaum hatte Verständnis fürs gellende Pfeifkonzert: "Ich kann den Frust nachvollziehen. Wir wollten ihnen mit dem Derbysieg etwas zurückgeben. Aber je länger das Spiel gelaufen ist, umso mehr hat man der Mannschaft den Knacks angemerkt." Die Zeiten, als der FCN schwächere Spiele mit Leidenschaft und erzwungenem Glück gewonnen hat, sind eben fürs Erste rum.

Unfreiwillige Komik gab's vorab von den Leuchtreklamen im Grundig-Stadion: "Zusammen aufsteigen" steht da neben dem Logo eines US-amerikanischen Werkzeugherstellers. Und: "Aufsteiger gesucht". Vier Monate nach der Relegation wirkt das nur noch albern, denn auch im Derby haben die Nürnberger bewiesen, dass sie dazu wahrlich nicht taugen in dieser Saison.

Das hat ihnen die Spielvereinigung recht schnell klar gemacht - ohne dass sie jetzt selbst sonderlich brillant gekickt hätte. Aber es hätte schon früh dahin gehen können mit den Rot-Schwarzen: Even Hovland musste gegen SpVgg-Stürmer Veton Berisha in letzter Sekunde klären (4.). Nach einer Viertelstunde kam der FCN zwar etwas besser ins Spiel, eine weitere darauf war die Drangphase aber wieder vorbei. Immerhin: Nach einer Möhwald-Ecke köpfte Tim Matavz an die Querlatte (22.).

Spätestens mit dem zu hoch angesetzten Distanzschuss des Fürthers Serdar Dursun kippte das Geschehen wieder leicht zu Gunsten der Gäste. Die eiskalt ihre Chance aus dem Nichts zum 0:1 nutzten: Niko Gießelmanns Schlenzer touchierte die Latte, die Club-Defensive schaute zu, wie Sebastian Freis zurück in die Mitte köpfte, und Dursun donnerte den Ball ins Netz (43.). "Da standen wir alle wie erstarrt da, wie das Eichhörnchen vor dem Fuchs", sagte Schwartz. Nach einem langen Ball von Torwart Thorsten Kirschbaum tauchte Edgar Salli zwar noch mal vor dem Fürther Tor auf, doch SpVgg-Keeper Balzs Megyeri war schneller (45.+3).


Pfiffe nach der Pause

Da hatten die personellen Rochaden des Fürther Trainers Stefan Ruthenbeck also gefruchtet: Berisha, Dursun und Freis waren für Kirsch, Tripic und Vukusic gekommen und hatten Anteil an allen gefährlichen Aktionen. Club-Coach Alois Schwartz hatte Hovland und Petrak für die verletzen Alushi und Mühl gebracht - mit weniger Auswirkung. Zu groß ist die Verunsicherung in Nürnberg nach dem Fehlstart mit zuletzt drei Niederlagen und reichlich Gegentoren. Das lässt sich nicht von heute auf morgen reparieren.

Das Derby sollte aber wenigstens zur Trendwende herhalten. Stattdessen gab's vom lange geduldigen Publikum nach der Pause alsbald die ersten Pfiffe. Während andere jubelten: Die Fürther nämlich, denn ein gar nicht mal so prickelnder Schuss des Youngsters Daniel Steininger wurde von Sepsi so unglücklich abgefälscht, dass der Ball in hohem Bogen hinter Kirschbaum einschlug zum 0:2 (54.); auch hier hatte mit Berisha ein Rückkehrer zuvor die Strippen gezogen. "Das zweite Tor ist bezeichnend", meinte Schwartz frustriert und rekapitulierte: "Der Schiri steht im Weg, wir wollen klären, der Ball wird tief gespielt, er wird geschossen, abgefälscht, drin."

Schwartz probierte es, klar, was sollte er auch anderes machen, mit frischer Offensive: Der Österreicher Guido Burgstaller und das Coburger Talent Cedric Teuchert kamen für Petrak und den Gelb-Rot-gefährdeten Salli, Teuchert hatte auch gleich seine Chance, scheiterte aber an Megyeri (64.), und Abseits war es obendrein. Nicht bei Matavz, doch auch hier war der Kleeblatt-Keeper spektakulär zur Stelle (66.). Jetzt waren die Nürnberger plötzlich wieder da. Doch auch Hanno Behrens traf nicht (68.). Und Teuchert noch mal nicht (81.). Die Fürther, für die Berisha durchaus noch hätte erhöhen können (76.), schwammen nun zwar, brachten dank taktischer Disziplin, großer Laufbereitschaft und hoher Effizienz den Derbysieg aber über die Zeit, denn Burgstallers 1:2 in der dritten Minute der Nachspielzeit war letztlich ohne Belang.

Klar, dass Club-Coach Schwartz bedient war: "Die Mannschaft hat inhaltlich ein gutes Spiel gemacht, aber es zählt halt das nackte Ergebnis. Es ist wie verhext."


Auch Miso Brecko sagte: "Es läuft wirklich alles gegen uns." Der Abwehrspieler und Kapitän hat natürlich mitbekommen, dass nach nur zwei Remis in sechs Partien Coach Schwartz mehr und mehr in die Kritik gerät. "Es liegt nicht am Trainer", entgegnete Brecko. "Wir arbeiten gut zusammen."

Wie lange noch? Dass der erst im Sommer aus Sandhausen geholte Trainer trotz dieses Katastrophenstarts noch nicht wieder entlassen wurde, dürfte auch an seiner Ablösesumme liegen. Einen Coach, für den vor wenigen Monaten noch kolportierte 450.000 Euro überwiesen worden waren, lässt man ungern wieder gehen. So scheint es derzeit.

Von Michael Bauer
(mit dpa)

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