Als die Nationalelf nur aus FCN und Fürth bestand: Kuriositäten zum Frankenderby

Das Frankenderby zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth ist das älteste Derby Deutschlands. Dementsprechend viele Kuriositäten gibt es.
Wegen eines Fouls an Javier Pinola sah Fürths Sercan Sararer 2012 die rote Karte. Der ehemalige Fürth Profi hat ein pikantes Verhältnis zum FC Nürnberg. Nicht die einzig kuriose Geschichte zwischen beiden Vereinen. Foto: Daniel Karmann/dpa
 
von PETER GROSCURTH FELIX MOCK
Frankenderby 2016: Am Dienstag treffen der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth zum 261. Mal aufeinander. Die Mutter aller Derbys wartet in ihrer traditionsreichen Historie mit einigen kuriosen Geschichten auf.


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Frankenderby: Premiere

Die Geschichte der beiden Rivalen begann Ende 1902, als sich im TV 1860 Fürth einige Sportler dazu entschlossen, eine Fußballmannschaft zu gründen. Die Nürnberger Nachbarn boten sich für ein erstes Freundschaftsspiel optimal an, da die Wege kurz waren. Und so wurden sie prompt zum Schießanger eingeladen. Endstand: 15:0 für den 1. FCN.


Frankenderby: Statistik

Bislang fanden 260 Frankenderbys statt. Dabei gewannen 138 mal die Nürnberger, 73 mal die Fürther und 47 mal endete das Spiel unentschieden. Zwei weitere Spiele wurden abgebrochen und davon ein Spiel sportgerichtlich als Sieg für Fürth gewertet.


Sieg der Fürther

Am 20. November 1910 holten die Nachbarstädter gegen den Club ihren ersten Sieg (2:1) im damals neu gebauten Ronhof. Die Fürther etablierten sich jedoch und setzten sich nach einigen Startschwierigkeiten mit den Cluberern an die Spitze des deutschen Fußballs.


Fürth und der 1. FC Nürnberg: Dauer-Rivalen

Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs wurde die holländische Nationalmannschaft am 21. April 1924 besiegt. Das hieß jedoch nicht, dass keine Feindseligkeit mehr zwischen den beiden Teams aus Franken herrschte. Denn damals bestand die Nationalelf aus dem 1. FC Nürnberg und den Fürthern. Die Rückfahrt erfolgte zwar in einem Zug, jedoch fuhren Fürther und Nürnberger getrennt in zwei verschiedenen Abteilen - die einen am Anfang des Zuges, die anderen am Ende.


Transfer

Was damals als ein absolutes No-Go galt, wagte erstmals Leonhard Seiderer, besser bekannt als "Loni". Er wechselte 1917 von der "Nürnberger Front" zu den Fürthern. Bedenklich auch die Geschichte von Hans Sutor: Nachdem dieser eine Nürnbergerin geheiratet hatte, ließ man ihn in Fürth nicht mehr auf den Platz, was ihn 1920 dazu veranlasste, zum 1. FCN zu wechseln und fortan für die Nürnberger zu kicken.


Rekordkulisse

Die Fans fiebern dem Spiel schon immer entgegen und strömen ins Stadion. Wie zum Beispiel am 19. April 1997, als zu einer Drittligabegegnung 45.048 Menschen ins damalige Frankenstadion kamen. Das ist bis heute Rekord.


Höchste Club-Pleite

Die 2:7-Heimniederlage der Nürnberger gegen Fürth vom 1. Oktober 1956 kommentierte der ehemalige Nürnberger Außenläufer Hans "Bumbes" Schmidt mit den Worten: "Die Tränen haben mir in den Augen gestanden, wie die gespielt haben! Und ausgerechnet die Blödel aus Fürth gewinnen das!" Das Zitat erreichte übrigens deswegen Bekanntheit, weil Schmidt zu diesem Zeitpunkt der Fürther Trainer war.


Tradition

Im Jahr 2000 kam die Arbeitsgruppe des DFB, die die große Ausstellung "Der Ball ist rund" im Oberhausener Gasometer zusammengestellt hat, zu dem Ergebnis, dass neben dem Hamburger SV und der Berliner Hertha die SpVgg Fürth und der 1. FCN die "großen Vier" vor dem zweiten Weltkrieg komplettierten.


Frankenderby: Eklat

Beim 209. Derby im Jahr 1973 gab es sogar einen Spielabbruch. Die Fürther hatten ihren vereisten Rasen im Ronhof mit Salz bestreut, so dass kein ordentlicher Spielzug mehr zustande kam. Die Club-Fans fühlten sich hintergangen, warfen beim Stand von 4:2 für Fürth eine Signalrakete auf das Spielfeld und stürmten kurz darauf den Platz. Der Schiedsrichter beendete die Partie sofort. Dieter Nüssing, damals Spieler des 1. FC Nürnberg, erinnert sich: "Dem Schiedsrichter war etwas mulmig zumute, nachdem eine Rakete knapp an seinem Kopf vorbeischoss. Dann hat er das Spiel abgebrochen. Und im Nachhinein wurden uns auch noch zwei Punkte abgezogen, weil die Rakete von unseren Fans kam. Sowas gibt"s doch nicht, der Heimverein ist für die Sicherheit verantwortlich!"


Meisterschaft

Ausgerechnet ein Sieg gegen Fürth bescherte dem Club seinen ersten Meistertitel! Im Endspiel setzten sich die Rot-Schwarzen am 13. Juni 1920 im voll besetzten Germania-Stadion in Frankfurt gegen die SpVgg mit 2:0 (1:0) durch. Die Anhänger standen so dicht gedrängt, dass in den hinteren Reihen kaum mehr Sicht aufs Spielfeld möglich war. Aber der Fußballfreund war schon immer erfinderisch: heran geschleppte Backsteine dienten zur Erhöhung, Leitern wurden verpachtet (die oberste Sprosse für 25 Mark, jede weitere nach unten für 5 Mark weniger), andere Anhänger fuhren Omnibusse herein, um deren Dächer zu vermieten. Erstmals wurden Rekordpreise von bis zu 200 Mark für einen Sitzplatz geboten - meist vergebens, denn die Hütte war restlos ausverkauft.


Bestechung?

Ein Schiedsrichter war den Cluberern sehr wohl gesonnen. In der Regel wurden die Derbys von den Referees sehr hart geführt, vor allem wenn der Schiedsrichter Rossi aus Stuttgart hieß. Der bekannte Club-Sympathisant - am Zabo sprach man stets von "Unser Rossi" - wurde nach einer Niederlage der SpVgg Fürth sogar verdächtigt, das Spiel für eine goldene Springdeckeluhr verschoben zu haben. Der Fall wurde nie aufgeklärt.


Rüdes Spiel

Sportliche Glanzlichter boten beide Teams jedoch nicht immer. Am 6. Oktober 1929 verzeichnete die Spielstatistik 87 Freistöße und 3 Platzverweise (2 Nürnberg, 1 Fürth). Die Presse schrieb: "Von einem Verlauf kann man wohl nicht gut sprechen. Wohl aber von einer Verhauerei. Von einer Holzauktion. Von einem Ereignis, über das man am besten gleich zwei Mäntel der christlichen Nächstenliebe deckt."


Bauchgefühl

Am 7. März 2004 trennten sich die beiden Kontrahenten in Fürth mit 2:2 - am Ende jubelte ein Nürnberger ganz besonders: Stefan Kießling. Dem Club-Eigengewächs, mittlerweile bei Bayer Leverkusen, gelang mit dem Tor zum Endstand sechs Minuten vor dem Ende sein allererstes Profitor - und wie: Eine Vittek-Hereingabe bugsierte er "mit meiner Wampe" (O-Ton-Kießling) in die Maschen.


Seitenwechsler

Besonders heftigen Streit gab es meist, wenn ein Spieler von der einen zur anderen Seite wechselte. Als erster ging Loni Seiderer vom Club zu den Kleeblättern und wurde dort zu einem der großen Stars der 20er Jahre. Den umgekehrten Weg gingen Bumbes Schmidt und Hans Sutor. 1997/98 lockten die Cluberer Thomas Richter und Jochen Weigl vom Playmobil- ins Frankenstadion. Zu Beginn der Saison 2008/09 wechselte Juri Judt vom Ronhof an den Valznerweiher. Es folgten Christian Eigler, Niclas Füllkrug und zuletzt Zoltan Stieber.

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